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Berliner Modewoche (Tag 1) Im Osten geht die Mode auf

 ·  Am ersten Tag der „Fashion Week“ zeigen junge Designer ihre Kollektionen für Herbst und Winter. Und wenn man von ein paar Übertreibungen absieht: sehr erfolgreich.

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© Helmut Fricke Vergrößern Ohne spätpubertäre Spielereien: die Kollektion von Perret Schaad

Das sind ja schöne Aussichten: Gleich die erste Seidenbluse, mit der Hien Le die Modewoche am Dienstag eröffnet, sieht nach Symbolik aus. In dem Wasserfarben-Druck auf der Bluse, in den abgedeckten Blautönen, dem Weiß, Grau und Mauve möchte man mit viel Phantasie einen dramatischen Himmel im Morgengrauen über Berlin erkennen, und der passt besonders in diese Saison. Denn die Sonne geht zur Modewoche im Osten einen ganzen Tag früher auf als in den vergangenen Jahren. Nun ist Berlin schon ab Dienstag (und nicht erst ab Mittwoch) für mehrere Tage eine Modestadt.

Und die Sonne geht nicht nur früher auf – sie scheint auch stärker aus dem Osten. Anita Tillmann von der Premium, die zum zehnten Geburtstag der Designermode-Messe rund 900 Marken präsentiert, berichtet am Dienstagabend, dass schon um zehn Uhr am Morgen die Hallen voll waren. Daran ist auch das Interesse aus dem Fernen Osten schuld. Weit mehr Japaner, Südkoreaner und Chinesen als noch vor einer Saison seien in der Stadt und auf ihrer Messe unterwegs.

Auch die Streetwear-Messe „Bread & Butter“ versteht sich als Ausguck nach Nord- und Osteuropa. Jörg Wichmann von der neuen Messe „Panorama“ fürs mittelmodische und mittelteure Genre beschwört ebenfalls die „neuen Märkte im Osten“. Und „Elle“-Chefredakteurin Sabine Nedelchev stellt den Gästen ihres Dinners zum 25. Geburtstag der Zeitschrift am Dienstagabend den japanischen Designer Yu Amatsu vor, den sie fördert. Er hat seine Marke „A Degree Fahrenheit“ nicht nur aus Verehrung für den deutschen Erfinder der Temperaturskala so genannt – sondern weil man in alphabetisch geordneten Listen von Marken auf diese Weise weit vorne steht.

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© Helmut Fricke Vergrößern Der erste Tag der Modewoche ist jungen Designern vorbehalten.

Im Fernen Osten ist eben – vor allem geschäftlich – mehr los als im nicht mehr gar so luxusaffinen Südeuropa. Modemacher Hien Le, in Laos geboren, hat aber trotzdem keine Themenkollektionen nötig, die ohnehin gerne im Kitsch enden. Im Gegenteil schlägt er eine aufregend unaufgeregte Einfachheit vor. So lässt er es auch bei jenem Morgenhimmel-Motiv bewenden, dem einzigen Druck, der eigentlich an die abstrakte Arbeit des Malers Mark Rothko erinnern soll. Stattdessen konzentriert er sich auf Faltkunst und Materialien. Für Blousons und Kleider in Dunkelblau und Wollweiß, die aussehen, als wären sie aus Wildleder gefertigt, verwendet der Designer künstlichen Alcantara-Stoff. Für einen weit geschnittenen Mantel, der an den Schultern spannende Faltenwürfe zeigt und so flauschig ist, dass man an süße kleine Nerze denkt, musste kein Tier leiden. In Mailand wäre dieser Pelz echt gewesen. In Berlin ist der Mantel aus Kaschmirwolle und trotzdem schön.

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