http://www.faz.net/-gum-8dnan
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
Best Ager - Für Senioren und Angehörige

Aktualisiert: 16.02.2016, 18:36 Uhr

Berufungsprozess in Stuttgart Impfgegner verliert 100.000-Euro-Wette – muss aber nicht zahlen

Im Internet hat ein Impfgegner die Existenz von Masernviren bestritten und demjenigen viel Geld versprochen, der sie nachweisen könne. Als das passierte, wollte er nicht zahlen. Ein Gericht gab ihm nun recht. Warum?

© dpa Masern wegen Trennungstraumata? Der Impfgegner Lanka bei seinem ersten Prozess um die verlorene Wette im März 2015.

In einem skurrilen Wettstreit um die Existenz von Masernviren hat es eine überraschende Wende gegeben: Ein Impfgegner vom Bodensee ist nicht dazu verpflichtet, einem Mediziner aus dem Saarland eine von ihm ausgelobte Prämie über 100.000 Euro für den Nachweis des Masernvirus zu zahlen. Das Oberlandesgericht Stuttgart gab der Berufung des 52 Jahre alten Impfgegners am Dienstag statt. Das Landgericht Ravensburg hatte ihn vor einem Jahr noch zur Zahlung der Wettschuld an den Arzt verpflichtet.

Es habe sich bei der Ankündigung des Impfgegners nicht um eine Wette oder ein Preisausschreiben gehandelt, auf die der heute 32 Jahre alte Mediziner aus dem Saarland reagiert hatte, sondern um eine Auslobung. So begründet es jedenfalls das Oberlandesgericht in seinem Urteil. Und dabei bestimme alleine derjenige, der auslobt, die Regeln und wofür er bezahlt.

Egal ob sechs oder sechshundert Arbeiten

Der Impfgegner hatte auf einer Internetseite im Jahr 2011 demjenigen 100.000 Euro versprochen, der ihm eine wissenschaftliche Arbeit liefere, mit der sowohl die Existenz als auch die Größe des Virus belegt werde. Der 31-Jährige hatte sechs Arbeiten eingereicht, die sich ergänzten. „Sie hätten aber auch 600 einreichen können, er hätte keine akzeptiert“, sagte der Vorsitzende Richter. Eine Revision wurde nicht zugelassen, dagegen könnte noch Beschwerde eingelegt werden.

Mehr zum Thema

Während des Prozesses sagte der Vorsitzende Richter zu dem Impfgegner: „Sie wissen doch, dass Sie eine Minderheitenposition vertreten.“ Darauf sagte dieser: „Das hat Einstein auch getan.“ Er behauptet zum Beispiel, Krankheiten wie Masern oder Husten seien auf „Trennungstraumata“ zurückzuführen und nicht auf virale Infektionen. Eines seiner Bücher heißt: „Impfen und Aids – Der neue Holocaust.“

Die Gesundheitsämter klagen immer häufiger über niedrige Masernimpfquoten. Angestrebt wird, dass 95 Prozent aller fünfjährigen Kinder geimpft sein sollten. In Heidelberg etwa wird derzeit aber nur eine Impfquote von 85,3 Prozent erreicht.

Quelle: rso./dpa

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Recht auf Vergessen Google kämpft mit Frankreich um Privatsphäre

Diesmal geht Google in die Offensive. Denn der Internetkonzern fürchtet Zensur. Dabei kommt das Unternehmen immer weniger Löschanträgen nach. Mehr Von Jonas Jansen

19.05.2016, 15:56 Uhr | Wirtschaft
Nach heftigen Regenfällen Verheerende Überschwemmungen in Sri Lanka

Die Lage in den Überschwemmungsgebieten auf Sri Lanka bleibt angespannt. Auch am Freitag stiegen die Pegel weiter an. Tausende Menschen in der Hauptstadt Colombo sind von den Wassermassen eingeschlossen. Soldaten versuchen sie mit Schlauchbooten und aus der Luft zu retten. Tagelanger starker Monsunregen hatte den Fluss Kalani über die Ufer treten lassen. Mehr

22.05.2016, 11:49 Uhr | Gesellschaft
Widerrufsjoker Alte Darlehen oft bis zum 21. Juni widerrufbar

Wer für seinen Kredit noch hohe Zinsen zahlt, kann mit einem Trick Geld sparen. Ein Urteil des BGH hätte hier für Rechtsklarheit sorgen sollen. Dazu kam es aber nicht. Aus gutem Grund. Mehr Von Hendrik Wieduwilt

25.05.2016, 09:29 Uhr | Finanzen
Meisterschaft Champagner-Dusche für Leicester-Trainer Ranieri

Jeder Sieg hat wohl auch seinen Preis. Und den zahlte am Samstag Leicester Trainer Claudio Ranieri mit dieser Champagner-Dusche Zuvor hatte sein Team Everton mit 3:1 besiegt. Aber die Überraschungsmannschaft aus Leicester stand schon seit Montag als Meister der Premier League fest. Mehr

08.05.2016, 17:15 Uhr | Sport
Weitere Nachrichten HNA will Air-France-Caterer kaufen

Chinesische Unternehmen setzten ihre Einkaufstour in Europa ungebremst fort, die Gewerkschaft Verdi hat abermals zu Arbeitsniederlegungen bei der Telekom-Tochter T-Systems aufgerufen und die heftigen Unwetter im Südwesten haben auch die Versicherungsbranche hart erwischt. Mehr

31.05.2016, 06:41 Uhr | Wirtschaft

Nach 50 Jahren vor der Kamera Jodie Foster konzentriert sich auf die Regie

Jodie Foster will weniger schauspielern, Vanessa Paradis glaubt nicht, dass Johnny Depp gewalttätig ist, und Wayne Carpendale ist ein begeisterter Radfahrer – der Smalltalk. Mehr 0

Frankfurter Allgemeine Stil auf Facebook
Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden