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Bill Gates im Gespräch „Wir müssen Polio ausrotten“

Microsoft-Gründer Bill Gates hat in den vergangenen 20 Jahren gut 30 Milliarden Dollar für Entwicklungshilfe ausgegeben. Im Gespräch mit der F.A.Z. fordert er Deutschland auf, sich finanziell stärker zu engagieren.

© Jens Gyarmaty Überzeugungs- und Wohltäter: Microsoft-Gründer Bill Gates bei seinem Besuch in Berlin

Herr Gates, was fällt Ihnen zu Deutschland ein?

Ganz bestimmt nicht nur eine Sache. Deutschland hat viel geleistet. Ich bin aber nach Berlin gekommen, weil ich Ihr Land noch mehr für meine Anstrengungen um die Ärmsten der Armen gewinnen möchte. Die deutsche Entwicklungshilfe könnte sicher noch intelligenter eingesetzt werden. Wir haben bereits eine Reihe von Partnerschaften zu Agenturen wie etwa der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) geknüpft. Doch mir ist zum Beispiel auch die andauernde Unterstützung Deutschlands für den Globalen Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria wichtig, für die Globale Impfstoff-Allianz und ganz besonders für die Ausrottung der Kinderlähmung, wofür ich persönlich momentan die meiste Zeit aufbringe.

Gibt es etwas, für das Sie Deutschland besonders bewundern oder das Sie besonders stört?

Deutschland ist ein Land, das viel Geld für Entwicklungshilfe ausgibt. Im Vergleich zum Verteidigungshaushalt macht Entwicklungshilfe einen relativ großen Anteil aus. Deutschland ist damit humanitärer als viele andere Staaten. Doch Deutschland sollte auch ein Versprechen einlösen, das alle europäischen Staaten mit den Millennium-Entwicklungszielen gegeben haben: Bis 2015 soll die Entwicklungshilfe auf 0,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts steigen.

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Dafür müsste Deutschland seine Entwicklungshilfe verdoppeln.

Es wäre nicht ganz eine Verdopplung, Deutschland liegt seit einiger Zeit bei etwa 0,39 Prozent. Schon rein mathematisch gesehen, kommt man von 0,39 auf 0,7 nur, wenn die Mittel erhöht werden. Und darum geht es mir. Denn Deutschlands Einfluss kann gar nicht hoch genug bewertet werden. Fast automatisch richten sich alle Blicke auf das Land, das wirtschaftlich bei weitem am besten von allen großen Nationen aufgestellt ist. Selbst wenn Deutschland das Ziel bis 2015 nicht erreicht - jede Erhöhung, die es in den nächsten Jahren in die Nähe der 0,7-Prozent-Marke bringt, wäre ein Fingerzeig. Großbritannien zum Beispiel hat viel größere Haushaltsprobleme und musste seine Etats teils drastisch kürzen. Die Hilfe für die Ärmsten wurde allerdings trotzdem erhöht. So wird Großbritannien das 0,7-Prozent-Ziel in diesem Jahr erreichen.

Einige europäische Länder haben die 0,7-Prozent-Marke ja schon seit einigen Jahren erreicht.

Das stimmt. Es gibt seit Jahrzehnten vier Engel: die Niederlande, die sich aber nun erstmals 2014 leider wieder von der Marke entfernen werden, Schweden, Norwegen und Dänemark. Die drei skandinavischen Länder stehen fest zu den 0,7 Prozent, erhöhen die Entwicklungshilfe sogar und denken stetig über neue Wege nach, wie sie die Gelder noch besser einsetzen können. Das ist phänomenal. Ich will Deutschlands Großzügigkeit allerdings nicht kleinreden, 0,39 Prozent sind nicht wenig, Ihre Landsleute dürfen stolz darauf sein, was Ihre Regierungen bisher geleistet haben. In einer Zeit aber, in der überall die Gelder gekürzt werden, muss sich Deutschland seiner Verantwortung stellen. Wir brauchen verlässliche Mittel, nur so können wir Malaria-Tote verhindern, Menschen ernähren und Aids-Kranke mit Medikamenten versorgen. Die Zahl der Aids-Kranken zum Beispiel wird weiter steigen. Wenn wir die Gelder nicht weiter erhöhen und die Menschen nicht therapiert werden können, bedeutet das nichts anderes als den sicheren Tod für sie.

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