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Samstag, 11. Februar 2012
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Besonderes Erbe Französin bedenkt alle, die nett zu ihr waren

06.10.2009 ·  Nächstenliebe lohnt sich: Über Jahre hatte sich eine ältere Dame notiert, an wen sie ihr Geld vererben möchte. Apotheker, die sie gut beraten haben oder Busfahrer, die ihr beim Einsteigen geholfen haben, alle wurden bedacht.

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Eine Französin hat ihr Vermögen etwa 200 Menschen vererbt, die nur eines gemeinsam haben: Sie waren irgendwann mal nett zu ihr. Die im Alter von 86 Jahren verstorbene Frau hatte insgesamt 280.000 Euro unter anderem Apothekern, Verkäuferinnen im Supermarkt, Busfahrern, Metzgern und Krankenpflegern vermacht. Eineinhalb Jahre nach dem Tod seien noch immer nicht alle Erben gefunden, sagte ihr Rechtsanwalt Francis Bécu. „Es ist eine richtige Detektivarbeit.“. Der Aktenstapel in der Erbsache Jeannine V. sei bereits einen halben Meter dick.

Jeannine hatte seit Jahren regelmäßig die Namen derjenigen notiert, die sie bedenken wollte. „Sie wollte so vielen Menschen wie möglich eine Freude machen“, sagte Bécu. Jeder der Erben erhalte etwa 1.200 Euro. Manche von ihnen konnten sich kaum an die Begegnung mit der alten Dame erinnern, die sie nun so freundlich bedacht hat. „Sie war eine Kundin, wir haben uns immer gut miteinander verstanden, aber damit hätte ich nie gerechnet“, sagte die Metzgerei-Verkäuferin Anita, die Jeannine vor 24 Jahren zum letzten Mal gesehen hatte.

„Sie hatte ein großes Herz“

Besonders bedacht wurde die städtische Busgesellschaft von Dieppe. Knapp 50 Beschäftigte, vom Fahrer bis zum Techniker, zählen zu den Erben. „Sie konnte nur schwer laufen und hat uns immer mit ihrem Stock gewunken, wenn sie einsteigen wollte“, erzählt der Busfahrer Denis Lecomte. „Sie hatte ein großes Herz. Sie hat mir immer gesagt, eines Tages werde ich von ihr hören, aber so etwas hätte ich nie erwartet.“

In ihrem Testament erwähnte sie eigens, dass sie die alte Dame mit dem weißen Regenmantel und den zwei weißen Gehstöcken sei, falls jemand sich nicht gleich an sie erinnere. Die alte Dame lebte im nordfranzösischen Dieppe in einer Sozialwohnung mit Schwarz-Weiß-Fernseher. Sie hatte keine Geschwister, war nie verheiratet und hatte keine Kinder. Zu ihrer Beerdigung waren nicht einmal ein Dutzend Trauergäste gekommen.

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