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Betrug bei Kartenspiel-WM : Auch Bridge ist nicht mehr sauber

  • -Aktualisiert am

Ein Huster für Karo, zwei für Pik? Bei diesem Bridgeturnier in Frankfurt ging hoffentlich alles mit rechten Dingen zu Bild: Wolfgang Eilmes

Kurioser Sportbetrug: Zwei Deutsche sollen den Bridge-Weltmeistertitel im November mithilfe von Hustencodes errungen haben. Die World Bridge Foundation hat sie als Paar lebenslang gesperrt.

          Es gibt Neuigkeiten aus dem Kuriositätenkabinett internationaler Sport-Betrügereien. Nun hat es das Bridge-Spiel getroffen. Jene Sportart, die häufig als hauptsächlich von betagteren Damen und Herren ausgeübtes elitäres Kartenspiel betrachtet wird und bisher nicht für große Skandale bekannt war. Die beiden deutschen Spieler Michael Elinescu, 61 Jahre alt, und Entscho Wladow, 71, wurden vor wenigen Tagen von der World Bridge Foundation (WBF) des Betrugs schuldig gesprochen. Ihr Weltmeistertitel, den sie im November auf der indonesischen Insel Bali errungen hatten, soll nun aberkannt werden. Außerdem wurden sie als Paar lebenslang gesperrt und als Einzelspieler zehn Jahre von allen offiziellen Wettkämpfen der WBF ausgeschlossen.

          Das Urteil erging nach einer zweitägigen Verhandlung in Dallas, auf der Beweismaterial ausgewertet wurde. Das Team, aufgrund ihrer Doktortitel auch „The German Doctors“ genannt, soll sich mittels eines codierten Hustensystems verständigt und so einen unlauteren Wettbewerbsvorteil erlangt haben. Laut einem Ermittlungsbericht der WBF sollen die Hustenzeichen beispielsweise immer dann erfolgt sein, wenn ein Spieler weniger als zwei Karten einer Farbe auf der Hand hatte. Die Anzahl an Hustern stand dann für die jeweilige Farbe, die benötigt wurde – also beispielsweise ein Huster für Karo, zwei für Pik. Das sei aus der Analyse von Videomaterial hervorgegangen. Das Verfahren war von den amerikanischen Gegnern des deutschen Teams angestoßen worden, denen die vermeintlichen Zeichen auffielen.

          Ein enormer Imageschaden für den Bridge-Sport

          Der Präsident des Deutschen Bridgeverbandes (DBV), Ulrich Wenning, der selbst Teil der Mannschaft bei der Weltmeisterschaft war, ist schockiert vom „größten Skandal, dem der DBV je ausgesetzt war“. Er fühlt sich von den Entwicklungen überrumpelt und kann sich noch nicht zur Schuldfrage äußern, da er bislang nicht das gesamte Videomaterial der WM gesichtet habe. Seltsam findet der Jurist jedoch die Vorgehensweise der WBF. Er habe erst etwa viereinhalb Monate nach dem Turnier erfahren, dass es überhaupt ein Verfahren gibt. Gegen wen genau – ob gegen den Verband oder einzelne Spieler – sei trotz mehrmaliger Anfragen lange unklar gewesen. Erst kurzfristig sei ihm dann mitgeteilt worden, dass es die Verhandlung geben soll. Diese habe er aufgrund von lange feststehenden Terminen vergeblich zu verschieben versucht. Dann das niederschmetternde Urteil gegen die beiden Mitspieler. Hervorzuheben sei, dass es keine Vorwürfe gegen die weiteren vier Spieler sowie den Verband gebe.

          Michael Elinescu sieht sich und seinen Partner einer „infamen Intrige“ ausgesetzt. An den erhobenen Anschuldigungen sei „nicht das Geringste dran“. Er vermutet „Neid und Missgunst“ unter den professionellen Bridge-Spielern als Motiv für die „Verleumdungen“. Schließlich seien Wladow und er die einzigen Amateure unter den Spitzenspielern. Das wecke Argwohn und Verschwörungstheorien bei einigen Konkurrenten. Die Weltmeisterschaft in Bali sei mit sauberen Methoden gewonnen worden. Auch hätten die Amerikaner nach dem Wettkampf 30 Minuten Zeit gehabt, Protest einzulegen, was sie nicht taten. Als er dann Monate später von den Anschuldigungen und der nahenden Verhandlung hörte, sei er „aus allen Wolken gefallen“. Auf den Antrag, die Verhandlung zu verschieben, sei nicht geantwortet worden. Die Kommission, die dann in den Vereinigten Staaten – und nicht in Lausanne, wo die WBF ihren Sitz hat – das Urteil aussprach, wurde von einem Amerikaner geleitet. Auch der Ankläger kam aus dem Land der Konkurrenten um die WM. Insgesamt ist der ganze Prozess für den Arzt Elinescu „eine Farce“, die sie anfangs unterschätzt hätten, wogegen sie nun aber vorgehen wollen.

          Ulrich Wenning möchte möglichst bald eine Kommission aus „drei erfahrenen Leuten“ zusammensetzen, die den Fall eigenständig untersuchen soll. Auch wenn das Urteil noch nicht rechtskräftig ist und die beschuldigten Elinescu und Wladow schon Rechtsmittel einlegten, sei der Imageschaden für den Sport enorm: „Betrügen ist tödlich.“ Es sei eine Katastrophe für den Bridge-Sport in Deutschland.

          Quelle: F.A.Z.

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