10.02.2012 · In Berlin erscheinen im Februar wieder viele Promis. Man behandelt sie sorgsam, übertreibt aber nicht. Wo sich die Stars angekündigt haben, und warum nicht hyperventiliert wird.
Von Anne HähnigEinladen würde Klaus Peter Kofler die Prominenten niemals. „Dann kommen sie garantiert nicht.“ Die Agenten von Angelina Jolie sind schließlich auf ihn zugekommen und nicht er auf sie. Zwei Mal waren sie in seinem Restaurant, dem „Prêt à Diner“, einmal zu zweit, einmal zu viert. Sie schauten sich alles an, den Parkplatz, den Hinterausgang. Der Hof ist absperrbar - wunderbar. „Das Bedürfnis nach Sicherheit ist sehr groß“, sagt Kofler. Ob Angelina Jolie und Brad Pitt aber tatsächlich bei ihm essen, das weiß er nicht. Prominente bleiben gern unberechenbar. Zumindest sind sie in der Stadt, wegen der Berlinale.
In diesem Jahr liegen die Termine etwas ungünstig: Die Oscar-Verleihung ist vorgezogen und findet schon in zwei Wochen statt. Trotzdem kommen auch dieses Mal wieder viele Stars nach Berlin. Meryl Streep wird erwartet, Jake Gyllenhaal ist schon da, Diane Kruger auch.
Sie kommen nicht nur, weil die Berlinale eines der größten Filmfestivals ist. Sie kommen auch wegen Berlin. „Der weltweite Coolnessfaktor dieser Stadt ist nicht zu bezahlen“, sagt Klaus Peter Kofler. Das Wichtigste aber: Berlin hyperventiliert nicht, weil Hollywood-Stars für ein paar Tage in der Stadt schlafen, shoppen, sich frisieren lassen oder eben essen.
Klaus Peter Kofler glaubt, dass sein Restaurant deshalb so interessant für die Prominenten ist, weil er es nicht für sie gemacht hat. Bei ihm gibt es Menüs von Sterneköchen, bezahlbar auch für Normalverdiener. Er will den Luxus demokratisieren. Deshalb gibt er sein Restaurant nicht exklusiv für Promi-Partys her. Brad Pitt und Angelina Jolie dürfen gern kommen, deswegen aber wirft er die anderen Gäste nicht raus. In Berlin, sagt Kofler, müsse sowieso niemand erzogen werden. Man will cool sein in dieser Stadt. Und Prominente in Restaurants zu fotografieren wäre ziemlich uncool. Das mache keiner, sagt Kofler. Er würde es auch nicht zulassen.
Dezent will er mit den Prominenten umgehen. Extrawürste aber bekommen sie trotzdem. Madonna war schon einmal in seinem Londoner Restaurant. Ihre Mitarbeiter riefen ein paar Stunden vorher an und schickte eine Zutatenliste. Die Anweisung: kein Salz bitte, kein Mehl und keine Butter. Die Madonna-Entourage sollte 20 Leute umfassen, 40 Personen erschienen dann.
Wenn die Stars aber einmal da sind, dann sei es in der Regel entspannt. „Die wirklich Prominenten haben keine Profilneurose“, sagt Klaus Peter Kofler. Giulia Siegel ist keine wirklich Prominente. Sie war auch mal Koflers Gast. Wiederkommen durfte sie nicht. Giulia Siegel schnauzte angeblich den Kellner an und rauchte im Lokal, obwohl das nicht erlaubt war. So ein Verhalten, sagt Kofler, kenne er von den richtigen Stars nicht.
Die deutschen B- und C-Promis seien tatsächlich die schlimmsten, sagt Josef Voelk. Er leitet gemeinsam mit Emmanuel de Bayser den Luxusladen „The Corner“ am Berliner Gendarmenmarkt. Während der Berlinale ist hier doppelt so viel los wie sonst. Tom Cruise gehörte schon zu Voelks Kunden, Ashton Kutcher, Hugh Jackman, Catherine Deneuve. Am Donnerstagmorgen war die Schauspielerin Diane Kruger da, um Kleider für ein Fotoshooting auszuwählen. „Niemand fragt, ob wir das Geschäft sperren könnten, während sie da sind“, sagt Voelk. Auch die Promis wollten eben einfach in Ruhe shoppen. Und wer dabei nicht gesehen werden möchte, lässt sich die Kleider ins Hotel liefern.
„Die größten Stars sind die unkompliziertesten“, sagt Voelk. Und damit meint er auch: Die kleineren Stars sind die anstrengendsten. Sie haben Sonderwünsche, sie sehen nicht ein, dass sie die Kleider wirklich kaufen müssen, anstatt sie nur zu leihen. Stil, das sei eben auch eine Sache des Kopfes, der Geisteshaltung, der Disziplin. Iris Berben, meint Josef Voelk, hat Stil. Auch sie geht bei ihm einkaufen. Auch sie ist in diesen Tagen häufig in der Öffentlichkeit zu sehen: am Mittwochabend bei der Party des neuen Magazins „Interview“, am Donnerstagabend bei der Eröffnungsfeier der Berlinale, Donnerstagnacht im Borchardt.
Iris Berben sei „schön wie eine Statue“, schreibt die „Bunte“. Vor allem hat sie Contenance - und keine Angst vor Glamour. Das unterscheide Iris Berben von einigen ihrer deutschen Kollegen, sagt Josef Voelk: „Ich habe das Gefühl, die wollen nicht glamourös sein, weil sie Angst haben, nicht respektiert zu werden.“ Die Stadt Berlin aber mache auch die deutschen Stars etwas mutiger. Voelk glaubt, die Stadt verführe zu Exzentrik, vielleicht aber auch zu Lässigkeit. Gut zu beobachten ist das an Diane Kruger.
Sie spielt die Hauptrolle in „Leb wohl, meine Königin!“ Mit diesem Film wurde die Berlinale eröffnet. Kruger stand in den vergangenen Tagen im Fokus des Filmfestivals. Sie wurde als eine der Ersten bei der Gala am Donnerstag begrüßt. Kruger ist auch für die deutsche Presse besonders interessant: Sie ist eine Deutsche, sie war mal Model, sie ist in Hollywood angekommen. Berlin aber verführt auch sie zu ein paar launigen Geständnissen. In der hiesigen U-Bahn fahre sie gerne mal schwarz, erzählt Kruger am Donnerstagnachmittag bei einer Ausstellungseröffnung des Magazins der „Zeit“ im KaDeWe. Und mit ihrer deutschen Freundin Peti habe sie die Bar „Würgeengel“ entdeckt. Sie nennt diese Bar in Kreuzberg schlicht und schön „Petis Abschussloch“.
Da lachen die Ausstellungsbesucher. Ein Hollywoodstar geht also in ein „Abschussloch“, in Berlin. „Die Stadt ist eben lässiger, entspannter“, sagt Shan Rahimkhan. Vor seinem Friseursalon am Gendarmenmarkt, ganz in der Nähe von „The Corner“, stehen selten Fotografen. Dabei lassen sich in diesen Tagen die nationalen und internationalen Stars bei ihm die Haare legen. Er hat die Paparazzi vertrieben. Einmal lauerten sie vorm Salon, sie warteten darauf, dass seine prominenten Kunden den Laden wieder verlassen. Bis abends hätten sie gewartet und nicht gemerkt, wie die Promis durch den Hinterausgang verschwunden seien.
Shan Rahimkhan will nicht verraten, wem er die Haare schneidet. „Ich will mich nicht mit den Prominenten schmücken, und ich will auch selbst nicht berühmt werden.“ Werbung braucht der Friseur ohnehin nicht mehr. Seine Mitarbeiter arbeiten in diesen Tagen auch in den großen deutschen Hotels, immer bereit, den Gästen die Haare zu schneiden. Allein am Donnerstag hatte Shan Rahimkhan 160 Kunden. 60 von ihnen wurden für die Eröffnungsfeier der Berlinale frisiert.
Normalerweise müssen seine Kunden mindestens zwei Wochen vorher anrufen, wenn sie einen Termin wollen. Für die Prominenten auf der Berlinale macht er aber Ausnahmen. Manche kündigen sich gar nicht vorher an. Sie kommen mit dem Shuttle zu seinem Salon. „Diese Menschen stehen in der Öffentlichkeit, ich kann ihnen natürlich nicht sagen, dass sie warten müssen, bis alle anderen fertig sind“, sagt Rahimkhan. Das aber ist das einzige Vorrecht, das er ihnen zugesteht. Es gibt keinen separaten Raum für Superstars in seinem Salon. Es hängen auch keine Bilder an der Wand, von ihm mit seinen berühmten Kunden. Es gibt diese Bilder nicht einmal. Rahimkhan verbietet es seinen Mitarbeitern, die Prominenten um Autogramme zu bitten oder sie zu fotografieren. „Sie sollen behandelt werden wie jeder andere Gast auch.“
Also luxuriös. Schon die Sessel an den Haarwaschbecken sind in seinem Salon etwas Besonderes: Man kann hier die Füße hochlegen und bekommt den Rücken massiert. Ein Beamer strahlt Filme an die Decke. Viele deutsche Spitzenpolitiker haben sich schon in diese Sessel gefläzt, viele Schauspieler auch. Rahimkhan hat auch schon erlebt, wie ein Hollywood-Star ihn ins Hotel beorderte. Dort sollte er nicht nur ihn, sondern die gesamte Familie frisieren. Ob auch in diesem Jahr eine berühmte Hollywood-Familie zu seinen Gästen zählt, die gerade im Adlon logiert und mit sechs Kindern angereist ist? Rahimkhan schmunzelt. Netter Versuch. Aber nein, er wird nicht verraten, ob Angelina Jolie und Brad Pitt zu ihm kommen. Diskretion bitte! Dafür lieben die Stars Berlin.