Trotz der schweren Zugunfälle vom Freitag sieht die Deutsche Bahn keine Möglichkeit, sämtliche Gleisübergänge mit Vollschranken zu sichern oder völlig
abzuschaffen. Ein Bahnsprecher verwies am Samstag die hohen Kosten derartiger Maßnahmen: „Die Bahn investiert jährlich 250 bis 300 Millionen Mark in die technische Sicherung oder in die Beseitigung von Bahnübergängen“, sagte Bahnsprecher Hans-Georg Kusznir. Am Freitag waren bei zwei Zugunglücken an Bahnübergängen in Bayern insgesamt sieben Menschen ums Leben gekommen.
Kusznir betonte, Untersuchungen hätten gezeigt, dass 97 Prozent der Unfälle an Bahnübergängen auf das Fehlverhalten der Verkehrsteilnehmer zurückzuführen seien. „Selbst Vollschranken bieten keine 100-prozentige Sicherheit.“ Oft sei Unachtsamkeit oder Leichtsinn im Spiel: „Ich appelliere daher eindringlich an alle Verkehrsteilnehmer, die Sicherungsanlagen sehr ernst zu nehmen.“ Ingsesamt gibt es in Deutschland nach Bahnangaben 26.000 Übergangsstellen, die mit Andreaskreuz, Signalanlagen sowie halben oder vollen Schranken gesichtert sind.
Übergänge unvermeidbar
Angesichts der Unfalltoten vom Freitag sagte Hermann Graf von Schulenburg, Konzernbevollmächtigter der Deutschen Bahn AG in Bayern, die Bahn wolle zumindest die Zahl der ebenerdigen Übergänge auf jeden Fall verringern, um die weitere schwere Unfälle möglichst zu vermeiden. Für eine komplette Beseitigung von Übergängen durch den Bau von Brücken oder Unterführungen müssten Bahn, Bund und die Straßenbaulastträger, die zu je einem Drittel an den Kosten beteiligt sind, „einen mehrstelligen Milliardenbetrag“ aufbringen, erklärte Bahnsprecher Kusznir. „So wünschenswert dies auch wäre, fehlt dazu sicherlich allen Partnern das Geld.“ Die Investitionen der vergangenen Jahre hätten aber bereits zu einer deutlichen Reduzierung der Unglücke geführt.
Bahn an Unfällen schuldlos
Unterdessen hieß es, dass die Deutsche Bahn AG nach bisherigen Ermittlungen der Polizei kein Verschulden an den zwei schweren Zug-Unfällen trifft. Die Sicherungseinrichtungen an den Bahnübergängen in der Nähe der oberpfälzischen Stadt Vilseck und der schwäbischen Gemeinde Tapfheim haben nach Angaben der Polizei vom Samstag ordnungsgemäß funktioniert. Die insgesamt 43 Verletzten sind inzwischen alle außer Lebensgefahr.