Home
http://www.faz.net/-gum-76i1a
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
50 plus

Atomtests Verräterische Wellen

Tausende Kilometer Ozean trennen die Osterinsel von Nordkorea. Doch testet das Regime von Kim Jong-un eine Rakete, reagieren selbst Messinstrumente auf der Isla de Pascua.

© Horst Rademacher Vergrößern Nicht zu erschüttern: die Moais

Dass die Osterinsel auch nur entfernt irgendetwas mit Nordkorea zu tun haben könnte, liegt wahrlich nicht auf der Hand. Fast 14.000 Kilometer Pazifischer Ozean trennen die beiden Orte - das ebenfalls dazwischenliegende Japanische Meer nicht mitgerechnet. Während im Norden der koreanischen Halbinsel der Jungdiktator Kim Jung-un einen von der Welt abgeschotteten Staat mit eiserner Faust zu regieren lernt, läuft das Leben auf der zu Chile gehörenden Isla de Pascua eher weltoffen im polynesischen Laissez-faire ab. Dennoch nimmt Ivan Wenzel, ein vom Festland stammender Chilene, der seit 28 Jahren auf der Osterinsel lebt, begierig jede Nachricht aus Nordkorea auf. Zunächst war es der Start des ersten Satelliten an der Spitze einer nordkoreanischen Langstreckenrakete Mitte Dezember, der Wenzel beunruhigte. Und nun ist es der Atomversuch des kommunistischen Landes.

Der außergewöhnlichste Beruf auf der Insel

Der grauhaarige, stets zu einem Lächeln aufgelegte Wenzel, übt zweifellos den außergewöhnlichsten Beruf aller fast 4000 Bewohner der Osterinsel aus. Während andere Männer seines gesetzten Alters Touristen in die Geheimnisse der berühmten Statuen der Insel, der Moais, einweihen oder im Gastgewerbe tätig sind, fährt Wenzel an jedem Werktag zu einem kleinen Haus, das völlig abgelegen fast in der Mitte der dreiecksförmigen Insel liegt. Um das Haus herum grasen einige jener Wildpferde, von denen es Hunderte auf der Osterinsel gibt. Im Garten liegen zwei große Moais, die nur wenige Touristen auf der Insel je zu sehen bekommen. Die tonnenschweren Statuen aus Vulkangestein liegen hier seit Jahrhunderten mit dem Gesicht nach unten. Wahrscheinlich war den ursprünglichen Einwohnern der Insel der Transport vom Steinbruch am Vulkankrater Ranu Raraku zu einem heute unbekannten, Kilometer weit entfernten Aufstellungsort zu mühsam, und sie ließen die Statuen einfach am Wegesrand liegen.

Wenn Wenzel an seinem Arbeitsplatz erscheint, interessieren ihn jedoch weder die Pferde noch die Moais. Er betreut vielmehr Dutzende von Messgeräten, deren Daten in dem einsamen Haus zusammenlaufen und dort von Computern erfasst werden. Per Satellit werden diese Messwerte in Echtzeit in ein Hochhaus in den Stadtteil Donau-City nach Wien gefunkt. Über diesen Umweg durch die österreichische Hauptstadt erklärt sich schließlich auch der Zusammenhang zwischen der Osterinsel und Nordkorea. In Wien hat die „Organisation des Vertrags über das umfassende Verbot von Nuklearversuchen“ ihren Sitz, eine nach ihrem englischen Namen kurz CTBTO genannte Behörde. Nordkorea ist das einzige Land, das in den vergangenen fünfzehn Jahren Atomwaffenversuche unternahm, zunächst 2006, dann drei Jahre später und jetzt in der Nacht zum Dienstag (MEZ).

Tieffrequente Schallwellen vor Rapa Nui

Für die CTBTO spielt die Osterinsel eine ganz wichtige Rolle. Schließlich gilt das Eiland als die einsamste Insel überhaupt, denn sie ist mehr als 3500 Kilometer vom chilenischen Festland entfernt und zum nächsten bewohnten Ort, der Pitcairn-Insel, sind es immerhin noch fast 2100 Kilometer. Wegen dieser exponierten Lage füllen die Messgeräte auf Rapa Nui, wie die Insel in der Sprache der Polynesier heißt, eine wichtige Lücke im weltumspannenden Überwachungsnetz der Wiener Organisation. Es besteht aus mehr als 300 Sensoren, die auf allen Kontinenten, einschließlich der Antarktis verteilt sind.

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Chilenische Küche Eine Fusion von faszinierendem Reiz

Von der autochthonen chilenischen Küche können Spitzenköche etwas lernen. Unsere Autoren waren am Fuße der Anden auf großer Entdeckungsreise. Mehr Von Fabian und Cornelius Lange

22.09.2014, 23:23 Uhr | Stil
Prinz Harry drückt Chile die Daumen - ein bisschen

Während England die WM schon verlassen hat, übt sich der britische Royal in Chile als Fußball-Diplomat. Erst war er in Brasilien zu Besuch, jetzt reist er durch Chile. Dort verriet er, dass er die chilenische Fußballmannschaft bewundert - und ihr Glück wünscht, für das Achtelfinale gegen Brasilien. Mehr

28.06.2014, 19:33 Uhr | Sport
Wildes Irland Achterbahn am Ozean

Im abgelegenen Nordwesten Irlands verheddert sich der Wild Atlantic Way auf mitreißende Art in einem wild zusammengewürfelten Labyrinth aus Land und Wasser. Mehr Von Volker Mehnert

19.09.2014, 11:15 Uhr | Reise
Schweres Erdbeben in Weinregion Napa Valley

Beim schwersten Erdbeben in der Region seit 25 Jahren sind am Sonntag im US-Bundesstaat Kalifornien Dutzende Menschen verletzt worden, mindestens zwei von ihnen schwer. Mehr

25.08.2014, 11:34 Uhr | Gesellschaft
Ukraine-Konflikt Zahlreiche Tote bei Gefechten um Donezk

Es sind die blutigsten Gefechte seit Beginn der Waffenruhe. In der Ostukraine sind bei neuen Kämpfen mindestens 15 Menschen ums Leben gekommen. Geschossen wurde vor allem am Flughafen Donezk.  Mehr

29.09.2014, 12:00 Uhr | Politik
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 13.02.2013, 15:35 Uhr