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Benedikt XVI. in Brasilien Spartanisches Haus für den Papst

10.05.2007 ·  Vom Besuch des Papstes ließen sich die Benediktiner des Klosters São Bento ihren gewöhnlichen Tagesablauf nicht stören, sie bereiteten sich in aller Ruhe auf ihren Gast vor. Vor allem diese soll auch Benedikt XVI. in ihrer Gemeinschaft finden.

Von Josef Oehrlein, São Paulo
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Einen Tag vor Weihnachten haben die 35 Mönche des Klosters São Bento (Sankt Benedikt) mitten im Zentrum der Geschäftsmetropole São Paulo erfahren, dass Papst Benedikt XVI. während seines Brasilien-Aufenthalts bei ihnen unterkommen möchte. Von da an bereiteten sie sich auf den hohen Besuch vor. Selbst während der ereignisreichen Tage wollen sich die Benediktiner möglichst wenig in ihrem gewöhnlichen Tagesablauf stören lassen. Der Papst könne, wenn er möchte, am Klosterleben teilnehmen, erzählt Prior João Evangelista Kovas bereitwillig. Aber der Achtzigjährige solle in ihrer Gemeinschaft vor allem Ruhe und Erholung finden.

Zwei Nächte wird Benedikt XVI. in dem Kloster verbringen. Ein zwanzig Quadratmeter großes Schlafzimmer mit einem kleinen Bad, ein Arbeits- und ein Empfangsraum sind für ihn hergerichtet worden. Spartanischer könnten die Räume nicht sein, in denen er bis zum Freitag wohnt. In dem zum Empfangszimmer hergerichteten Raum wird er Geistliche und Kirchenfunktionäre treffen. Der Speisezettel ist bescheiden: Der Klosterbäcker Bernardo Schuler will für Benedikt XVI. aber immerhin einen „Papstkuchen“ nach deutschem Rezept backen.

„Bete, arbeite und lies“

In der von Hochhäusern überwucherten Megastadt ist das Kloster São Bento einer der wenigen Orte, die man historisch nennen kann. Wo sich heute der Innenhof der Klosterschule befindet, ist 1554 die Stadt gegründet worden. 44 Jahre später entstand das Kloster, das älteste in São Paulo. Das heutige Gebäude mit der Schule und der Kirche, der Basílica de Nossa Senhora da Assunção, wurde zwischen 1910 und 1914 nach einem Entwurf des aus München stammenden Architekten Richard Berndl errichtet. Die Orgel mit 7000 Pfeifen ist gleichfalls deutscher Herkunft, wie auch die Uhr aus dem Jahr 1921. Sie gilt als die präziseste in der Stadt. Bis zur Erfindung der Quarzuhren stellten Passanten ihre Uhren nach ihr. Nur einmal habe in São Paulo die Zeit stillgestanden, am 8. Januar 1980, dem Todestag von Júlio Müller, dem einzigen Uhrmacher, der ihr Innenleben genau kannte, erzählt Prior Kovas, dessen Urgroßvater die Kanzel der Kirche geschaffen hat.

Das mönchische Leben nach dem Leitspruch „Bete, arbeite und lies“ - die Bibliothek hat 90.000 Bände - ist inmitten der Hektik einer der größten Städte der Welt von der Suche nach Gott bestimmt. Das heißt aber nicht, dass die Mönche trotz Klausur ein weltfernes Leben führen würden. Dem Orden gehören ein Geschäftsgebäude mit 17 Stockwerken, sechs Büros und eine Fazenda. Ein Teil der Einnahmen kommt aus der Schule und der 1908 gegründeten Philosophischen Fakultät, der ersten in Brasilien, aus der die Katholische Universität von São Paulo hervorging. Von den Einkünften werden 150 Angestellte, Lehrkräfte, Sicherheitsleute und Bürokräfte bezahlt.

Die gewaltige dreischiffige Kirche im pseudobyzantinischen Stil beeindruckt durch Düsternis, der Altar aus norditalienischem Granit ist überdacht von einem Baldachin aus Carrara-Marmor. Er wird getragen von vier Säulen aus rotem Porphyr aus Sibirien. An der sonntäglichen Messe nehmen bis zu 600 Personen teil. Sechs Zimmer stehen in dem Kloster stets für Besucher zur Verfügung. Jedes Jahr machen 300 Personen von dem Gastrecht Gebrauch. Fast täglich fragen Interessierte um Aufnahme in den Orden nach. Im vergangenen Jahr sind jedoch nur vier Aspiranten akzeptiert worden.

Quelle: F.A.Z., 10.05.2007, Nr. 108 / Seite 9
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Jahrgang 1949, politischer Korrespondent für Lateinamerika mit Sitz in Buenos Aires.

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