Home
http://www.faz.net/-gum-75ruw
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
50 plus

Berliner Modewoche (Tag 1) Im Osten geht die Mode auf

Am ersten Tag der „Fashion Week“ zeigen junge Designer ihre Kollektionen für Herbst und Winter. Und wenn man von ein paar Übertreibungen absieht: sehr erfolgreich.

© Helmut Fricke Vergrößern Ohne spätpubertäre Spielereien: die Kollektion von Perret Schaad

Das sind ja schöne Aussichten: Gleich die erste Seidenbluse, mit der Hien Le die Modewoche am Dienstag eröffnet, sieht nach Symbolik aus. In dem Wasserfarben-Druck auf der Bluse, in den abgedeckten Blautönen, dem Weiß, Grau und Mauve möchte man mit viel Phantasie einen dramatischen Himmel im Morgengrauen über Berlin erkennen, und der passt besonders in diese Saison. Denn die Sonne geht zur Modewoche im Osten einen ganzen Tag früher auf als in den vergangenen Jahren. Nun ist Berlin schon ab Dienstag (und nicht erst ab Mittwoch) für mehrere Tage eine Modestadt.

Alfons  Kaiser Folgen:     Jennifer Wiebking Folgen:  

Und die Sonne geht nicht nur früher auf – sie scheint auch stärker aus dem Osten. Anita Tillmann von der Premium, die zum zehnten Geburtstag der Designermode-Messe rund 900 Marken präsentiert, berichtet am Dienstagabend, dass schon um zehn Uhr am Morgen die Hallen voll waren. Daran ist auch das Interesse aus dem Fernen Osten schuld. Weit mehr Japaner, Südkoreaner und Chinesen als noch vor einer Saison seien in der Stadt und auf ihrer Messe unterwegs.

Auch die Streetwear-Messe „Bread & Butter“ versteht sich als Ausguck nach Nord- und Osteuropa. Jörg Wichmann von der neuen Messe „Panorama“ fürs mittelmodische und mittelteure Genre beschwört ebenfalls die „neuen Märkte im Osten“. Und „Elle“-Chefredakteurin Sabine Nedelchev stellt den Gästen ihres Dinners zum 25. Geburtstag der Zeitschrift am Dienstagabend den japanischen Designer Yu Amatsu vor, den sie fördert. Er hat seine Marke „A Degree Fahrenheit“ nicht nur aus Verehrung für den deutschen Erfinder der Temperaturskala so genannt – sondern weil man in alphabetisch geordneten Listen von Marken auf diese Weise weit vorne steht.

"Mercedes-Benz Fashion Week" - Auf der Berliner Modewoche präsentieren Dutzende Designer ihre Entwürfe für Herbst und Winter 2013/14 Der erste Tag der Modewoche ist jungen Designern vorbehalten. © Helmut Fricke Bilderstrecke 

Im Fernen Osten ist eben – vor allem geschäftlich – mehr los als im nicht mehr gar so luxusaffinen Südeuropa. Modemacher Hien Le, in Laos geboren, hat aber trotzdem keine Themenkollektionen nötig, die ohnehin gerne im Kitsch enden. Im Gegenteil schlägt er eine aufregend unaufgeregte Einfachheit vor. So lässt er es auch bei jenem Morgenhimmel-Motiv bewenden, dem einzigen Druck, der eigentlich an die abstrakte Arbeit des Malers Mark Rothko erinnern soll. Stattdessen konzentriert er sich auf Faltkunst und Materialien. Für Blousons und Kleider in Dunkelblau und Wollweiß, die aussehen, als wären sie aus Wildleder gefertigt, verwendet der Designer künstlichen Alcantara-Stoff. Für einen weit geschnittenen Mantel, der an den Schultern spannende Faltenwürfe zeigt und so flauschig ist, dass man an süße kleine Nerze denkt, musste kein Tier leiden. In Mailand wäre dieser Pelz echt gewesen. In Berlin ist der Mantel aus Kaschmirwolle und trotzdem schön.

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Brennnesseln statt Baumwolle Designer suchen neue Fasern

Bio-Mode boomt seit Jahren. Bekannt ist Baumwolle, gefragt sind neue Fasern. Die Designerin Gesine Jost entwirft Mode aus Brennnesseln, ihre Kollektion ist weich und glänzend. Aber massentauglich? Mehr

18.11.2014, 08:14 Uhr | Wirtschaft
Apec-Stil fürs Wohnzimmer Leben wie Xi in China

Seit dem Apec-Gipfel kann jeder Chinese sich in Online-Shops einkleiden wie die Regierungschefs – oder gleich das Geschirr des Staatsbanketts kaufen. Mehr Von Florian Siebeck

14.11.2014, 16:31 Uhr | Stil
Schminktipps auf Youtube Die Beauty-Queens von nebenan

Ihr heimliches Vorbild ist Kim Kardashian: Beauty-Bloggerinnen mit Migrationshintergrund tragen dick auf. Aber auch deutsche Mädchen lieben sie inzwischen für ihre Schminkkünste. Mehr Von Meltem Toprak

23.11.2014, 17:49 Uhr | Stil
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 16.01.2013, 08:23 Uhr

Kommentar zu Ferguson Pharrell Williams will nicht nur über Rassismus reden

Sänger Pharrell Williams hat eine eigene Meinung zu den Geschehnissen in Ferguson, Bette Midler entschuldigt sich bei Ariana Grande für eine verbale Entgleisung und Christian Bale trauert der Rolle als Batman hinterher – der Smalltalk. Mehr 5

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden