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Donnerstag, 20. Juni 2013
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Auktion Welfen-Schatz kommt unter den Hammer

 ·  Speisen wie ein Adliger? Oder fechten wie ein Prinz? Die Welfen haben ausgemistet und versteigern einen Teil ihres Besitzes. Die Polizei schaute genau hin und beschlagnahmte 37 historische Waffen, weil kein Waffenschein vorlag.

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Die letzten Gläser werden auf Hochglanz poliert, einzelne Bilder noch aufgehängt - aber dann können die Bieter kommen: In der nächsten Woche beginnt die große Auktion von Kunstschätzen des Welfenhauses. In der Marienburg bei Hannover erwartet die Interessenten bei der Vorbesichtigung ein riesiges Angebot von Porzellan, Möbeln, Silber, Waffen und Gemälden - aufgebaut in 130 Räumen.

Für die Waffen interessierte sich auch die Polizei: Experten des Landeskriminalamtes (LKA) hatten am Dienstag die Waffen der Auktionssammlung begutachtet. Dabei seien 37 Exemplare aufgefallen, die funktionsfähig und damit Waffenschein pflichtig seien, sagte LKA-Sprecher Detlef Ehrike. Diese Waffen wurden nun, noch vor Beginn der Auktion, beschlagnahmt. Die Staatsanwaltschaft hat unterdessen ein Verfahren „gegen Unbekannt“ eingeleitet. Es müsse noch festgestellt werden, wer der Besitzer der Waffen sei, sagte Oberstaatsanwalt Thomas Klinge.

Hoher Aufwand

Das für die Versteigerung verantwortliche Auktionshaus Sotheby´s erklärte, weder der Besitzer noch der zuständige Experte hätten gewußt, daß „diese Museumsstücke waffenscheinpflichtig sind“. Bei den beschlagnahmten Exemplaren handelte es sich nach Angaben des Auktionshauses um seltene und gut erhaltene Pistolen und Gewehre aus der Zeit vor 1870. Diese seien bis zur Klärung der Angelegenheit aus der Auktion zurückgezogen worden.

Auktion: Welfen-Schatz kommt unter den Hammer

Für die Organisatoren lag vor der Auktion eine Menge Arbeit: „Der logistische Aufwand war einzigartig“, sagt der Geschäftsführer von Sotheby´s Deutschland, Philipp Herzog von Württemberg. „Innerhalb von sechs Monaten haben wir die Objekte nach Amsterdam gebracht, sie dort katalogisiert und dann wieder zur Marienburg zurücktransportiert.“Die Idee zu der Auktion hatten die Söhne von Ernst August Prinz von Hannover, die Prinzen Ernst August und Christian. Sie haben Keller und Dachgeschoss der ehrwürdigen Marienburg entrümpelt und dabei insgesamt 20.000 Einzelstücke aussortiert, die nun unter den Hammer kommen.

Trommeln für den König

Da gibt es zahllose Gläser, Tassen, Vasen und Kännchen. Auf eine Serie von 144 Silbertellern aus dem 18. Jahrhundert ist Sotheby´s-Präsident Heinrich Graf von Spreti besonders stolz: „So viele zusammengehörende Teller findet man sonst so gut wie nie.“ Seine Lieblingsstücke sind aber zwei silberne Kesselpauken des Leibgarde-Regiments von 1779, die bis zu 200.000 Euro bringen sollen: „Mit den Trommeln wurde die Ankunft des Königs angekündigt.“ Auch eine Zuckerdose zum Abschließen gibt es - „damit früher das Personal nicht heimlich naschen konnte“, wie von Spreti erklärt.

„Die Käufer solcher Stücke sind oft Sammler, aber gerade bei Silber sind es manchmal auch Kunstliebhaber, die es schick finden, die Gegenstände selber weiter zu benutzen“, sagt von Spreti. Wie viele Bieter sich an der Auktion beteiligen, mag Organisator Christoph Graf Douglas nicht schätzen. „Aber es gibt weltweites Interesse.“
Etwa ein dutzend Ritterrüstungen sind zu haben, die meisten sollen zwischen 20.000 und 80.000 Euro kosten. Prächtige Uniformen, Kanonen, Jagdhörner und Gewehre werden angeboten. Die zahllosen glänzenden Säbel, die in einem eigenen Raum aufgereiht sind, dürfen Besucher nur mit Handschuhen berühren. Auch Gegenstände aus dem Alltagsleben des königlichen Hauses von Hannover stehen zum Verkauf, zum Beispiel Schiffsmodelle, ein Malkasten, Spielkarten oder Würfelbecher.

Kostbares Porzellan

Die teuersten Objekte sind zwei zusammengehörende Vasen aus der Kaiserlichen Porzellanmanufaktur in St. Petersburg, die mit Altmeistergemälden nach Rubens und Honthorst bemalt sind. Der Schätzpreis liegt zwischen 500.000 und 750.000 Euro. Ein Chamberlain Worcester Tee- und Dessertservice kostet immerhin noch 300.000 bis 400.000 Euro. Am erschwinglichsten ist dagegen eine Gruppe von Holzschnitzwerken aus dem 19. Jahrhundert - sie ist mit 50 bis 100 Euro veranschlagt.

Mit dem Erlös der zehntägigen Auktion wollen die jungen Prinzen eine Stiftung unterstützen, deren Ziel die Erhaltung der deutschen Kulturgüter der Welfenfamilie ist. Die Marienburg solle nach der Versteigerung mit Originalmöbeln im neogotischen Stil eingerichtet werden und für Besucher zugänglich sein, sagt der Verwalter der Welfen, Mauritz von Reden.

Quelle: FAZ.NET mit Material von dpa
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