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Bahlsen : Keine Spur vom Keks-Dieb

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Hier, in der Mitte der Brezel, war einmal ein Keks Bild: dpa

Die Firma Bahlsen will ihr goldenes Wahrzeichen zurück und verspricht, Kekse an soziale Einrichtungen zu spenden. Auf das Angebot hat sich „Krümelmonster“, Absender eines Bekennerschreibens, bisher jedoch nicht eingelassen.

          Erst stehlen dreiste Diebe den vergoldeten Keks von der Fassade des Bahlsen-Stammhauses, dann taucht ein Erpresserbrief von „Krümelmonster“ auf. Die Geschichte rund um das verschwundene Wahrzeichen des traditionsreichen Gebäckherstellers Bahlsen wird immer abstruser. Die Polizei Hannover geht nun auch dem Verdacht der versuchten Erpressung nach, hat aber keine Spur. „Es gibt nichts Neues“, sagte eine Polizeisprecherin am Donnerstag.

          Genießt gerade viel Aufmerksamkeit: Unternehmenschef Werner Bahlsen
          Genießt gerade viel Aufmerksamkeit: Unternehmenschef Werner Bahlsen : Bild: dpa

          Dem Schreiben, das am Dienstag bei Bahlsen und bei der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“ eintraf, war ein Foto beigelegt: Es zeigt eine Person im Krümelmonster-Kostüm, das in einen riesigen goldenen Leibniz Keks beißt. Die Spezialisten der Polizeidirektion Hannover prüfen derzeit, ob es sich um eine Fotomontage handelt. „Das wird noch einige Tage dauern“, sagt Polizeisprecherin Jacobe Heers am Mittwoch. Noch sei unklar, ob die wahren Keks-Diebe oder Trittbrettfahrer das Schreiben verfasst hätten.

          „Aber die mit Vollmilch“

          In dem aus Zeitungsschlagzeilen zusammengeschnipselten Drohbrief verlangt das Krümelmonster, allen Kindern im hannoverschen Kinder-Krankenhaus Kekse zu schenken („Aber die mit Vollmilch“). Die 1000 Euro Belohnung, die Bahlsen zur Ergreifung des Keks-Diebes ausgesetzt hat, sollen zudem an ein Tierheim gespendet werden.

          Post für „Krümelmonster“ im Intenet
          Post für „Krümelmonster“ im Intenet : Bild: dpa

          Der Bahlsen-Unternehmenschef appellierte am Mittwoch an den unbekannten Erpresser, den gestohlenen Keks zurückzugeben. „Wir wollen den Keks zurückhaben. Dieser Keks ist für unser Haus ein Symbol“, sagte Werner M. Bahlsen. „Wir lassen uns nicht erpressen“, betonte Bahlsen. Allerdings werde das Unternehmen eine soziale Aktion starten, wenn das Kunstwerk zurückgegeben werde. So will der Keksproduzent dann 52.000 Leibniz-Kekse an 52 soziale Einrichtungen spenden.

          Die Frage ist: Ist der Keks-Dieb mit sozialer Ader eine Art moderner Robin Hood? Foppt er gar die Polizei wie vor 20 Jahren Kaufhaus-Erpresser „Dagobert“? Im Internet wird bereits heftig über die Identität des schielenden Krümelmonsters diskutiert, das auf dem Foto eigentlich ein wenig an Kermit, den Frosch erinnert.

          Seit 100 Jahren am Stammhaus

          So absurd das alles scheint: Unternehmenschef Werner M. Bahlsen ist nicht zum Lachen zumute. „Es ist eine Straftat. Wir wollen, dass die Sache aufgeklärt wird“, sagt der 63 Jahre alte Chef vor Journalisten. 100 Jahre lang hing der Keks in fünf Meter Höhe am Stammhaus, er ist Teil der Fassadenverzierung des Jugendstil-Bildhauers Georg Herting.

          Erst vor kurzem geriet Bahlsen in die Schlagzeilen, als das Unternehmen zunächst das Aus seiner Weihnachtsgebäck-Produktion verkündete - und sie nach Kundenprotesten wieder zurücknahm. Ist der Diebstahl womöglich eine von der Firma eingefädelte Marketing-Aktion? „Das ist Unsinn. Wir sind ein seriöses Unternehmen. Mit solchen Dingen würden wir nicht scherzen“, sagt Bahlsen. Auf die Forderungen des Krümelmonsters werde er nicht eingehen. Erst müsse das Kunstwerk zurückgegeben werden. „Wir werden danach eine sehr wichtige soziale Aktion starten, aber wir lassen uns nicht erpressen.“

          Zwei Männer in dunkler Handwerkerkleidung

          So wird der Keks-Krimi aus Hannover fortgesetzt. Die Polizei prüft Zeugenhinweise, wonach am 11. Januar in den frühen Nachmittagsstunden der goldene Keks abgeschraubt wurde. Zwei Männer in dunkler Handwerkerkleidung wurden dabei beobachtet. Es gibt Hoffnung auf ein Wiedersehen mit dem Markenzeichen. Vor drei Jahren hatte der mysteriöse Diebstahl der Kultfigur aus dem Kinderkanal „Bernd das Brot“ in Erfurt übrigens ähnlich viele Schlagzeilen gemacht. Nach zwei Wochen tauchte „Bernd das Brot“ wieder auf.

          Das Krümelmonster aus der „Sesamstraße“ findet den Erpressungsversuch seines Doppelgängers übrigens wenig witzig. Der NDR zitierte es am Donnerstag mit den Worten: „Das geht mir mächtig auf den Keks.“ Die Original-Krümelmonsterfigur aus den Vereinigten Staatenist gerade in Hamburg zu Gast, weil Dreharbeiten der deutschen Ausgabe der „Sesamstraße“ mit Sänger Udo Jürgens anstehen.
           

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