25.06.2005 · Gewitter mit Platzregen, Sturmböen und Hagel sind Samstag früh über Baden-Württemberg niedergegangen. In Balingen wurden 500 Camper evakuiert, die zu den 20.000 Besuchern eines Heavy-Metal-Festivals gehörten.
Mehr als zwölf Stunden lang tanzen Tausende Heavy-Metal-Fans zu Liedern über Tod, Schmerz und Weltuntergang. Auf dem Zeltplatz wehen Totenkopfflaggen, und auf schweißnassen Körpern glänzen die Tattoos mit düsteren Gestalten. Plötzlich verdüstert sich der Himmel: Blitz, Donner, Sturm und Taubeneier große Hagelkörner stürzen das Gelände des „Bang Your Head“-Festivals in Balingen (Baden-Württemberg) in der Nacht zum Samstag kurzzeitig ins Chaos.
250 Helfer von Feuerwehr, Technischem Hilfswerk und Roten Kreuz sind im Nu vor Ort. Sie versorgen 40 Verletzte und kümmern sich um die durchnäßten und frierenden Besucher. Einen Besucher überrascht der Sturm im Dixi-Klo. Das Häuschen stürzt um, die Chemikalien verätzen ihn. „Der Aluminiumvierkant eines einbrechenden Zelts hat eine Frau am Auge schwer verletzt“, erklärt Werner Nix vom Roten Kreuz. „Die Zelte sind reihenweise durch die Luft geflogen.“
Kurzfristig obdachlos
Zumeist kümmern sich die Sanitäter um leichte Schnittverletzungen. Viele Festivalbesucher macht das Unwetter kurzfristig obdachlos. Da die Konzerte beim Ausbruch schon zu Ende sind, haben sich viele bereits schlafen gelegt. Die Helfer öffnen mitten in der Nacht Turn- und Stadthallen und versorgen die Musikfans mit Decken und heißen Getränken. „Das war das Schlimmste, was ich je erlebt habe“, sagt der neben seiner Zeltruine stehende Metal-Fan Johannes Pott. Das Unwetter weckt ihn aus tiefem Schlaf. Wegen des Stromausfalls kann er die herumfliegenden Zelte und Klamotten nur während der zahllosen Blitze sehen.
„Plötzlich ist ein Pavillon auf uns drauf gesegelt“, berichtet der Hamburger Lars Adamczak, während seine Freunde noch aufräumen und Sachen zum Trocknen aufhängen. „Das war grausam, und der Hagel hat echt wehgetan.“ Der 39jährige Ossi Priest hat in der Not einen Geistesblitz: „Ich habe mich in das Einkaufswagenhäuschen eines Supermarkts geflüchtet und mich dort schlafen gelegt.“ Viele andere verbringen die Nacht unbequem auf Autositzen. Das Unwetter legt auch die Technik des Festivals teilweise lahm. Das ausverkaufte Musikfest, zu dem Bands wie Twisted Sister, Dio und Motörhead eingeladen waren, kann daher am Samstag nur mit Verzögerung fortgesetzt werden. „Vorher war alles völlig harmonisch, alles funktionierte“, sagt Organisator Horst Odermatt. Die Veranstalter sprechen von rund 20.000 Besuchern.