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Baden-Württemberg Mehr Psychologie in der Schule

09.03.2010 ·  Baden-Württemberg will künftigen Amokläufen vorbeugen. Ein Sonderausschuss schlägt vor, die Zahl der Schulpsychologen zu verdoppeln. Darüber entscheidet der Landtag an diesem Donnerstag. Dann jährt sich der Amoklauf in Winnenden zum ersten Mal.

Von Rüdiger Soldt
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Der im vergangenen Jahr nach dem Amoklauf von Winnenden im baden-württembergischen Landtag eingesetzte Sonderausschuss hat der Landesregierung empfohlen, 250 Stellen für Gewaltpräventionsberater und Beratungslehrkräfte zu schaffen sowie etwa 100 Schulpsychologen zusätzlich einzustellen und ihre Zahl damit zu verdoppeln. Der Ausschussvorsitzende und Fellbacher Oberbürgermeister Christoph Palm (CDU) sagte, von großer Bedeutung sei es, an allen Schulen des Landes das von dem norwegischen Psychologen Dan Olweus entwickelte Gewaltpräventionsprogramm einzuführen. Ziel dieses Programms ist es, „unmittelbare und mittelbare“ Gewalt an Schulen zu verhindern. Am 11. März 2009 hatte der 17 Jahre alte ehemalige Schüler der Albertville-Realschule Tim K. in Winnenden neun Schüler, drei Lehrerinnen und drei Passanten sowie schließlich sich selbst getötet.

Der Ausschuss schlägt außerdem vor, einen Studiengang „Schulpsychologie“ zu schaffen und zu diesem Thema auch ein Kompetenzzentrum für Fortbildungen im Südwesten einzurichten. Die vom Ausschuss vorgeschlagenen Maßnahmen kosten jährlich etwa 30 Millionen Euro. Die Oppositionsparteien SPD und Grüne konnten sich mit ihrer Forderung, die Schulsozialarbeit wieder stärker mit Landesgeldern zu fördern, nicht durchsetzen. Derzeit gibt es in Baden-Württemberg nur noch 500 Schulsozialarbeiter, nach Auffassung der Opposition wären 2500 erforderlich.

Keine Mehrheit für Waffen-Verbot

Auch die Forderung der Opposition, mit einer Bundesratsinitiative ein Verbot großkalibriger Waffen anzustreben, fand keine Mehrheit. Wenige Monate nach dem Amoklauf hatte der Bundestag das Waffenrecht verschärft: Seitdem gelten strengere Vorschriften für die Aufbewahrung von Waffen, zudem ist das Schießen mit großkalibrigen Waffen erst vom 18. Lebensjahr an erlaubt.

An der Aufarbeitung des Amoklaufs vom 11. März 2009 gibt es auch Kritik: So wird kritisiert, dass die Schüler zu schnell in die Unterrichtscontainer auf dem Schulgelände zurückgekehrt seien und dass die Hilfe der zahlreichen Schulpsychologen zu aufdringlich gewesen sei. Bis Mitte nächsten Jahres soll die Albertville-Schule umgebaut sein, die Landesregierung unterstützt den Umbau mit drei Millionen Euro. Vermutlich im Sommer soll der Prozess gegen den Vater des Amokläufers beginnen, der wegen fahrlässiger Tötung angeklagt ist, weil er die spätere Tatwaffe sowie die dazugehörige Munition ungesichert aufbewahrt hatte.

Zu der von der Stadt Winnenden ausgerichteten Gedenkveranstaltung an diesem Donnerstag wird auch Bundespräsident Horst Köhler erwartet.

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Jahrgang 1966, politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

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