10.08.2001 · Über 30.000 Lichtjahre weit haben die Linsen des Chandra-Satelliten in die Milchstraße geschaut. Die Ergebnisse werfen Fragen auf.
Von Cornelia Pretzer„Gas“ lautet die Antwort, die der Chandra-Satellit der Nasa aus den Tiefen des Alls mitgebracht hat. Und damit wirft er mehr Fragen auf, als er beantwortet.
Der Chandra-Satellit untersucht im Universum Röntgenstrahlen. Und weil diese Strahlen sehr viel weniger von Gas und herumfliegendem Gestein aufgehalten werden als sichtbares Licht, kann Chandra tiefer ins All und hinter die Milchstraße blicken. Das können Teleskope, die sichtbares Licht empfangen, nicht.
Eine 28 Stunden lange Untersuchung im Februar 2000, in der Chandra 30.000 Lichtjahre weit in das Universum spähte, ergab, dass etwa zehn Prozent der Röntgenstrahlung aus weiter Ferne kommen. Denn an 36 Stellen gibt es in der Strahlung helle Flecken, die nach Ansicht des Chandra-Forscherteams nicht etwa Sterne in der Milchstraße sondern Galaxien weit dahinter sind. Deren Strahlung scheint quasi durch die Scheibe der Milchstraße zu uns hindurch. Die Frage woher der Rest der Röntgenstrahlung kommt, beantworten die Chandra-Forscher so: Einige zehn Millionen Grad Celsius heißes Gas ist der Grund dafür, dass die Milchstraße erglüht.
Soweit die Antworten. Doch mit dieser Erkenntnis kommt die Frage: Warum bleibt das Gas in der Milchstraße zusammen und verteilt sich nicht durch den Raum? Das wäre es nämlich, was Gas dieser Temperatur normalerweise tun würde. Als eine Möglichkeit sehen die Forscher am Chandra-Teleskop die Drehung der Milchstraße und magnetische Felder, die dadurch entstehen. Ob dem so ist, werden weitere Flüge des Teleskopsatelliten und anderer Messinstrumente klären müssen.