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Veröffentlicht: 13.02.2013, 15:35 Uhr

Atomtests Verräterische Wellen

Tausende Kilometer Ozean trennen die Osterinsel von Nordkorea. Doch testet das Regime von Kim Jong-un eine Rakete, reagieren selbst Messinstrumente auf der Isla de Pascua.

von , Hanga Roa
© Horst Rademacher Nicht zu erschüttern: die Moais

Dass die Osterinsel auch nur entfernt irgendetwas mit Nordkorea zu tun haben könnte, liegt wahrlich nicht auf der Hand. Fast 14.000 Kilometer Pazifischer Ozean trennen die beiden Orte - das ebenfalls dazwischenliegende Japanische Meer nicht mitgerechnet. Während im Norden der koreanischen Halbinsel der Jungdiktator Kim Jung-un einen von der Welt abgeschotteten Staat mit eiserner Faust zu regieren lernt, läuft das Leben auf der zu Chile gehörenden Isla de Pascua eher weltoffen im polynesischen Laissez-faire ab. Dennoch nimmt Ivan Wenzel, ein vom Festland stammender Chilene, der seit 28 Jahren auf der Osterinsel lebt, begierig jede Nachricht aus Nordkorea auf. Zunächst war es der Start des ersten Satelliten an der Spitze einer nordkoreanischen Langstreckenrakete Mitte Dezember, der Wenzel beunruhigte. Und nun ist es der Atomversuch des kommunistischen Landes.

Der außergewöhnlichste Beruf auf der Insel

Der grauhaarige, stets zu einem Lächeln aufgelegte Wenzel, übt zweifellos den außergewöhnlichsten Beruf aller fast 4000 Bewohner der Osterinsel aus. Während andere Männer seines gesetzten Alters Touristen in die Geheimnisse der berühmten Statuen der Insel, der Moais, einweihen oder im Gastgewerbe tätig sind, fährt Wenzel an jedem Werktag zu einem kleinen Haus, das völlig abgelegen fast in der Mitte der dreiecksförmigen Insel liegt. Um das Haus herum grasen einige jener Wildpferde, von denen es Hunderte auf der Osterinsel gibt. Im Garten liegen zwei große Moais, die nur wenige Touristen auf der Insel je zu sehen bekommen. Die tonnenschweren Statuen aus Vulkangestein liegen hier seit Jahrhunderten mit dem Gesicht nach unten. Wahrscheinlich war den ursprünglichen Einwohnern der Insel der Transport vom Steinbruch am Vulkankrater Ranu Raraku zu einem heute unbekannten, Kilometer weit entfernten Aufstellungsort zu mühsam, und sie ließen die Statuen einfach am Wegesrand liegen.

Wenn Wenzel an seinem Arbeitsplatz erscheint, interessieren ihn jedoch weder die Pferde noch die Moais. Er betreut vielmehr Dutzende von Messgeräten, deren Daten in dem einsamen Haus zusammenlaufen und dort von Computern erfasst werden. Per Satellit werden diese Messwerte in Echtzeit in ein Hochhaus in den Stadtteil Donau-City nach Wien gefunkt. Über diesen Umweg durch die österreichische Hauptstadt erklärt sich schließlich auch der Zusammenhang zwischen der Osterinsel und Nordkorea. In Wien hat die „Organisation des Vertrags über das umfassende Verbot von Nuklearversuchen“ ihren Sitz, eine nach ihrem englischen Namen kurz CTBTO genannte Behörde. Nordkorea ist das einzige Land, das in den vergangenen fünfzehn Jahren Atomwaffenversuche unternahm, zunächst 2006, dann drei Jahre später und jetzt in der Nacht zum Dienstag (MEZ).

Tieffrequente Schallwellen vor Rapa Nui

Für die CTBTO spielt die Osterinsel eine ganz wichtige Rolle. Schließlich gilt das Eiland als die einsamste Insel überhaupt, denn sie ist mehr als 3500 Kilometer vom chilenischen Festland entfernt und zum nächsten bewohnten Ort, der Pitcairn-Insel, sind es immerhin noch fast 2100 Kilometer. Wegen dieser exponierten Lage füllen die Messgeräte auf Rapa Nui, wie die Insel in der Sprache der Polynesier heißt, eine wichtige Lücke im weltumspannenden Überwachungsnetz der Wiener Organisation. Es besteht aus mehr als 300 Sensoren, die auf allen Kontinenten, einschließlich der Antarktis verteilt sind.

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