07.01.2003 · Das Schwarze Loch Sagittarius A* bricht fast täglich aus. Das könnte darauf hindeuten, dass es nicht viel Futter in Form von Materie bekommt.
Von Cornelia PretzerSagittarius A* ist nicht irgendein Schwarzes Loch, es liegt im Zentrum unserer Milchstraße und ist uns somit nach astronomischen Abmessungen ziemlich nah. Außerdem das am längsten an einem Stück beobachtete Schwarze Loch.
Das Röntgenobservatorium Chandra der amerikanischen Weltraumbehörde Nasa hat 164 Stunden lang die Röntgenstrahlung aus Sagittarius A* gemessen. „Wir bekommen einen Einblick in das tägliche Leben eines Schwarzen Lochs“, sagt Frederick Baganoff vom Massachusetts Institute of Technology (MIT). Daraus erhoffen sich die Wissenschaftler einen Einblick in die Entstehung Schwarzer Löcher. Der Blick auf Sagittarius A* ist gleichsam ein Blick in die Vergangenheit. Denn das Licht, das wir heute sehen können, ist seit 26.000 Jahren unterwegs - das Schwarze Loch ist 26.000 Lichtjahre entfernt.
Ständige Ausbrüche
Die auffälligste Beobachtung ist die ständige Aktivität des Schwarzen Lochs. Es bricht fast täglich aus und entlässt starke Röntgenstrahlen ins All. Den Grund für die Ausbrüche kennen die Wissenschaftler nicht. Es wird jedoch vermutet, dass ein Ausbruch mit dem Einsaugen von Materie in das Schwarze Loch, aus dem nicht einmal Licht der großen Schwerkraft wegen heraus kommt, zu tun hat. Sagittarius A* wiegt fast drei Millionen mal soviel wie unsere Sonne.
Baganoff interpretiert die Messergebnisse so: „Das Schwarze Loch scheint zwar häufig Snacks zu sich zu nehmen, aber eigentlich ist es auf strenger Diät.“ Grund dafür könnten Explosionen in der Vergangenheit sein, die aus der Nachbarschaft von Sagittarius A* fast alles Gas weggesprengt haben.
Lange Aktivität
Ein leichter Streifen von Röntgenstrahlung von der Länge eines Lichtjahrs entdeckte Chandra etwa 1,5 Lichtjahre entfernt von Sagittarius A*. Es könnte sich dabei um die Überreste eines Partikelstroms handeln, der fast in Lichtgeschwindigkeit ausgespuckt wurde. Die Intensität und Größe des Strahls deuten auf eine Aktivität über viele Jahre hinweg hin.
Auf größerer Skala gibt es auch riesige Schleifen von 20 Millionen Grad heißem Gas, die sich über Dutzende Lichtjahre ausbreiten. „Diese Schleifen zeigen, dass riesige Explosionen mehrfach in den vergangenen zehntausend Jahren stattgefunden haben müssen,“ sagt Mark Morris von der University of California UCLA.