Home
http://www.faz.net/-gum-764yp
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
50 plus

Bill Gates im Gespräch „Wir müssen Polio ausrotten“

Microsoft-Gründer Bill Gates hat in den vergangenen 20 Jahren gut 30 Milliarden Dollar für Entwicklungshilfe ausgegeben. Im Gespräch mit der F.A.Z. fordert er Deutschland auf, sich finanziell stärker zu engagieren.

© Jens Gyarmaty Vergrößern Überzeugungs- und Wohltäter: Microsoft-Gründer Bill Gates bei seinem Besuch in Berlin

Herr Gates, was fällt Ihnen zu Deutschland ein?

Ganz bestimmt nicht nur eine Sache. Deutschland hat viel geleistet. Ich bin aber nach Berlin gekommen, weil ich Ihr Land noch mehr für meine Anstrengungen um die Ärmsten der Armen gewinnen möchte. Die deutsche Entwicklungshilfe könnte sicher noch intelligenter eingesetzt werden. Wir haben bereits eine Reihe von Partnerschaften zu Agenturen wie etwa der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) geknüpft. Doch mir ist zum Beispiel auch die andauernde Unterstützung Deutschlands für den Globalen Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria wichtig, für die Globale Impfstoff-Allianz und ganz besonders für die Ausrottung der Kinderlähmung, wofür ich persönlich momentan die meiste Zeit aufbringe.

Gibt es etwas, für das Sie Deutschland besonders bewundern oder das Sie besonders stört?

Deutschland ist ein Land, das viel Geld für Entwicklungshilfe ausgibt. Im Vergleich zum Verteidigungshaushalt macht Entwicklungshilfe einen relativ großen Anteil aus. Deutschland ist damit humanitärer als viele andere Staaten. Doch Deutschland sollte auch ein Versprechen einlösen, das alle europäischen Staaten mit den Millennium-Entwicklungszielen gegeben haben: Bis 2015 soll die Entwicklungshilfe auf 0,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts steigen.

Mehr zum Thema

Dafür müsste Deutschland seine Entwicklungshilfe verdoppeln.

Es wäre nicht ganz eine Verdopplung, Deutschland liegt seit einiger Zeit bei etwa 0,39 Prozent. Schon rein mathematisch gesehen, kommt man von 0,39 auf 0,7 nur, wenn die Mittel erhöht werden. Und darum geht es mir. Denn Deutschlands Einfluss kann gar nicht hoch genug bewertet werden. Fast automatisch richten sich alle Blicke auf das Land, das wirtschaftlich bei weitem am besten von allen großen Nationen aufgestellt ist. Selbst wenn Deutschland das Ziel bis 2015 nicht erreicht - jede Erhöhung, die es in den nächsten Jahren in die Nähe der 0,7-Prozent-Marke bringt, wäre ein Fingerzeig. Großbritannien zum Beispiel hat viel größere Haushaltsprobleme und musste seine Etats teils drastisch kürzen. Die Hilfe für die Ärmsten wurde allerdings trotzdem erhöht. So wird Großbritannien das 0,7-Prozent-Ziel in diesem Jahr erreichen.

Einige europäische Länder haben die 0,7-Prozent-Marke ja schon seit einigen Jahren erreicht.

Das stimmt. Es gibt seit Jahrzehnten vier Engel: die Niederlande, die sich aber nun erstmals 2014 leider wieder von der Marke entfernen werden, Schweden, Norwegen und Dänemark. Die drei skandinavischen Länder stehen fest zu den 0,7 Prozent, erhöhen die Entwicklungshilfe sogar und denken stetig über neue Wege nach, wie sie die Gelder noch besser einsetzen können. Das ist phänomenal. Ich will Deutschlands Großzügigkeit allerdings nicht kleinreden, 0,39 Prozent sind nicht wenig, Ihre Landsleute dürfen stolz darauf sein, was Ihre Regierungen bisher geleistet haben. In einer Zeit aber, in der überall die Gelder gekürzt werden, muss sich Deutschland seiner Verantwortung stellen. Wir brauchen verlässliche Mittel, nur so können wir Malaria-Tote verhindern, Menschen ernähren und Aids-Kranke mit Medikamenten versorgen. Die Zahl der Aids-Kranken zum Beispiel wird weiter steigen. Wenn wir die Gelder nicht weiter erhöhen und die Menschen nicht therapiert werden können, bedeutet das nichts anderes als den sicheren Tod für sie.

1 | 2 | 3 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Juncker im F.A.Z.-Gespräch Meine Glaubwürdigkeit ist nicht beschädigt

Immer mehr Einzelheiten über die Luxemburger Steuerpraktiken werden bekannt. EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker sieht sich in der Affäre nicht richtig dargestellt. Im F.A.Z.-Interview schließt er einen Rücktritt aus. Mehr

10.12.2014, 17:26 Uhr | Politik
Regierung bringt Mietpreisbremse auf den Weg

Bei einem Mieterwechsel darf die Wohnungsmiete ab 2015 nur noch soviel steigen, dass sie höchstens zehn Prozent teurer ist als eine vergleichbare Wohnung derselben Größe und Lage. Allerdings sind Ausnahmen von dieser Bremse vorgesehen. Mehr

01.10.2014, 17:35 Uhr | Wirtschaft
Ausblick für die Finanzen Was bleibt 2015 im Geldbeutel?

2015 treten einige Änderungen und Neuerungen in Kraft, die sich direkt aufs Portemonnaie der Verbraucher auswirken. Hier die wichtigsten im Überblick. Mehr

18.12.2014, 07:55 Uhr | Finanzen
Laas-en-Béarn Dorf in Frankreich will Fürstentum werden

Europa könnte bald ein neues Fürstentum haben: Laas-en-Béarn. Am 1. Januar 2015 soll das Dorf im Südwesten Frankreichs unabhängig werden, so der Plan des Bürgermeisters. Mehr

31.10.2014, 14:34 Uhr | Politik
Svetislav Pesic im Gespräch Große sportliche Ziele hängen auch vom Geld ab

Auch mit 65 Jahren ist Svetislav Pesic nicht zu bremsen. Der Trainer der Bayern-Basketballer spricht im F.A.Z.-Interview über die Verletztenmisere, Größenwahnsinn in Deutschland und Uli Hoeneß. Mehr

19.12.2014, 17:55 Uhr | Sport
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 29.01.2013, 16:52 Uhr

Fußballstar in Bronze Ronaldo errichtet sich eigenes Denkmal

Ronaldo verewigt sich in Bronze, Madonna veröffentlicht vorzeitig sechs Songs ihres neuen Albums und Schüler finden eine alte Flaschenpost von Kardinal Reinhard Marx – der Smalltalk. Mehr 5

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden