Die Pflanzenwelt einiger tropischer Regionen ist noch immer wenig erforscht. Das gilt auch für die Andenkette in Südamerika. Besonders die Region an der Grenze zwischen Peru und Ecuador ist reich gesegnet mit Pflanzen, die bislang vor den Wissenschaftlern im Verborgenen blühten.
Jahrelange Forschungsarbeit in den Anden hat der tropischen Gegend einige Entdeckungen abgetrotzt. Die betreffende Region zwischen Peru und Ekuador, die Amotape-Huancabamba-Zone, die von der Pazifikküste über Hochgebirge
von über 4.000 Meter bis hinüber auf die Hänge der Ostanden reicht, hat sich als besonders artenreich entpuppt.
Johannisbeeren in allen Variationen
Im Feld entdeckten die Forscher um den Botaniker Dr. Maximilian Weigend zahlreiche bisher unbekannte Pflanzenarten: fünf neue Arten der Johannisbeeren, fünf neue Arten von Passionsblumen, mindestens 15 neue Arten von Blumennesselgewächsen. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass nicht nur in diesen drei Planzengruppen Neuentdeckungen zu machen sind, sondern auch in anderen Familien, etwa bei Enzian- und Heidekrautgewächsen, Funde noch ausstehen.
Doch die Region verlangt der Flora auch besondere Anpassungsfähigkeiten ab: Manche Arten sind mit unterirdischen Speicherorganen ausgestattet, die es ihnen erlauben, trockene Perioden zu überleben. Andere Arten sind kurzlebig und absolvieren ihren ganzen Lebenszyklus vom Samen zur reifen Frucht innerhalb der kurzen Regenzeit.
Mosaik der Lebensräume
In der Amotape-Huancabamba-Zone besteht ein breiter Korridor, in dem sich Pflanzengruppen der Nord- und der Zentralanden treffen, aus den feuchteren Nordanden und den trockeneren Zentralanden. Ein Teil der hohen Biodiversität der Amotape-Huancabamba-Zone kann also zum ersten Male erklärt werden: Die Region bietet ein Mosaik aus unterschiedlichen Lebensräumen, die die Überlappung der Floren zweier unterschiedlicher Zonen erlaubt. Die Artenzahl pro Fläche beträgt hier das Sechs- bis Achtfache gegenüber anderen Andenregionen.
In der Zone wachsen bestehende Arten beschützt durch Klima und Umgebung heran, neue Arten können ebenso Wurzel fassen. Die Amotape-Huancabamba-Zone kann deshalb als Kreißsaal und als Altersheim für die Flora der Anden betrachtet werden.