05.11.2003 · Mit dem stärksten je gemessenen Ausbruch hat die Sonne am Montag abend abermals eine riesige Wolke geladener Teilchen in den Weltraum geschleudert.
Mit dem stärksten je gemessenen Ausbruch hat die Sonne am Montag abend eine riesige Wolke geladener Teilchen in den Weltraum geschleudert. Der Rekord-Sonnenausbruch war mindestens doppelt so stark wie die gigantischen Eruptionen der vergangenen Woche und brachte die Satelliteninstrumente bis zum Anschlag. Die Stärke der freigesetzten Röntgenstrahlung habe den bisherigen Rekordwert von April 2001 übertroffen, teilte das Soho-Oberservatorium der Europäischen Weltraumorganisation Esa am Mittwoch mit. Wie stark die Eruption genau gewesen sei, wisse man jedoch noch nicht. Die Messinstrumentenskala des amerikanischen Forschungssatelliten Goes habe nicht ausgereicht, um einen Wert anzuzeigen.
„Dies ist mit Sicherheit das stärkste Ereignis, das im Satelliten-Zeitalter bisher beobachtet werden konnte“, berichtete der Meteorologe Jörg Kachelmann vom Wetterdienst Meteomedia. Da die Teilchenwolke senkrecht vom westlichen Sonnenrand ins All geschleudert wurde, wird sie das Erdmagnetfeld lediglich knapp streifen. Die amerikanische Atmosphärenforschungsbehörde Noaa erwartet daher keinen starken Sonnensturm an der Erde.
Weniger Effekt auf der Erde als in der vergangenen Woche
„Voraussichtlich wird am Donnerstagmorgen oder -vormittag etwas bei der Erde eintreffen, aber es wird längst nicht so groß wie in der vergangenen Woche“, erläuterte der Mainzer Weltraumwetterexperte Ulrich Rieth vom Arbeitskreis Meteore der Vereinigung der Sternenfreunde. „In Deutschland gibt es vermutlich auch keine sichtbaren Polarlichter.“ Den Himmel über Nordamerika könnten jedoch bis Donnerstag erneut Nordlichter zieren, wie der Nasa-finanzierte Weltraumwetterdienst spaceweather.com berichtete. Ursprung der Mega- Explosion ist ein gigantischer Sonnenfleck, der in seinem Maximum rund 15 Mal größer als die Erde war.
Die Noaa meldete schwere Funkstörungen durch die bereits eingetroffene Strahlung, die sich auch bei Radiohörern in den Vereinigten Staaten bemerkbar machten. In höheren Breiten kann die Kurzwellen- Kommunikation demnach auch am Donnerstag noch gestört sein. Berichte über nennenswerte Schäden gab es am Mittwoch nicht.
Bei anderer Ausrichtung der Explosion wären hohe Schäden die Folge gewesen
Durch den Ausbruch am Rand der Sonne entgeht die Erde der solaren Sturmwolke weitgehend. „Wenn so ein Ausbruch auf der Mitte der Sonnenscheibe stattgefunden hätte, hätten wir auf der Erde mit Schäden in mehrstelliger Milliardenhöhe rechnen können“, betonte Rieth. Gedroht hätten in diesem Fall unter anderem der Totalverlust von Satelliten, großflächige Stromausfälle, Produktionsausfälle in der Halbleiterindustrie sowie die Zerstörung von Teilen der Ozonschicht, erläuterte Rieth.
Sonnenflecken sind aktive Regionen in der Außenschicht der Sonne. Starke Magnetfelder hindern dort das heiße Gas am Aufsteigen. Die Oberfläche des Flecks kühlt sich dadurch etwas stärker ab als das umgebende Gas und wirkt dadurch dunkler. Unterhalb des Flecks kann sich jedoch ein enormer Druck aufbauen. Halten die Magnetfelder diesem Druck nicht mehr stand, kommt es häufig zu Eruptionen.
Die beiden riesigen Sonnenflecken, die in den vergangenen Tagen wiederholt für Ausbrüche gesorgt hatten, sind mittlerweile durch die Sonnenrotation auf der Rückseite unseres Tagesgestirns verschwunden. Unter Umständen können sie jedoch in zwei Wochen am anderen Sonnenrand wieder auftauchen. Die Lebensdauer von Sonnenflecken reicht von wenigen Stunden für die kleinsten bis etwa 100 Tage für extrem große Flecken.