09.06.2005 · Die Aufklärungsquote bei Mord und Totschlag ist seit Mitte der neunziger Jahre unverändert hoch. Fast jeder Mörder geht der Polizei inzwischen ins Netz.
Eine Aufklärungsquote von mehr als 80 oder sogar 90 Prozent kann die Polizei nur bei wenigen Delikten vorweisen. Beim Ladendiebstahl haben es die Beamten besonders einfach. Der Fall ist dann aufgeklärt, wenn der Täter der Polizei vom Personal überantwortet wird; Ladendiebe, die nicht auf frischer Tat ertappt werden, erscheinen fast nie in der Kriminalstatistik.
Gewaltdelikte hingegen, vor allem gegen das Leben, erfordern umfangreiche Ermittlungen der Polizei. Mordkommissionen werden gebildet. Je spektakulärer der Fall, desto mehr Beamte sind im Einsatz. Kein anderes Verbrechen erschüttere das Sicherheitsempfinden der Bevölkerung mehr als ein Mord, sagt Rüdiger Holecek von der Gewerkschaft der Polizei (GdP). "Der Druck der Öffentlichkeit ist hoch, den Fall so schnell wie möglich aufzuklären." In 96,1Prozent aller Tötungsdelikte des vergangenen Jahres konnte der Täter ermittelt werden, wie die Polizeiliche Kriminalstatistik 2004 ausweist. Zugleich nahm die Zahl schwerer Verbrechen um mehr als zwei Prozent auf 2480 ab. Damit gingen die Fälle von Mord und Totschlag in den vergangenen Jahren um 13 Prozent zurück.
DNA-Angleich bringt häufig Erfolg
Die Aufklärungsquote bei Mord und Totschlag ist seit Mitte der neunziger Jahre wieder unverändert hoch. Nur in der ersten Hälfte sank sie deutlich, da die gewaltsamen Zwischenfälle an der innerdeutschen Grenze im Zeitraum von 1951 bis 1989 in die Statistiken einbezogen wurden. Da viele Gewaltverbrechen sonst Beziehungstaten sind, liegt das Motiv auf der Hand - eine Verbindung zwischen Opfer und Täter ergibt sich wie von selbst.
Der Erfolg bei der Aufklärung läßt sich aber auch durch das technische Instrumentarium erklären, das der Polizei heute zur Verfügung steht. Vor allem der genetische Fingerabdruck führt immer häufiger auf die Spur eines Täters. "Jeder vierte DNA-Abgleich ist mittlerweile ein Volltreffer", bestätigt Holecek. Besonders signifikant ist dabei ein Anstieg der Fälle, die oft seit Jahrzehnten nicht aufgeklärt werden konnten. Nun hilft oft ein Haar, Hautpartikel oder sogar Sperma vom damaligen Tatort, den gesuchten Mörder aufzuspüren.
Ein aufgeklärter Fall - auch aus Vorjahren - wird in der aktuellen Kriminalstatistik registriert, unter dem Punkt "Mord und Totschlag". Ob ein Richter später den Tatbestand Mord (zum Beispiel aus Habgier oder niedrigen Beweggründen) bestätigt oder doch auf eine Tat im Affekt erkennt, spielt für die Polizei keine Rolle. Dafür gibt es eine eigene Statitik - die Strafverfolgungsstatistik der Justiz.