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Dreamliner malt Dreamliner : Ein Bild für die Götter

  • -Aktualisiert am

Mal mir einen Dreamliner: Die Flugroute der Boeing 787-8 während des Testflugs. Bild: Flightradar24/Google Maps/Reuters

In 18 Stunden und einer Minute kommt man im Flugzeug einmal um die halbe Welt. Oder man malt einen Dreamliner an den Himmel. Warum macht Boeing das?

          Es war ein ungewöhnlicher Flug, zu dem die Testpiloten des Herstellers Boeing am Mittwoch um 15.38 Uhr Ortszeit in die Luft gingen. Das Flugzeug mit der Kennung N7874 – eine 787-8, der vierte Dreamliner, der gebaut wurde – hob vom Boeing Field in Seattle ab. Das Flugzeug legte 15700 Kilometer auf einer durchschnittlichen Flughöhe von 39000 Fuß zurück und flog über 22 amerikanische Bundesstaaten hinweg – und nach 18 Stunden war es fertig mit seinem Werk: Das Flugzeug hatte die Umrisse eines Dreamliners in den Himmel gemalt. Die Nase des gezeichneten Flugzeugs zeigt in Richtung der Meerenge Puget Sound, wo Boeing beheimatet ist. Die Tragflächen reichen vom Norden Michigans an der kanadischen Grenze bis zum Süden von Texas. Das Leitwerk endet in Huntsville, Alabama.

          Auf Twitter scherzte eine Frau, endlich wisse man, warum die Vereinigten Staaten aus dem Pariser Klimaschutzabkommen ausgetreten sind. Was auf den ersten Blick wie eine Spielerei wirkt (und in sozialen Netzwerken entsprechend harsch von unbedarften Nutzern kritisiert wurde), war dabei lediglich der sogenannte Etops-Test (Extended Operations). In einem festgelegten Testverfahren werden die Belastungsgrenzen der Triebwerke über eine lange Dauer getestet. Im aktuellen Fall die Triebwerke des Typs Rolls Royce Trent 1000 TEN. Sie sollen von 2018 an in allen Varianten des Dreamliners verbaut werden, auch in der 787-10, dem „großen Bruder“, der von 2018 an ausgeliefert wird. Ein Etops-Test soll den Behörden beweisen, dass ein Flugzeug auch mit nur einem Triebwerk in der Lage ist, für eine gewisse Zeit sicher in der Luft zu bleiben. Das ermöglicht es Fluglinien, vorher schwer erreichbare Ziele anzufliegen, weil keine Ausweichflughäfen in dem laut Regularien vorgeschriebenen Umkreis vorhanden sind. „Anstelle ein wahlloses Muster zu fliegen, hat sich das Team entschlossen, die Umrisse einer 787-8 in den Himmel zu schreiben“, sagte Boeings Sprecher Doug Alder, Jr. der „Washington Post“. Den Flug hätte es ohnehin gegeben.

          Himmelsschreiber gibt es schon seit den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Mithilfe einer Rauchmaschine flogen kleine Flugzeuge Manöver über der Erde und schrieben so Grußbotschaften, Heiratsanträge oder Werbung in den Himmel. Weitaus langlebiger sind die Muster, die Piloten in den vergangenen Jahren vermehrt in die Luft schreiben: Zu sehen sind sie am Himmel freilich nicht. Mit dem Aufkommen von Tracking-Seiten wie Flight-Aware und Flightradar24, die Flugrouten virtuell auf einer Karte verzeichnen, können sie aber in Echtzeit über das Internet verfolgt werden. „Wir bekommen beinahe täglich Anfragen von Nutzern zu ‚ungewöhnlichen‘ Flugmustern“, sagt Ian Petchenik von Flightradar24. „Meist handelt es sich dabei um Bildflüge zur Vermessung von Objekten auf der Erde, oder um Piloten, die Instrumentenlandesysteme kalibrieren.“ In anderen Fällen sind es Flugzeuge, die in Schleifen auf den Anflug eines geschäftigen Flughafens warten, Schlechtwetter umfliegen oder Piloten, die in Kleinflugzeugen tatsächlich nur ihren Spaß haben wollen.

          Die Flugzeughersteller führen regelmäßig Testflüge durch, und Boeing hat erkannt, wie sie sich öffentlichkeitswirksam nutzen lassen: Erst im Februar hatte Boeing Test & Evaluation, die Abteilung, die für alle Testflüge verantwortlich ist, die neue Boeing 737 Max 8 in einem mehr als neun Stunden dauernden Testflug über eine Strecke von 3900 nautische Meilen (7223 Kilometer) das Wort „MAX“ in die Luft schreiben lassen. 2012 hatte Boeing eine „787“ nebst Boeing-Logo in die Luft geschrieben (19 Stunden), 2014 eine „12“ als Zeichen der Unterstützung des örtlichen Footbaal-Clubs Seattle Seahawks. Derlei Manöver bedürfen einer gründlichen Vorbereitung, wie Andreas Weisweaver, Testpilot bei Boeing mitteilt: „Variablen sind etwa die Brennstoffverbrennungsrate, die Abmessung der geflogenen Strecke, Höhenwinde, Reiseflughöhe, Flugzeuggewicht und Leistungseinstellung.“ In die Routenplanung wird oft auch die Flugsicherung eingebunden, um nicht durch Flugbeschränkungsgebiete zu fliegen.

          Ein Dreamliner der Air India.
          Ein Dreamliner der Air India. : Bild: Reuters

          Für die Flugzeughersteller ist es beste Werbung – und die kann Boeing für den Dreamliner gut gebrauchen. Zuletzt hatte Airbus mit dem A350 dem Dreamliner einen Rivalen entgegengesetzt, der das gleiche Ziel verfolgt: mehr Direktflüge auf „dünnen“ Strecken anzubieten, auf denen nicht genug Passagiere fliegen, um größeres Gerät einzusetzen. Das hilft insbesondere Airlines, die nicht durch Umsteigeverkehr an großen Hubs ihre Flugzeuge füllen können. Nach Angaben von Boeing hat der Dreamliner bislang mehr als 75 neue Direktverbindungen wirtschaftlich gemacht, darunter die Strecken London–Austin, Tokio–Denver und die Verbindung von Addis Abeba nach São Paulo. „Die neue Generation von Flugzeugen wie der Dreamliner 787 von Boeing verbraucht bis zu 20 Prozent weniger Sprit und reduziert die Kosten damit so stark, dass man Tickets günstiger anbieten kann“, hatte Peter Berster vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in einem früheren Interview mit der F.A.Z. gesagt.

          Seit knapp sechs Jahren ist der Dreamliner mittlerweile im Dienst, 565 Stück hat Boeing an mehr als 40 Kunden ausgeliefert. Und 1275 Stück sind schon bestellt. Seinen längsten Einsatz wird der Dreamliner vom März 2018 an haben, wenn die australische Fluggesellschaft Qantas die ersten Direktflüge von Europa nach Australien einführen wird. Ein Dreamliner 787-9 wird dann direkt von London nach Perth fliegen. Es soll der drittlängste Flug der Welt werden. Die Flugzeit: 17 Stunden.

          Quelle: F.A.Z.

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