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Donnerstag, 16. Februar 2012
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Aufgespießt Von „Polen-Fleisch“ und „Anti-Raucher-Gesetzen“

31.12.2007 ·  Am Ende des Jahres wollen wir auch einmal unseren lieben Kollegen von den Nachrichtenagenturen danken - für Tausende von Meldungen, die sie uns täglich in die Redaktion schicken. Und für das Schmunzeln, das wir uns das ein oder andere Mal nicht verkneifen konnten.

Von Stefan Tomik
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Am Ende des Jahres wollen wir auch einmal den lieben Kollegen von den Nachrichtenagenturen danken - für Tausende von Meldungen, die sie uns täglich in die Redaktion schickten. Und für das Schmunzeln, das wir uns bei dem ein oder anderen Text einfach nicht verkneifen konnten.

So lasen wir im Januar: „Oettinger zu Studie: 'Mit knapp 100 Millionen mehr kann ich leben'“. Wir fragten uns: Wer könnte das nicht? Tatsächlich hatte der Ministerpräsident gesagt, sein Land könne im Zuge der Gesundheitsreform eine Mehrbelastung von bis zu 100 Millionen Euro akzeptieren. Hundert Millionen mehr oder weniger - nur ein Detail?

Rekordverdächtig geschmacklos

Aufgeschreckt sind wir, als gemeldet wurde: „Älteste Erdenbürgerin rekordverdächtig schnell verstorben - Emma Faust Tillmann nur wenige Tage auf Platz eins.“ So stark hat der Leistungsdruck unsere Gesellschaft also schon geformt, dass sich die Alten nun ein Wettrennen liefern um das schnellste Ableben? Und wie kann es angehen, dass ausgerechnet eine 114 Jahre alte Dame „rekordverdächtig schnell verstorben“ sein soll? Die Agentur klärt auf: Nur fünf Tage lang habe das Guinness-Buch der Rekorde die Dame als ältesten Menschen der Welt geführt, nachdem der 115 Jahre alte Emiliano Mercado del Toro gestorben war, schreiben die Kollegen - und tun so, als ob zwischen dem Tod der Frau aus den Vereinigten Staaten und dem Ableben des Puertoricaners irgendein Zusammenhang bestanden hätte.

Ebenso alarmiert waren wir über die Meldung einer angeblichen „Störung“ im Atomkraftwerk Phillipsburg. Wegen zweier gleichzeitig geöffneter Ventile in der Personenschleuse sei „stickstoffhaltige Luft entwichen“, hieß es. Stickstoff! In der Luft! Ganz klar ein Fall für Sigmar Gabriel.

Im selben Monat überraschten uns die Kollegen mit der Ankündigung eines Gesetzentwurfs der Bundesjustizministerin. „Zypries will Familienstreitigkeiten vereinfachen“, titelte die Agentur. Als ob im Kreise der Liebsten nicht schon genug gezankt würde!

Messerstecherei mit einem Toten

Im Eifer des Gefechts wird eine Nachricht schon einmal in ihr Gegenteil verkehrt. So schrieb eine Agentur, der UN-Menschenrechtsrat sei in „Sorge um Menschenrechtsverletzungen“ in Darfur. Wäre das tatsächlich so, wären wir in größter Sorge um die Integrität dieses Gremiums, das sich doch eigentlich gegen die Verletzung von Menschenrechten einsetzen sollte. Auf alle Fälle sind wir sehr besorgt über den revolutionären Umgang mit Präpositionen.

Im Juni lasen wir zunächst mit Erleichterung, dann aber mit wachsender Sorge diese Meldung: „Nato plant keinen 'großen Krieg' mehr: Nur noch kleinere Konflikte.“ An ein Wunder glaubten wir bei der Meldung über eine „Messerstecherei mit einem Toten bei Techno-Parade in Zürich“. Und eine andere Agentur berichtete im August, dass eine Brücke über den Mississippi etwa 50 Fahrzeuge „ohne Vorwarnung“ in die Tiefe riss.

„Bestgehasste Politikerin“

Manche „Nachricht“ haben wir unseren Lesern gar vollständig vorenthalten. Etwa die Meldung „Experte sieht zu wenig Sex als Grund für Japans Geburtenrückgang“. Wer auf solche Fachleute zurückgreifen kann, darf sich glücklich schätzen.

Gewagt fanden wir auch so manche Zuspitzung. So titelten die Kollegen im Zuge des Streits über Fleischimporte aus Polen: „EU und Russland uneins über Polen-Fleisch“. Die angekündigten „Bilder und Grafik“ wollten wir uns gar nicht erst ansehen. Eine andere Agentur machte aus einem Gesetz mit einem Rauchverbot in öffentlichen Einrichtungen kurzerhand ein „Anti-Raucher-Gesetz“. Die lettische Präsidentin Vike-Freiberga wurde zur im Kreml „bestgehassten westlichen Politikerin“ erklärt.

Überrascht reagierten wir schließlich auf folgende Meldung vom Dezember: „Japanische Regierung trifft keine Vorkehrungen gegen UFOs.“ Wenn die Japaner da mal nicht einen Trend verschlafen. Aber im neuen Jahr ist ja auch noch Zeit. Dann werden auch wir uns wieder um eine korrekte Sprache bemühen. Denn - Hand aufs Herz - auch uns unterläuft ja der ein oder andere Lapsus. Leichen, die 54 Jahre alt wurden, soll es im neuen Jahr bei uns nicht mehr geben.

Die Beispiele stammen von den Nachrichtenagenturen dpa (Deutsche Presse-Agentur), AP (Associated Press), AFP (Agence France Press) und Reuters. Das letzte Beispiel ist eine Schöpfung von FAZ.NET.

Quelle: FAZ.NET
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