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Baskenland : Tapas statt Terrorismus

  • -Aktualisiert am

Kinder beim Blindekuhspiel in der Altstadt Bild: Foto Leo Wieland

Seit Eta nicht mehr mordet, konzentrieren sich die spanischen Basken wieder ganz auf das gute Leben. Doch nicht jeder kann zwischen guten Tapas und malerischen Radwegen die Toten vergessen.

          Seit Eta nicht mehr mordet, konzentrieren sich die spanischen Basken wieder ganz auf das gute Leben. Denn wer am Morgen nicht erst unter seinem Auto nach einer Bombe Ausschau halten muss, dem bleibt auch am Abend der Leckerbissen nicht gleich im Halse stecken.

          Zwei Jahre ist es her, dass die Terrororganisation einen „Waffenstillstand“ verkündet und bislang auch eingehalten hat. Javier Maroto, der Bürgermeister von Vitoria, weiß, was das im Alltag bedeutet und was sich seitdem in der Region geändert hat. Er selbst gehört zu denen, die inzwischen auf die ständige Begleitung von Leibwächtern verzichten kann. „Die Angst ist gewichen“, sagt er und serviert dann seinen Besuchern eigenhändig zum zweiten Frühstück ein paar Tapas – im Baskenland Pintxos genannt –, die das Etikett Kleinkunstwerk verdienen.

          Vitoria, obschon Hauptstadt und Regierungssitz der Autonomen Region, ist die am wenigsten Bekannte unter den drei Provinzhauptstädten des Baskenlandes. Bilbao hat das Geld, die Wirtschaft und das Guggenheim-Museum. San Sebastián, die Schönste Spaniens, hat die radikalste Lokalregierung unheilbarer Eta-Sympathisanten und zugleich mehr Michelin-Sterne (9) als jede andere Kommune des Landes. Vitoria, das Mauerblümchen, hat außer einem „sibirisch“ genannten Klima, eine schmucke mitteleuropäisch anmutende Altstadt und eben den Ehrgeiz, in den neuen Friedenszeiten, die in- und ausländischen Besucher mit Lukull und den exzellenten Weinen aus der nahen Rioja Alavesa zu beeindrucken.

          Heutzutage kann man sogar über den Terrorismus sprechen

          Sonst ist Vitoria vor allem „grün“ und spiegelt damit die besten Seiten der naturverbundenen Basken, wenn sie sich nicht gerade in gewalttätigen Irrungen und Wirrungen nationalistischer Politik verheddern. Die Stadt, die auf ihrem Hauptplatz auch ihres Gründungsnamens Gasteiz mit Buchstaben aus gestutzten Büschen gedenkt, war im Jahr 2012 die „grüne Hauptstadt Europas“. Seitdem hat sie ihr Netz für Fahrradwege auf 130 Kilometer ausgedehnt. Die Sparkasse hat ihren Kunden fünftausend Setzlinge geschenkt, die die Zahl der städtischen Bäume auf mehr als 130.000 erhöhte. Ehernes Gesetz ist, dass jedes Viertel mindestens einen Park hat. Und wider alle „spanischen“ Gewohnheiten, werden auch die Schalen der Langustinos in den Bars nicht notorisch auf den Boden geworfen.

          Kunstfertig: Der Bürgermeister serviert Tapas
          Kunstfertig: Der Bürgermeister serviert Tapas : Bild: Foto Leo Wieland

          Vitoria trennt den Müll mit geradezu religiöser Inbrunst. Es hat den Wasserverbrauch pro Kopf und die Abfälle weit unter den Landesdurchschnitt gesenkt. Seine Bürger spenden mehr Blut als alle anderen Spanier. Und an Samstagen gehen sie gern zur Demonstration gegen die Wiedereröffnung des vierzig Kilometer entfernt im benachbarten Kastilien und León gelegenen Kernkraftwerks Garoña. Vor diesem „gefährlichen Zwilling“ des Reaktors von Fukushima wollen sie endlich ihre Ruhe haben.

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