Alles fing an, als Julian Germain seine Tochter zur Einschulung brachte. Zum ersten mal seit vielen Jahren war er wieder in einem Klassenzimmer und sofort erinnerte er sich: an seine Mitschüler, völlig Fremde, wie von Schicksalshand in einer Klasse zusammengewürfelt, und doch bald eine Gemeinschaft. An seine Lehrer, die Klassenzimmer, Freunde und Feinde, Hausaufgaben, Prüfungen, Freude und Langeweile, Stolz und Erfolg, Niederlagen und Scham.
Und weil Germain Fotograf ist, machte er sich auf, genau das in Klassenzimmern rund um die ganze Welt zu suchen. Zwischen 2004 und 2012 besuchte er Schulen in Europa, in Nord- und Südamerika, in Asien, Afrika und im Nahen Osten. Unangekündigt platzte er in Unterrichtsstunden und bat die Schüler um 15 Minuten ihrer Aufmerksamkeit für ein Klassenfoto. Er setzte die Schüler so um, dass alle gut zu sehen sind. Dann mussten sie ruhig halten, da Germain mit langen Belichtungszeiten arbeitet.
Die Ergebnisse sind mal vorhersehbar, mal überraschend - in ihrer Detailfülle aber vor allem beeindruckend. Sie zeigen die großen Unterschiede in den äußeren Lebens- und Lernbedingungen der Schüler - von der äthiopischen Klasse mit mehr als 60 Kindern auf klapprigen Holzbänken bis zu den streng uniformierten Internatsschüler in England. Und doch finden sich in den Bildern immer auch Details, Charaktere, Beziehungen und Stimmungen, die einen an die eigene Schulzeit zurückdenken lassen.