30.05.2005 · Nicht einmal mehr jeder sechste Deutsche lebt auf dem Land. Das Statistische Bundesamt belegt den Trend der Abwanderung in dichterbesiedelte Regionen und Städte.
Die Deutschen zieht es in die Nähe großer Städte: Deutlich mehr als drei Millionen Menschen haben seit 1994 die ländlichen Gebiete der Republik verlassen. Ende 2003 lebten nach Angaben des Statistischen Bundesamtes (Destatis) in Wiesbaden vom Montag nur noch rund 12,7 Millionen Menschen (15,4 Prozent der Bevölkerung) auf dem Land. Zum Jahresende 1994 hatte der Anteil der außerhalb der städtischen Gebiete lebenden Bevölkerung noch bei 18,7 Prozent gelegen.
Fast die Hälfte der Einwohner (48,8 Prozent oder 40,3 Millionen Menschen) lebt in städtischen Gebieten, ein Drittel (29,5 Millionen) wohnt in sogenannten halbstädtischen Gebieten. Gegenüber 1994 hat der Bevölkerungsanteil in den halbstädtischen Gebieten zugenommen, während er in den städtischen weitgehend gleich geblieben ist.
Abwanderung in die Städte
Die Gebietstypologie für den Grad der Verstädterung hat das Statistische Amt der Europäischen Gemeinschaft (Eurostat) in Zusammenarbeit mit den Mitgliedstaaten entwickelt. Anhand des Hauptkriteriums Bevölkerungsdichte wurden die Gemeinden Deutschlands (zum Gebietsstand Dezember 2000, da Eurostat die Zahlen nur alle zehn Jahre vorlegt) drei Gebietstypen zugeordnet: städtische oder dicht besiedelte Gebiete, in denen die Bevölkerungsdichte größer als 500 Einwohner je Quadratkilometer ist, halbstädtisch oder mittelstark besiedelte Gebiete (Bevölkerungsdichte zwischen 100 und 500 Einwohner je Quadratkilometer) sowie ländliche oder dünn besiedelte Gebiete mit weniger als 100 Einwohnern je Quadratkilometer.
In Deutschland betrug die Bevölkerungsdichte auf dem Land durchschnittlich 66 Einwohner je Quadratkilometer, in den mittelstark besiedelten Gebieten waren es 223 und in den Städten 1.250 Einwohner. Der Anteil der Bevölkerung in ländlichen Gebieten war Ende 2003 in Mecklenburg-Vorpommern mit 64,4 Prozent (1,12 Millionen Menschen) und in Brandenburg mit 53,5 Prozent (1,38 Millionen) am größten. Allerdings verließen seit 1994 auch mehr als 100.000 Bewohner die dünn besiedelten Gebiete dieser beiden Bundesländer. Weit mehr als eine halbe Millionen Menschen zogen in den vergangenen zehn Jahren aus den ländlichen Gebieten Bayerns und Schleswig-Holsteins weg, in Niedersachen, Thürigen und Sachsen waren es jeweils mehr als 300.000.
Weniger gemeindefreies Gebiet
Besonders niedrig war der Anteil der Bevölkerung in den dünn besiedelten Gebieten im Saarland (0,6 Prozent), in Nordrhein-Westfalen (1,2 Prozent) und in Baden-Württemberg (6,2 Prozent). Den höchsten Verstädterungsgrad der Flächenstaaten wiesen Ende 2003 Nordrhein-Westfalen mit einem Anteil von 71,6 Prozent (fast 13 Millionen Menschen), das Saarland (61,4 Prozent) und Hessen (52,3 Prozent) auf.
Als gemeindefrei gelten Gebiete, die sich entweder im Eigentum des Landes, in dem sie liegen, oder im Eigentum des Bundes befinden. Am 1.Januar 2004 gab es 246 gemeindefreie Gebiete mit einer Gesamtfläche von 4.167,66 Quadratkilometern, die sich auf fünf Bundesländer verteilen (Bayern, Niedersachsen, Hessen, Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg). Im Jahr 2000 lag ihre Zahl noch bei 295 mit einer Gesamtfläche von 4.890,33 Quadratkilometern. Es handelt sich vor allem um Wälder (etwa den Harz) oder Seen (zum Beispiel Chiemsee und Starnberger See).