11.04.2002 · Obwohl die Astronomen die Zahl der beobachteten Asteroiden nach oben korrigieren mussten, steigt das Risiko, dass die Erde getroffen wird, nicht.
Von Harald ZaunIm Asteroiden-Gürtel zwischen Mars und Jupiter gibt es deutlich mehr Asteroiden als bislang angenommen. Das ergab eine jüngst veröffentlichte Studie, die mit Hilfe des Iso-Infrarot-Teleskops der Europäischen Raumfahrtagentur (Esa) erstellt wurde. Bislang konnten die Astronomen von den dort vermuteten 740.000 Kleinplaneten 40.000 - mit einer Größe von mindestens einem Kilometer - im sichtbaren Licht analysieren und katalogisieren. Für die Forscher ist die Anzahl der Asteroiden in unserem Sonnensystem vor allem hinsichtlich der Frage relevant, wie viele von ihnen auf die Erde einschlagen könnten, und ob sich dadurch die Gefahr eines gefährlichen Einschlags erhöht.
Als sich etwa zehn Milliarden Jahre nach dem Urknall die Sonne aus einer astralen Gas- und Nebelwolke bildete, formten sich auch ihre neun Planeten, darunter die Erde. Aber in dieser Zeit - vor 4,6 Milliarden Jahren - bildete nicht die gesamte "Materie-Wolke" größere Himmelskörper. Viele blieben als unförmige und kleine Gebilde - Asteroiden - übrig.
Klumpenreiche Region
In dem zwischen den Planeten Mars und Jupiter eingebetteten so genannten Asteroidengürtel, der sich in einer zwischen 300 und 495 Millionen Kilometern von der Sonne entfernten Zone erstreckt, driften Myriaden solcher Brocken, die größtenteils aus Gestein und Eisen bestehen und von denen etliche gerade mal Kieselsteingröße haben, andere hingegen immerhin einige zehn Kilometer und nur wenige um die 1.000 Kilometer groß sind.
Allerdings gab es bislang in punkto Anzahl der Planetoiden verschiedene Angaben. Ermittelten Astronomen 1998 in dieser klumpenreichen Region etwa 860.000 Kleinplaneten in der Größenklasse von mindestens einem Kilometer, so musste letztes Jahr im Rahmen des "Sloan Digital Sky Survey" diese Zahl auf 740.000 korrigiert werden.
Dies jedoch völlig zu Unrecht, behaupten jetzt einige Forscher in der aktuellen Ausgabe des "Astronomical Journal". Denn der dort veröffentlichten Studie zufolge ist die Anzahl der im Asteroidengürtel befindlichen Objekte viel größer. Schätzungsweise zwischen 1,1 und 1,9 Millionen Kleinplaneten tummeln sich danach in der Hauptzone des Gürtels. "Wenn wir von einem Durchschnittswert von 1,5 Millionen Asteroiden ausgehen, dann ist das Iso-Resultat im Vergleich zu beiden vorangegangenen Studien, die das sichtbare Licht analysierten, doppelt so hoch", sagt Astronom Edward Tedesco von TerraSystems (New Hampshire/USA).
Erste systematische Infrarot-Untersuchung
Bei der aktuellen von Edward Tedesco und seinen Kollegen durchgeführten "Iso Deep Asteroid Search" handelt sich um die erste systematische Suche nach Asteroiden mit Strahlung im infrarotem Bereich. Sie basiert auf Infrarotbeobachtungen, die Astronomen in den Jahren 1996 und 1997 mit dem Esa-Satelliten Iso, der seit 1998 außer Betrieb ist, durchführten.
Asteroiden reflektieren die ohnehin schwach einströmende Sonnenstrahlung nur zu zwei bis vier Prozent; den Rest davon absorbieren sie. Im sichtbaren Licht zählen sie zu den dunkelsten Objekten im Sonnensystem, im Bereich der infraroten Wärmestrahlung sind sie jedoch umso leichter aufzuspüren, da sie sich im Lichtschein permanent aufwärmen.
Tedesco betonte, dass der neu ermittelte Wert ebenfalls nur ein Schätzwert sei, weil es bei der Suche nach Asteroiden sowohl im Infrarot- als auch im sichtbaren Licht automatisch zu Verzerrungen und Fehlerwahrscheinlichkeiten komme. Die beste Strategie bestehe darin, beide Techniken miteinander zu kombinieren, betont Tedesco.
Risiko, dass die Erde getroffen wird, nicht erhöht
Nach Angaben der Forscher beeinflusst die neue Studie nicht die bisherigen Schätzungen über das Risiko der Erde, von einem Asteroiden getroffen zu werden. Zwar schleudert Jupiter aufgrund seiner enormen Gravitation hin und wieder einen dieser Riesenkrümel aus seiner angestammten Bahn. Gleichwohl bleiben die Experten bei einer älteren Schätzung, dass die Erde höchstens alle 100.000 bis 300.000 Jahre von einem erdnahen Asteroiden (Neo) mit einem Durchmesser ab einem Kilometer getroffen wird.