Denken die Deutschen ans Auswandern, denken sie an Australien. Denken die Deutschen an gefährliche Tiere, Spinnen, Schlangen, Krokodile, denken sie an Australien. Denken die Deutschen an Weiße Haie und Surfer, Känguruhs in Steakform und 175 Jahre alte Schildkrötendamen namens Harriet, dann denken sie an Australien. Warum? Weil es das ist, was sie (überwiegend) an Nachrichten über den fünften Kontinent erfahren. Nachrichten, so unglaublich, daß wohl mancher Leser denkt, ein gelangweilter Redakteur mit Fernweh hätte sie sich am Schreibtisch ausgedacht. Es scheint, nur die wirklich verrückten Meldungen überstehen die 16.498 Kilometer lange Strecke zwischen Sydney und Frankfurt am Main. Ein Jahr lang haben wir die kuriosesten Agenturmeldungen aus „Down Under“ gesammelt - und die Auswahl fiel nicht leicht. Der etwas andere Jahresrückblick 2005.
Leuchtendes Kotelett
Ein leuchtendes Schweinekotelett hat in Australien für erhebliche Unruhe gesorgt. Ein Mann hatte einen Radiosender in Sydney angerufen und berichtet, sein Kotelett scheine im Dunkeln zu glühen. Die Lebensmittelbehörde des Landes sah sich daraufhin genötigt, eine Entwarnung zu geben: Das Phänomen sei auf leuchtende Bakterien zurückzuführen, sogenannte Pseudomonas fluorescens, die sich häufig in Fleisch und Fisch befänden. „Natürlich ist es schockierend, wenn unser Essen leuchtet“, sagte Behördenchef George Davey. „Aber die Mikroorganismen, die das Licht ausstrahlen, führen nicht zu einer Lebensmittelvergiftung.“ Jeden Monat gingen etwa zwei Anrufe beunruhigter Verbraucher ein, deren Fleisch im Kühlschrank leuchte.
Känguruhfleisch, appetitlich
Eine gewisse Scheu empfinden die Australier offensichtlich, wenn es um den Verzehr eines ihrer nationalen Symbole geht, dem Känguruh. Während das magere Fleisch ein Exportschlager etwa nach Europa ist, wird es auf dem fünften Kontinent hauptsächlich als Tiernahrung konsumiert. Um Känguruhfleisch nun auch den Australiern schmackhaft zu machen, sucht die Lebensmittelwirtschaft nach einem „appetitlicheren“ Namen. Schließlich komme eine Kuh auch als „Rind“ auf den Teller, was allemal besser klinge, argumentierte der Chef des australischen Känguruh-Industrieverbandes, John Kelly. Der Verband unterstützt den Wettbewerb, mit dem eine neue Bezeichnung für das Känguruhfleisch gefunden werden soll. Hunderte von Vorschlägen gingen bereits ein, darunter „Skippy“, „Yummy“ und „Kanga“.
Wandelndes Kraftwerk
Seine Vorliebe für Polyesterkleidung hat einen Australier in ein wandelndes Kraftwerk mit erstaunlichen Folgen verwandelt. Zunächst brannte Frank Clewer durch die Entladung von schätzungsweise 30.000 Volt statischer Elektrizität bei einer Einkaufstour ein Loch in den Teppich. Danach brachte er eine Fußmatte aus Plastik in seinem Wagen zum Schmelzen, wie der australische Rundfunksender ABC weiter berichtete. „Es klang in etwa wie ein Feuerwerkskörper“, sagte Clewer. „Innerhalb von fünf Minuten begann der Teppich zu schmoren.“ Angestellte des Einkaufszentrums in der Stadt Warrnambool im Bundesstaat Victoria riefen die Feuerwehr, das Gebäude wurde geräumt.
Blitz tötet 68 Milchkühe
Ein einziger starker Blitzschlag hat fast die Hälfte einer Herde von Milchkühen auf einer Farm an Australiens Ostküste getötet. Wie der Rundfunksender ABC berichtete, war die Herde am Nachmittag gerade zum Melken zusammengetrieben worden, als der Blitz einschlug. 68 der 137 Tiere wurden getötet. Der Sprecher der Milchbauern, Terry Toohey, sagte, das Unglück in Dorrigo sei kein Einzelfall. „Das ist eines der Naturereignisse, über die wir keine Kontrolle haben.“
Roboter rettet Sittich
Ein Roboter zur Bombenentschärfung hat in Australien einem kleinen Vogel das Leben gerettet. Der Nymphensittich „Tweety“ war in einer prekären Lage, nachdem das Wohnhaus seiner Besitzerin Karen Bruce wegen Bauarbeiten teilweise eingestürzt war. Bruce mußte das Gebäude am Morgen gemeinsam mit 60 anderen Bewohnern verlassen und durfte nicht zurück, um ihr Haustier zu holen. Der Roboter brachte „Tweety“ jedoch in Sicherheit. Der Vogel habe den Schrecken offenbar unbeschadet überstanden, sagte seine Besitzerin, die zur Sicherheit trotzdem mit ihm zum Tierarzt gehen wollte.
Knöllchen für einen Toten
Ein 71 Jahre alter Australier hat unbemerkt eine Woche lang tot in seinem Auto gesessen. An der Windschutzscheibe seines Wagens, der an einem Einkaufszentrum in einem Vorort von Melbourne geparkt war, klebte sogar ein Strafzettel, wie die Behörden mitteilten. Das Knöllchen wurde von einem Stadtbediensteten ausgestellt, als der Mann schon etwa fünf Tage tot war. Der Bürgermeister des Bezirks Maroondah, Peter Denham, entschuldigte sich bei den Angehörigen.
Bibel in SMS-Englisch
Die Australische Bibelbehörde hat die 31.173 Verse des Alten und Neuen Testaments in die mit Abkürzungen und Szene-Wendungen gespickte Sprache der SMS-Mitteilungen fürs Handy übertragen. „In da Bginnin God cre8d da heavens & da earth“, heißt es da etwa in Kapitel 1, Vers 1, des Ersten Buchs Mose. Die SMS-Verse wurden im Internet veröffentlicht. Damit könne jeder mit dem Handy das Wort Gottes an Freunde und Verwandte verbreiten, sagte der Sprecher der Bibelgesellschaft, Michael Chant. „Die alten Zeiten, in der es die Bibel nur in einem düsteren schwarzen Einband gab, sind lange vorbei.“
Langsamer als die Polizei erlaubt
Weil sie mit ihren 83 Jahren langsamer zu Fuß ist als die Polizei erlaubt, hat sich eine australische Rentnerin ein Bußgeld eingehandelt. Pat Gallen - nach einem Sturz auch noch am Krückstock - war den Beamten in dem kleinen Ort Malanda aufgefallen, als sie äußerst bedächtig die Straßenseite wechselte. Daß die Gesetzeshüter dann zum Strafzettel griffen, löste bei der betagten Dame höchste Verwunderung aus. „Sie wußte nicht, ob sie nun weinen oder lachen sollte“, sagte Gallens Freundin Fay Millist der australischen Nachrichtenagentur AAP. In Malanda löste das Bußgeld einen Sturm der Empörung aus - woraufhin die Polizei kleinlaut alle Vorwürfe fallenließ und sich entschuldigte.
Australier als Hirn-Dieb
Im australischen Bundesstaat Queensland ist ein Mitarbeiter eines gerichtsmedizinischen Labors unter Verdacht geraten, Hirnanhangdrüsen aus menschlichen Gehirnen gestohlen zu haben. Die Tageszeitung „Courier-Mail“ berichtete am Mittwoch über Vorwürfe von Kollegen des Mannes, nach denen er die Hirnanhangdrüsen-Hormone Pferden verabreichen wollte, damit diese bei Rennen bessere Leistungen bringen.
Zecher in der Müllpresse
Nach einer durchzechten Nacht im Pub ist ein Australier in der Hafenstadt Perth in eine Müllpresse geraten und nur mit knapper Not dem Tod entronnen. Er könne sich nur erinnern, wie er in den Müllwagen gelangte, sagte Wayne Griffin dem TV-Sender Channel Seven. Er sei erst aufgewacht, als sich Scherben in seinen Körper drückten und er die hydraulische Walze der Presse auf sich zukommen sah.
Hexerei legalisiert
Ein „zauberhafter“ Tag für Hexen, Magier, Schamanen und Druiden in Australien: Nach fast 200 Jahren hat der Bundesstaat Victoria das Hexenhandwerk und die Zauberei legalisiert. Das Parlament in Melbourne hob das sogenannte Landstreicher-Gesetz auf, das die „Künste Harry Potters“ unter Strafe stellte, wie australische Medien meldeten. Das Gesetz war das letzte in Australien, das das Heidentum unter Strafe stellte. „Die Zeiten sind lange vorbei, in denen Hexerei und Wahrsagerei eine Gefahr für Recht und Ordnung waren und im Zentrum krimineller Aktivität standen“, führte Generalstaatsanwalt Rob Hulls zur Begründung an.
Fluchen verboten
Arbeiter auf einer Baustelle in der australischen Großstadt Wollongong müssen ihre Zunge hüten. Weil sie auf einem Grundstück der anglikanischen Kirche ein Hotel bauen und die Baustelle auch noch gleich neben der anglikanischen Kathedrale St. Michael liegt, ist ihnen per Vertrag Fluchen im allgemeinen und gotteslästerliches Fluchen im besonderen verboten.
Bei Dürre gemeinsam duschen
Beim Duschen in den Dürreregionen im Südosten Australiens könnte es künftig eng werden: Um Wasser zu sparen, sollen sich Paare nach einem Vorschlag des Ministerpräsidenten des Bundesstaates Queensland, Peter Beattie, gemeinsam unter die Brause stellen. Zugleich riet der Politiker, beim Duschen ein möglichst kurzes Lied zu singen, nach dessen Ende das Wasser abgedreht wird. Er selbst bevorzuge den Beatles-Song „Let It Be“, für den er höchstens zwei bis drei Minuten brauche.
Vater von vermißtem Hai-Opfer gegen Tötung
Einen Tag nach dem wahrscheinlich tödlichen Hai-Angriff auf einen Meeresforscher vor der australischen Küste hat sich der Vater des Opfers gegen eine Tötung des Tieres ausgesprochen. Sein Sohn würde nicht wollen, daß der Hai gejagt werde, sagt David Stehbens auf einer Pressekonferenz. Bei dem Tier soll es sich um einen Großen Weißen Hai gehandelt haben, der unter Artenschutz steht.
Football-Spieler will sich Finger amputieren lassen
Für seinen Sport schreckt Brett Backwell vor keinem Opfer zurück: Um sein Spiel zu verbessern, will sich der australische Footballspieler einen Finger amputieren lassen. Backwell sagte dem Sender ABC, seit einem Bruch vor drei Jahren könne er den Ringfinger nur noch eingeschränkt bewegen und leide dauernd unter Schmerzen. Zwar sei eine Amputation „ein bißchen drastisch“, gestand er ein, „aber ich liebe Football“ und wenn sie ihn weiterbringe, „dann ist das etwas, was man eben machen muß“.
Australisches Schwein springt Rekord
Ein Schwein aus Australien hat sich nach Angaben seines Besitzers mit einem 3,30 Meter weiten Sprung einen Platz im Guinness Buch der Rekorde gesichert. Das Tier sprang bei der Royal Darwin Show im Norden Australiens von einer fünf Meter hohen Plattform in ein wassergefülltes Becken. „Miss Piggy“ war der Rekord sicher, weil sie als einziger Bewerber antrat. „Es war wirklich ein hervorragender Sprung“, sagte der Besitzer des fünf Monate alten Schweins, Tom Vandeleur, der Nachrichtenagentur AAP. „Sie sprang selbst von der Rampe in einer wunderbaren Bewegung - die Vorderbeine angezogen und die Hinterbeine weit ausgestreckt.“
Im Streit über Kinofilm Nase abgebissen
Ein Streit über die Qualität des Action-Thrillers „Sin City“ hat einen australischen Kinofan seine Nasenspitze gekostet. Wie die Polizei mitteilte, geriet der 19 Jahre alte Mann vor einem Kino in Bathurst westlich von Sydney mit einem Unbekannten aneinander, der ihm daraufhin die Nase abbiß. Ärzte bemühten sich, das Stück wieder anzunähen.
Golfschläger gegen Krötenplage
Mit ungewöhnlichen Vorschlägen zum Vorgehen eine Krötenplage im Norden Australiens hat ein australischer Abgeordneter für Empörung unter Tierschützern gesorgt. David Tollner, Mitglied der Liberalen Partei von Regierungschef John Howard, schlug im Radiosender ABC vor, die giftige Aga-Kröte mit Cricket- oder Golfschlägern niederzustrecken. Je wirkungsvoller die Methode sei, desto eher könne die Bevölkerung für den Kampf gegen die Krötenplage gewonnen werden, von der vor allem die Provinz Northern Territory an der Nordküste betroffen ist. Die Methode habe er schon in seiner Kindheit angewandt, fügte Tollner hinzu.
Junge entführt Straßenbahn
Ein 15 Jahre alter Straßenbahn-Liebhaber hat in der südaustralischen Stadt Melbourne zum zweiten Mal innerhalb von nur drei Tagen eine Tram für eine Spritztour entführt. Der Junge habe sich ähnlich wie die richtigen Fahrer gekleidet und unterwegs Passagiere mitgenommen, sagte ein Polizeisprecher. Die Fahrt in Australiens zweitgrößter Stadt sei erst zu Ende gewesen, als die Behörden der Straßenbahn den Strom abgedreht hätten. Trotz der Entführung von Trams könne der Junge nach wie vor seinen Traum verwirklichen, Straßenbahnfahrer zu werden, sagte Polizeisprecher Dennis Hills. „Das ist ein guter Kerl. Seine Leidenschaft ist eben mit ihm durchgegangen.“
In Oz wird Strine gesprochen
Fionn Huber (fionn)
- 28.12.2005, 14:15 Uhr