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Gebärmuttertransplantation : „Was spricht dagegen, Kinderwünsche zu erfüllen?“

  • -Aktualisiert am

Spermium trifft Eizelle – so läuft das normalerweise. Bild: mauritius images

Seit Matthias Beckmann die erste Transplantation einer Gebärmutter in Deutschland plant, rufen ihn jede Woche drei Frauen an. Der Arzt sagt: Familienplanung mit einem fremden Organ funktioniert - und ist ethisch okay.

          Herr Professor Beckmann, welchen Frauen könnte eine Gebärmuttertransplantation helfen?

          Frauen, die für diese Operation in Frage kommen, sind entweder ohne Gebärmutter oder mit einer starken Fehlbildung des Organs zur Welt gekommen. Andere mussten sich die Gebärmutter nach einer Strahlentherapie entfernen lassen oder haben durch einen Unfall oder eine Infektion massive Verletzungen erlitten. Wenn diese Frauen sich ein Kind wünschen, können wir ihnen in Deutschland nicht helfen. Leihmutterschaft ist verboten, genauso die Eizellspende. Als Arzt kann ich sogar dafür angezeigt werden, wenn ich einer dieser Frauen zu einem Kind verhelfe. Wir als Gesellschaft drängen die Frauen dazu, ins Ausland zu gehen, wo sie medizinisch oft schlechter versorgt werden. Andere erfüllen sich gar auf illegale Weise ihren Kinderwunsch. Das kann eigentlich niemand wollen, der genauer darüber nachdenkt, und mit einer Gebärmuttertransplantation könnten wir einem Teil dieser Frauen helfen.

          Wie viele Frauen kämen für diese Operation in Frage?

          Wir gehen davon aus, dass es jedes Jahr etwa 4000 Frauen und Mädchen sind, die aus den genannten Gründen gar keine oder nur eine stark beschädigte Gebärmutter haben. Wie viele von ihnen eine Transplantation tatsächlich in Anspruch nehmen würden, lässt sich schwer sagen. Aus der Behandlung von ehemaligen Krebspatientinnen weiß ich aber, dass viele beispielsweise vor einer Chemo- oder Strahlentherapie nicht ausreichend über Möglichkeiten aufgeklärt werden, wie sie nach der onkologischen Behandlung Kinder bekommen können. Sehr viele bedauern das. Für sie könnte eine Gebärmuttertransplantation die Lösung sein.

          Haben sich schon interessierte Frauen bei Ihnen gemeldet?

          Ja. Seitdem wir bekanntgegeben haben, dass wir auf diese Operation hinarbeiten, melden sich etwa drei Frauen pro Woche.

          Und was sagen Sie denen?

          Wir nehmen das erst mal auf und melden uns wieder bei ihnen, wenn wir wissen, ob und wann wir mit den Operationen beginnen dürfen.

          Von wem müssen Sie sich die Operationen genehmigen lassen?

          Zunächst einmal wollen wir die Operation an Schafen erproben. Deren Gebärmutter und der Bereich des Bauches, in dem das Organ sitzt, sind dem einer Frau relativ ähnlich. Für Tierversuche müssen Sie in Deutschland einen Antrag beim Land stellen. In unserem Fall ist dafür die Regierungsbehörde in Franken zuständig. Wir rechnen damit, dass der Antrag bald genehmigt wird. Um später am Menschen operieren zu dürfen, brauchen wir wiederum eine Genehmigung des Gesundheitsministeriums.

          Wie sicher sind Sie, dass Sie diese auch bekommen?

          Wenn die Tierversuche erfolgreich sind, traut man uns, glaube ich, zu, dass wir seriös und gewissenhaft arbeiten. Ich denke schon, dass das klappt. Leider dauert es recht lange, bis solche Anträge durch sind. Auf die Genehmigung der Tierversuche warten wir jetzt seit acht Monaten.

          Was ist das Schwierige an einer solchen Operation?

          Bei allen Organtransplantationen besteht eine Herausforderung darin, das Organ in seine Umgebung zu integrieren: Die Blutversorgung muss funktionieren, im Fall der Gebärmutter müssen wir auch die Bänder, die das Organ halten, richtig verankern, und wir müssen eine funktionierende Verbindung zur Scheide aufbauen. Wenn Sie ein Herz oder eine Leber einmal an der richtigen Stelle gut verankert haben, dann bleibt das Organ in der Regel an dieser Position. Die zusätzliche Herausforderung bei uns ist, dass die Gebärmutter sich in der Schwangerschaft stark dehnt, wenn das Kind wächst. Wir müssen das Organ so sicher verankern, dass es dieser Belastung standhält. Der schwierige Teil beginnt also erst nach der eigentlichen Operation.

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