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Veröffentlicht: 13.07.2017, 11:37 Uhr

Blitzeinschläge 2016 Hier blitzt es am meisten

Im vergangenen Jahr hat es seltener geblitzt als sonst. Auch deshalb gibt es bei der Blitz-Hauptstadt 2016 einen Überraschungssieger.

© dpa Beeindruckendes Naturschauspiel: Ein Blitzeinschlag zwischen den Zentralen der Commerzbank und der Helaba im Jahr 2016 in Frankfurt am Main.

Deutschland ist im vergangenen Jahr deutlich seltener von Blitzen getroffen worden als im Vorjahr. 2016 registrierte der Blitz-Informationsdienst der Firma Siemens (BLIDS) rund 432.000 Blitzeinschläge, deutlich weniger als 2015, als noch rund 550.000 Einschläge ermittelt wurden. Im unwetterstarken Jahr 2007 waren es sogar 1,1 Millionen Einschläge.

„2016 gab es auffallend wenige Blitzeinschläge“, sagt der Leiter des Blitz-Informationsdienstes, Stephan Thern. „Hauptgrund ist, dass im normalerweise blitzreichen August sehr wenige Gewitter zu verzeichnen waren.“ Zur - unerwarteten - Blitz-Hauptstadt erkoren die Experten für himmlisches Donnerwetter den NRW-Landkreis Wesel mit 4,1 Blitzeinschlägen pro Quadratkilometer.

Eigentlich blitzarme Region wird Überraschungssieger

Wesel - eine eigentlich blitzarme Region - sei ein Überraschungssieger, so Thern. „Dies lag an wenigen, dafür aber sehr heftigen Gewittern im Mai und Juni, bei denen ein Großteil der Blitze im Landkreis eingeschlagen sind.“ Auf Platz zwei und drei befanden sich das bayerische Aschaffenburg und der NRW-Landkreis Borken mit jeweils rund 3,8. Die geringste Blitzdichte verzeichneten Flensburg und Frankfurt an der Oder mit jeweils 0,2 sowie Fürth in Bayern mit rund 0,3.

Im Langzeitvergleich von 1999 bis 2016 liegen weiterhin die bayerischen Landkreise Garmisch-Partenkirchen mit 4,2 und Berchtesgadener Land mit 3,8 Blitzeinschlägen pro Quadratkilometer vorne. Tendenziell gibt es in den südlichen Bundesländern wie Bayern und Baden-Württemberg besonders viele Blitzeinschläge, während in Schleswig-Holstein eher wenige zu verzeichnen sind.

Blitze lassen sich heute bis auf 100 Meter genau bestimmen

Blitze verursachen jedes Jahr Millionenschäden. Eine Bilanz für 2016 liegt noch nicht vor. Für 2015 bezifferte der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) die Kosten für Blitzschäden auf 220 Millionen Euro; das waren 30 Millionen Euro weniger als im Vorjahr.

Für Siemens ist der Blitz-Informationsdienst deshalb auch ein Geschäft. Die Daten und Analysen, die über 160 Messstationen in Europa erhoben werden, liefern wichtige Hinweise etwa für Versicherungen, Energieversorger und Industriefirmen. Glaubt man Thern, so sorgt die Digitalisierung für eine deutlich schnellere Auswertung und Übertragung von Wetterdaten. Die Zugrichtung von Gewitterzellen könne wesentlich schneller berechnet werden. Dies ermögliche bei bestimmten Gewitterfronten eine Kurzvorhersage. „Während es früher bis zu 30 Sekunden gedauert hat, bis Informationen zu einem Blitzeinschlag im System abrufbar waren, dauert es heute nur noch zehn“, erläutert der Experte. „Heute können wir rund die Hälfte der Blitze auf besser als 100 Meter genau bestimmen.“

Martin Luther wäre fast vom Blitz erschlagen worden

Blitze galten lange als Zeichen göttlichen Zorns. Die gefürchteten Stromfackeln sind zwischen 20.000 und 30.000 Grad heiß. In der griechischen Antike schleuderte Zeus Blitze vom Olymp herab. In der germanischen Mythologie war Donar, auch Thor genannt, der Gott des Donners. Seine Augen schleudern Blitze. Im christlichen Brauchtum gilt der Apostel Petrus als Wetter-Regent. Bei schönem Wetter „meint Petrus es gut mit uns“. Bei Gewitter „grollt“ der Apostelfürst.

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Gewitter versetzen die Menschen in Angst und Schrecken. Bei Martin Luther sorgte der Legende nach ein schweres Gewitter im Jahr 1505 für die große Lebenswende. Als in seiner Nähe ein Blitz einschlug und er zu Boden geschleudert wurde, rief er die heilige Anna an und gelobte: „Ich will ein Mönch werden.“

Zur Abwehr von Gewittern wurde - auch nach der Erfindung des Blitzableiters durch Benjamin Franklin Mitte des 18. Jahrhunderts - vielerorts das Läuten eigens geweihter Glocken eingesetzt. Durch den Schall sollten „Hagelschauer und Wetterunbill vertrieben, des Donners drohendes Rollen gemäßigt, der Stürme Brausen heilsam gezügelt und der Lüfte feindliche Gewalten darniedergehalten“ werden, heißt es in alten Weihegebeten. Auch Satan höchstpersönlich wurde bei Wetterunbill beschworen. Jahrhundertelang wurde in katholischen Kirchen während der Sommermonate am Ende jeder Messe der Wettersegen gebetet: „Vor Blitz, Hagel und Ungewitter - bewahre uns Herr Jesus Christ.“

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