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Aktualisiert: 06.07.2017, 10:46 Uhr

Gefängnisstrafe nach Revision? BGH hebt Bewährung für Kölner Autoraser auf

Im April 2015 töteten zwei Raser eine Radfahrerin. Nun hat der Bundesgerichtshof die Aussetzung ihrer Strafe zur Bewährung aufgehoben. Die Höhe beanstandete er nicht.

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© dpa Ein Auto fährt im Juni an der Stelle in Mönchengladbach vorbei, an der der getöteten 19 Jahre alten Radfahrerin gedacht wird.

Immer wieder kommt es zu illegalen Autorennen, bei denen Unbeteiligte verletzt oder gar getötet werden. Und wenn die Raser von Gerichten einige Monate später nur zu vergleichsweise geringen Strafen verurteilt werden, flammt regelmäßig die Debatte über härtere Strafen auf. So war es auch Anfang vergangenen Jahres, als zwei junge Männer, bei deren spontanen Rennen in der Kölner Innenstadt eine 19 Jahre alte Studentin ums Leben kam, wegen fahrlässiger Tötung lediglich zu Bewährungsstrafen von zwei Jahren sowie einem Jahr und neun Monaten verurteilt wurden.

Reiner Burger Folgen:

Am Donnerstag hob der Bundesgerichtshof (BGH) dieses Urteil nun in Teilen auf und verwies den Fall zur neuen Verhandlung an das Landgericht Köln zurück – auch unter ausdrücklichem Verweis auf das allgemeine Rechtsempfinden (Aktenzeichen 4StR 415/16).

Der Forderung der Staatsanwaltschaft nach höheren Haftstrafen folgte der BGH zwar nicht, wohl aber der Forderung, neu über die Frage zu befinden, ob die Strafen im Fall der beiden jungen Männer zur Bewährung ausgesetzt werden dürfen. Hier attestiert der BGH dem Kölner Landgericht Begründungsmängel. Unberücksichtigt habe es den Umstand gelassen, dass die beiden damals 21 und 22 Jahre alten Männer bei ihrem tödlichen Rennen gleich mehrere erhebliche Verkehrsordnungswidrigkeiten (darunter auch den Verstoß gegen das bislang lediglich in der Straßenverkehrsordnung geregelte Rennverbot) vorsätzlich begangen und die Gefahrenlage durch ihre aggressive Fahrweise bewusst herbeigeführt hatten. „Dieser Umstand prägte die Tat und durfte bei der Bewährungsentscheidung nicht außer Acht bleiben“, so der BGH.

Besondere Rücksichtslosigkeit der Angeklagten

Tatsächlich macht das Verhalten der beiden Kölner Raser auch nach mehr als zwei Jahren fassungslos. Am frühen Abend des 14. April 2015 waren die beiden Männer mit ihren zwei aufgemotzten Fahrzeugen (eines hatte eine Motorleistung von 171, das andere gar von 233 PS) auf dem Weg zu den Rheinterrassen in Köln-Deutz. Etwa eineinhalb Kilometer vor ihrem Ziel entschlossen sich die beiden spontan zu einem Kräftemessen, „bei dem sie sich gegenseitig ihre überlegene Fahrkunst und die Leistungen ihrer Fahrzeuge demonstrieren wollten“, wie der BGH in seinem Urteil feststellt. Die beiden fuhren mit stark überhöhter Geschwindigkeit eng hintereinander her. Bei 95 Kilometern in der Stunde verlor der vorausfahrende Raser in einer langgezogenen Linkskurve die Kontrolle über sein Auto und erfasste die Studentin, die auf einem angrenzenden Radweg unterwegs war.

Seine Entscheidung, den Fall zur Neuverhandlung nach Köln zurückzugeben, begründet der BGH nicht nur mit der besonderen Rücksichtslosigkeit der Angeklagten. Nicht ausreichend erörtert hat das Landgericht zudem, „wie sich unter dem Gesichtspunkt der Verteidigung der Rechtsordnung eine Strafaussetzung zur Bewährung auf das allgemeine Rechtsempfinden und das Vertrauen der Bevölkerung in die Unverbrüchlichkeit des Rechts auswirken würde“. Die Verurteilung wegen fahrlässiger Tötung konnte der BGH dagegen nicht monieren, selbst wenn er es gewollt hätte. Denn die Staatsanwaltschaft hatte den Punkt „fahrlässige Tötung“ in ihrer Revision gar nicht angegriffen. Schon deshalb lässt das BGH-Urteil im Kölner Fall keine Rückschlüsse darauf zu, wie die obersten Strafrichter demnächst das noch aufsehenerregendere Berliner Raser-Urteil bewerten.

Gesetzesverschärfungen zu Autorennen

In Berlin waren Ende Februar zwei Raser erstmals in Deutschland des Mordes für schuldig befunden und zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Die beiden waren mit stark überhöhter Geschwindigkeit auf dem Kurfürstendamm unterwegs und überfuhren zudem mehrere rote Ampeln. Bei dem Rennen kam ein Rentner in seinem Auto ums Leben, das einer der beiden Raser gerammt hatte. Das Berliner Urteil ist juristisch hochumstritten. Praktiker der Strafverfolgung begrüßen es aber ausdrücklich.

Erst im Juni beantragte die Staatsanwaltschaft Mönchengladbach gegen einen 28 Jahre alten Raser unter Verweis auf den Berliner Fall Haftbefehl wegen Mordes. Zugleich wiesen die Mönchengladbacher Strafermittler freilich darauf hin, dass jedes einzelne Autorennen in all seinen Abläufen für sich zu betrachten und zu bewerten sei.

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Auch der Gesetzgeber befasst sich schon seit einiger Zeit mit dem allgemeinen Rechtsempfinden beim Thema illegale Autorennen. Vergangene Woche beschloss der Bundestag nach eingehender Beratung Gesetzesverschärfungen, die im September noch den Bundesrat passieren müssen. Gilt die Teilnahme an illegalen Rennen, bei denen niemand zu Schaden kommt, bisher lediglich wie der Verstoß gegen ein Parkverbot als Ordnungswidrigkeit, soll dies künftig mit bis zu zwei Jahren Freiheitsstrafe geahndet werden. Wird jemand verletzt, sollen bis zu fünf Jahre Haft möglich sein, kommt eine Person zu Tode, drohen künftig bis zu zehn Jahre Gefängnis.

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