WAT - Wattenscheid
In Wattenscheid gibt es einen stark ausgeprägten Lokalpatriotismus. Schwer trägt der Wattenscheider bis heute an der kommunalen Gebietsreform: 1975 wurde die einst kreisfreie Stadt Wattenscheid zu einem Bezirk von Bochum. Schon seit einiger Zeit werben überzeugte Wattenscheider mit der Aufkleber-Kampagne „Ich will WAT“ für die Rückeroberung eines kleinen Stücks Selbständigkeit. In diesen Tagen ist es schwer, auf den Wattenscheider Straßen jemanden zu finden, der Ramsauers Kennzeichen-Vorschlag nicht gut findet. Auch in Wanne-Eickel (WAN), Castrop-Rauxel (CAS) und Witten (WIT) wünscht man sich die Vergangenheit zurück - der Kreistag des Ennepe-Ruhr-Kreises hat WIT schon gutgeheißen.
Auch der neue nordrhein-westfälische Verkehrsminister Michael Groschek (SPD) hat die Kennzeichen der Zeit längst verstanden: Die freie Wahl findet er gut. Ob es aber auch eigene Kennzeichen für Stadtbezirke geben solle, müssten die Kommunen entscheiden. In den Sternen steht deshalb einstweilen, welche Chancen etwa Köln-Nippes (NIP) oder Düsseldorf-Derendorf haben. Im Derendorfer Fall kommt erschwerend hinzu, dass die Kombination DD schon an die Dresdner vergeben ist. Und die hätten gewiss keine Freude daran, wenn ihnen die Düsseldorfer nach dem D auch noch ihr DD wegnähmen.
BRI - Brilon
Der Sauerländer gilt als stur. Insofern könnte man glauben, AR (Arnsberg), MES (Meschede) und BRI (Brilon) könnten sich nun endlich vom Joch HSK (Hochsauerlandkreis) befreien, das ihnen am 1. Januar 1975 auferlegt wurde. Aber nein, der Sauerländer ist auch konservativ: Der Kreistag schmetterte die Wiedereinführung von AR und BRI ab. Dabei ist doch gerade Brilon, Heimat von Birgit Schrowange und Friedrich Merz, ein stolzer Luft- und Kneippkurort. Aber nicht einmal Bürgermeister Franz Schrewe (SPD) will sein BRI wiederhaben: „Die Marke HSK hat sich durchgesetzt. So soll es bleiben. Sonst gibt’s nur Wirrwarr.“ Der Sauerländer ist eben auch vernünftig.
LRO - Landkreis Rostock
In Mecklenburg-Vorpommern hatten die Einwohner gerade eine Kreisstrukturreform zu verkraften, verbunden mit neuen Autokennzeichen. Die sechs neuen Landkreise gehören zu den größten in Deutschland - von der Fläche her. Und nun muss ein Güstrower mit LRO (Landkreis Rostock) herumfahren. Umso erstaunlicher eine Umfrage der „Schweriner Volkszeitung“: Fast jeder zweite befürchtet Chaos, Mehrbelastung der Ämter und Geldschneiderei, wenn das Kennzeichen frei würde. Reinhard Meyer (SPD), der Wirtschaftsminister von Schleswig-Holstein, begrüßt die Idee, warnt aber vor höheren Gebühren. Oldenburg in Holstein wäre wohl sofort dabei, um statt des 1970 eingeführten OH (Ostholstein) wieder OLD zu bekommen. Und Eutin in OH könnte sich wieder des EUT erfreuen.
UH - Unstrut-Hainich-Kreis
UH: Es gebe wahrhaft wichtigeres als Autokennzeichen, sagte der Verkehrsexperte der FDP-Fraktion im Thüringer Landtag, Heinz Untermann, zur Debatte um Autokennzeichen. Da wollte ihm der Sprecher des Thüringer Verkehrsministeriums gar nicht widersprechen. Aber es gibt nicht wenige Thüringer, für die das Kürzel eine wahre Herzensangelegenheit ist - und Thüringens Verkehrsminister Christian Carius (CDU) hatte die Debatte mit seiner liberalen Haltung in der Kennzeichnungspflicht von Kraftfahrzeugen überhaupt erst national beflügelt. Früh erhoben Mühlhäuser und Rudolstädter Bürger den Ruf, ihr UH (für den 1994 neu gebildeten Unstrut-Hainich-Kreis) wieder in das MHL der einst freien Reichsstadt Mühlhausen zurücktauschen zu dürfen.
Die Rudolstädter wollten wieder unter RU statt unter des falschen Flagge ihrer Nachbarstadt Saalfeld (SLF) segeln. Eine Anfrage des Ministeriums in Thüringen ergab, dass 14 Städte und einstige Kreise, die in der Gebietsreform 1994 in anderen Gebietskörperschaften aufgegangen waren, ihr altes Kennzeichen zurück wollten. Daraufhin beantragte Carius für alle 20 weggebietsreformierten Kreise und Städte die Möglichkeit, die alten Kennzeichen wieder einzuführen. Das kostet kein Geld. Kein Halter eines Fahrzeugs wird gezwungen, zum alten Kennzeichen zurückzuwechseln, und die in Thüringen verwendete Behörden-Software kann die alte Vielfalt locker verwalten. Neue Kennzeichen-Kreationen aber, wie sie Ramsauer angeregt hatte, lehnt selbst Carius ab.
KRU - Krumbach
In Bayern, der politischen Heimat des CSU-Politikers Peter Ramsauer, finden die Pläne ein geteiltes Echo. In einigen Landkreisen wird befürchtet, dass alte Wunden aus der Zeit der Gebietsreform wieder aufbrechen. Im Norden Bayerns wird das Beispiel des Landkreises Main-Spessart angeführt, der gerade sein vierzigjähriges Bestehen begeht: Neben dem Kennzeichen MSP wieder frühere Kennzeichen einzuführen, passe nicht zur Feierlaune. In anderen Landesteilen ist die Begeisterung größer, etwa im schwäbischen Krumbach; dort konnte in diesem Sommer auf dem Marktplatz der Lust auf KRU nachgespürt werden, wie das alte Kennzeichen hieß, bevor GZ (Günzburg) auf die Schilder der Krumbacher Karossen kam. Das Ringen um die alten Kennzeichen bewegt die Gemüter auch in einem bayerischen Zentralort, in Wolfratshausen, wo Edmund Stoiber zu Hause ist. Ob dort die Kennung künftig wieder wie früher WOR statt TÖL für den Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen heißen soll, ist aber noch offen. Man könnte auch gleich auf EDI umstellen, wie Stoiber hier gern genannt wird.
Wie ungesund!
Johannes Graf (graf.jhs)
- 22.08.2012, 14:12 Uhr
Einmal im Leben...
Matthias Stemme (Kockjey)
- 22.08.2012, 12:52 Uhr
Sommerloch
Johannes Eckstein (dc-3)
- 22.08.2012, 10:43 Uhr
Diese Maßnahme wird Kriege in Dtl. verhindern, weil damit nicht
nur die Individualität der Regionen
Karl-Otto Willam (Karl-OttoW)
- 22.08.2012, 09:00 Uhr
Buchstabensalat
Rolf Rettberg (Rettberg1)
- 22.08.2012, 04:23 Uhr