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Baden-Baden : Zwei Schlossruinen sind eine zu viel

Schutthalde: Blick in den Innenhof des eingerüsteten Schlosses Bild: Rüdiger Soldt

Vor 13 Jahren verkaufte das Haus Baden seinen alten Stammsitz an eine kuweitische Familie. Seither verrottet die Anlage in der Altstadt von Baden-Baden – und niemand will etwas daran ändern.

          Für den Preis von zwei Doppelhaushälften hätte sich das Problem der kleinen Weltstadt im Schwarzwald lösen lassen. 2,7 Millionen Euro hätte es gekostet, den Stammsitz des badischen Herrscherhauses dem Markgrafen abzukaufen. Ein Kleckerles-Betrag eigentlich. So viel kostet allein der Unterhalt von Schloss Salem, das vor sechs Jahren von den ewig klammen Badenern an das Land Baden-Württemberg verkauft wurde. Für 58 Millionen Euro allerdings. Das Schloss in Baden-Baden rottet seit Jahren vor sich hin. Es gehört der kuweitischen Immobilienhändlerin Fawzia Al-Hassawi. Vor 13 Jahren wurde der Kaufvertrag unterzeichnet. „Danke Allah“, schrieb damals ein Magazin. Für die „Erfüllung der Aufgaben“ des Landes, hieß es von der damaligen Landesregierung in Stuttgart, brauche man das Schloss nicht.

          Rüdiger Soldt

          Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

          Für die Verfechter des badischen Sonderbewusstseins und der gelb-roten Sache an und für sich handelt es sich um einen Sündenfall von nationaler Größenordnung. Das Renaissanceschloss der Markgrafenfamilie, das über der Altstadt thront, sei das „einzige namensgebende Schloss“ einer Herrscherfamilie, das in Deutschland an Privatinvestoren verkauft worden sei. So formuliert es jedenfalls die Organisation „Baden in Europa“.

          Die historische Bedeutung des Schlosses überschätzen die Berufsbadener möglicherweise ein wenig, schließlich verlegte Markgraf Ludwig Wilhelm seine Residenz 1705 nach Rastatt, nachdem das Schloss von den Franzosen im Spanischen Erbfolgekrieg zerstört worden war. Später wurde es wieder aufgebaut und diente als Sommerresidenz. Zuletzt war es dann nur noch Museum, bis die Bestände und das Inventar vor 20 Jahren von Sotheby’s als Teil der „Markgrafenauktion“ versteigert wurden und das Schloss schließlich selbst zum Verkauf stand.

          Der Verfall des Schlosses ist weithin sichtbar.

          Von dem immer wieder angekündigten Luxushotel auf dem Florentinerberg ist allerdings bis heute nichts zu sehen. In 13 Jahren wurde nicht mehr erreicht, als den völligen Verfall abzuwenden. Und das gelang auch nur mit Geldern der staatlichen Denkmalförderung. Wieder einmal ist das Schloss derzeit eingerüstet. Von allen Mauern bröckelt der Putz, im Schlosshof wächst Gras auf einem Schutthügel. Das Mauerwerk hat schwarze Flecken. Hölzerne Stützen stabilisieren einige Sandsteinquader. Wenigstens plätschert aus dem Brunnen an der Westseite noch ein spärlicher Wasserstrahl. „Privatweg. Benutzung auf eigene Gefahr“, steht vor dem Hauptportal.

          Initiative: „Rettet das Neue Schloss“

          Drei Jahrzehnte völlig ergebnislose Debatten über die Zukunft des „Neuen Schlosses“ können politisch nicht ohne Folgen bleiben. Die Kommunalpolitiker haben allesamt versagt. Die Landespolitik interessiert sich bis heute wenig für die Kurstadt, die in der Welt bekannter ist als Stuttgart und Mannheim zusammen. Die Berichte und Meldungen, nach denen das Schloss demnächst mal wieder von einem Investor aus dem „Dornröschenschlaf“ geküsst werde, glaubt in der Kurstadt niemand mehr. Deshalb gründete sich erst eine Initiative „Rettet das Neue Schloss“ und Anfang vergangenen Jahres entstand daraus sogar eine kommunale Wählervereinigung namens „Freie Bürger für Baden-Baden“ (FBB), die mit den Farben des Hauses Baden – Gelb und Rot – ihre Flyer schmückt und nunmehr seit einem Jahr im Gemeinderat sitzt.

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