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Veröffentlicht: 30.10.2013, 23:02 Uhr

Bevölkerungswachstum in Uganda Die Republik der Kinder

Zwei Millionen Mädchen unter 15 Jahren bekommen jedes Jahr ein Kind. Die jüngste Bevölkerung der Welt hat Uganda. Schon Mädchen werden Mütter. Nur Bildung hilft dagegen.

von , Kampala
© Peter-Philipp Schmitt Reich an Kindern: Wie hier in der Region Tororo sind Kinder in den Dörfern oft schon in der Überzahl

James, der Fahrer, der die Gäste der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung vom Flughafen in Entebbe abholt, hat 59 Geschwister. Das sei in Uganda nichts Ungewöhnliches, sagt der Mittdreißiger. Er selbst aber hat nur zwei Kinder, und er hat auch nicht sechs Ehefrauen wie noch sein Vater, sondern nur eine Frau. Kennt er denn überhaupt alle Namen seiner Geschwister? James zögert kurz, dann lacht er und sagt: „Die bekomme ich meist alle zusammen.“ Mit nur zwei Kindern zählt James zu einer Minderheit in einem Land, in dem jede Frau im Schnitt noch mehr als sechs Kinder bekommt. Damit hat Uganda mit afrikanischen Staaten wie Niger, Mali und Somalia, aber auch Afghanistan eine der höchsten Fertilitätsraten der Welt.

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Das Durchschnittsalter in Uganda liegt bei 15,5 Jahren (Deutschland: 43,7Jahre). Knapp die Hälfte der Einwohner ist unter 14 Jahre alt. Damit hat das Land die durchschnittlich jüngste Bevölkerung der Welt. Noch vor zehn Jahren hatte der ostafrikanische Binnenstaat, der etwa so groß ist wie die Bundesrepublik vor der Wiedervereinigung, 25 Millionen Einwohner. Inzwischen sind es 35 Millionen. 2050 sollen es 115 Millionen sein – das wäre eine Verdreifachung. Zugleich wird sich die Bevölkerung Afrikas von 1,1 auf 2,4 Milliarden „nur“ etwa verdoppelt haben.

Für ein Land, das sich nach dem aktuellen Index für menschliche Entwicklung (Human Development Index) der Vereinten Nationen, dem „Wohlstandsindikator“, auf Platz 161 von 186 Ländern wiederfindet, bedeutet das nichts Gutes. Uganda ist ein armes Land. Das weiß auch Staatspräsident Yoweri Museveni, der zwar auch Programme für Familienplanung zulässt und fördert, der aber trotzdem weiterhin am Kinderreichtum festhalten will. Auch Polygamie bleibt weiter legal. James, der Fahrer, hat dafür eine einfache Legitimation: Es gibt doch viel mehr Frauen auf der Welt, meint er. Museveni, seit 1986 stets aufs Neue gewähltes Staatsoberhaupt, ist selbst stolz darauf, seit 40 Jahren mit nur einer Frau verheiratet zu sein, mit der er vier Kinder hat. James lacht, wenn er die Zahl vier hört, die der Präsident angeblich für die perfekte Kinderzahl einer jeden Frau hält: Mindestens zehn andere Kinder soll Museveni im Laufe seines Lebens gezeugt haben.

„In Uganda ist es schwer, über Sex zu reden“

Kinderreichtum scheint wichtig in einem Land, in dem es fast keine Altersversorgung gibt. Doch vier von zehn Schwangerschaften in Uganda sind nicht gewollt, wie eine Studie des amerikanischen Guttmacher-Instituts belegt. Jede Frau bekommt demnach im Schnitt zwei Kinder mehr, als sie selbst will. Auch weil viele von ihnen sich schon als Heranwachsende nicht vor ungewollten Schwangerschaften schützen, weil sie zu wenig über Schwangerschaftsverhütung wissen.

26491359 © Peter-Philipp Schmitt Vergrößern Hilfe für Mütter: Die erste Anlaufstelle sind oft Gesundheitszentren wie hier in Kajjansi

Seit 1998 haben zumindest in der Hauptstadt Kampala Mädchen eine Stimme. Jeden Sonntag um 20 Uhr geht es auf Radio Simba um ihre Rechte. Hinter der Talk-Sendung steht das Naguru Teenage Information and Health Center in Kampala. Das Zentrum, das sich an minderjährige Schwangere wendet, war 1994 die erste Anlaufstelle für Mädchen im ganzen Land. Damals noch aus der Not von der schwedischen Frauenärztin Kerstin Sylvan und ohne staatliche Hilfe geboren, wurde der Service von Anfang an von Unicef gefördert. Heute bringt die schwedische Behörde für internationale Entwicklungszusammenarbeit (Sida) den größten Teil des Jahresetats von zwei Milliarden Uganda-Schilling (rund 570.000 Euro) auf. Für die Ausbildung der 35 Mitarbeiter ist auch die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung zuständig, die sich als Partner der Regierung versteht. Die Organisation mit Sitz in Hannover unterstützt Uganda zudem bei der Aufklärung über Sexualität und Verhütung von Mädchen und Jungen im Alter von zehn bis 14 Jahren an inzwischen zehn Grundschulen in drei Städten, Masindi, Tororo und Wakiso. Pillen oder Kondome verteilt die Stiftung hingegen nicht selbst.

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