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Barcelona : Eine Arena für Allah

  • -Aktualisiert am

Würde als Moschee selbst die Sagrada Familia überragen: die leerstehende Stierkampfarena in Barcelona. Bild: dpa

Die Besitzer der nach dem Stierkampfverbot leerstehenden Arena in Barcelona fordern zehn Millionen Euro Entschädigung von der Stadt. Eine eindeutige Offerte aus Qatar könnte das Kräfteverhältnis in der Verhandlung nun deutlich verschieben.

          Xavier Trias, der Bürgermeister von Barcelona, sagt, er wisse von nichts. Aber vielleicht zählt er nicht zu den Eingeweihten eines Planes, wonach das arabische Öl-Emirat Qatar die - wegen des Stierkampfverbots nutzlose - Arena Monumental kaufen und dort eine der größten Moscheen des Abendlandes errichten möchte. Die Besitzer der Arena, die Familie Balañá, bestreitet auch, dass es schon diskrete Verhandlungen und eine Offerte in Höhe von bis zu 2,2 Milliarden Euro gebe. Aber die Familie, der die Stadtregierung bislang nur 300.000 Euro Schadenersatz für all die entgangenen Corridas angeboten hat - sie möchte mindestens zehn Millionen - könnte, wie es heißt, das Projekt zumindest als Trumpfkarte benutzen.

          Ob Allah die Toros sticht, ist also unklar. Klar ist hingegen, dass sich in der Kontroverse um eine mögliche Moschee die Streitparteien schon formieren. Der Bürgermeister hält zwar die genannte Summe für „überraschend und fast unmöglich“. Den Bau eines islamischen Gotteshauses, den die lokalen Muslime seit vielen Jahren fordern, hält er gleichwohl für „logisch“. Die oppositionelle konservative Volkspartei sprach sich derweil kategorisch gegen eine „Mega-Moschee“ in der Stadt aus, weil darin mutmaßlich Werte propagiert würden, die „in völligem Gegensatz zu unseren Werten der Demokratie und des Zusammenlebens“ stünden.

          Die Moschee würde die Sagrada Familia überragen

          Nun ist Qatar in Barcelona nicht irgendwer. Die Qatar Airways sind einer der Hauptsponsoren des Fußballklubs der Stadt und mit ihren tiefen Taschen sowie rund hundert Millionen Euro vor gut einem Jahr in das Geschäft mit den „Barça“-Trikots eingestiegen. Für coole hunderttausend Euro hatte man zur Einführung des neuen Gestreiften sogar der Kolumbus-Statue am Ende der Ramblas damals eines übergezogen. Außerdem hat drei Jahre nach dem Stierkampfverbot, das mehr eine „antispanische“ politische Aktion als ein Ausdruck plötzlich aufgeflammter Tierliebe war, noch niemand einen Clou, was man mit der leerstehenden Arena an einem durchaus attraktiven Ort der Innenstadt anfangen soll.

          Der Bürgermeister dachte, das könnte ein guter permanenter Platz für den - aus dem (auch teilweise separatistischen) kanadischen Québec stammenden - Cirque du Soleil werden. Eine der regionalnationalistischen Parteien dachte in Richtung „Vergnügungspark“. Der Denkmalschutz macht freilich für das Gebäude mit seiner arabesken Fassade Auflagen. Sie darf nicht verändert werden. Und auch der kolportierte Plan, auf dem Gelände eine Großmoschee für vierzigtausend Gläubige mit einem dreihundert Meter hohen Minarett zu bauen, würde alle Dimensionen sprengen. Der Turm würde die nahe katholische Basilika Sagrada Familia im Übrigen um mehr als das doppelte überragen. Dann wiederum stand auch die alte Stierkampfarena der Stadt Las Arenas unter Denkmalschutz und beherbergt nach langem Leerstand und Renovierung inzwischen ein Einkaufszentrum.

          Auf dem Gelände noch „Platz für eine kleine Kirche“

          Hinter dem Moscheeprojekt steckt nach Angaben spanischer Medien ein eingebürgerter Syrer namens Mowafak Kanfach. Er ist nicht nur der Leiter des „Hauses des arabischen Buches“ in Barcelona sondern auch der Gründer der Islamischen Föderation von Katalonien. Er bekräftigte unter anderem gegenüber der Zeitung „El Mundo“ Inspirator und Mittelsmann in Sachen Qatar zu sein. Und er hätte auf dem Gelände, wo nach seinen Angaben ein deutsches Konsortium mit der Errichtung der Mega-Moschee beauftragt werden solle, sogar noch Platz für eine kleine katholische Kirche als „Symbol der Verständigung“.

          Verständigung kann Barcelona, das die spanische Großstadt mit dem größten Anteil eingewanderter Muslime - von Marokko bis Pakistan - ist, immer gebrauchen. Sie hat zwar noch keine wirklich repräsentative Moschee. Aber in Katalonien gibt es inzwischen schon mehr Gebetshäuser als in dem großen Andalusien im Süden. Das ist ein Grund mehr für den Syrer Kanfach, ein neues Bauwerk zu errichten, das sich wirklich sehen lassen könne.

          Der spanische Innenminister Jorge Fernández Díaz war bislang vorsichtig genug, sich dazu nicht zu äußern. Als er aber dieser Tage in Madrid nach den potentiell üblen Folgen einer Unabhängigkeit Kataloniens gefragt wurde, fiel ihm sogleich ein, dass die dann auf sich selbst gestellte Region - ohne den Schutz der spanischen Sicherheitsdienst - zu einer „Fressen“ für Dschihadisten und das organisierte Verbrechen würde. Wenn man die Meinungsäußerungen der Bürger, darunter erklärter Katalanisten, verfolgt, stößt man inzwischen sogar in deren Reihen auf Moschee-Skeptiker mit mangelhaftem Tierschutzbewusstsein, die da schreiben: „Dann doch fast lieber die Stiere.“

          Quelle: F.A.Z.

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