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Artenvielfalt Tiere und Pflanzen kennen keine Grenzen

Politische Grenzen kennen sie nicht und um die Einwohner des Landes kümmern sie sich nicht. Einwandernde Tier- und Pflanzenarten kippen Ökosysteme und richten wirtschaftlichen Schaden an.

© GISP Vergrößern Eine braune Baumschlange

Darwins Gesetz: Der Stärkere gewinnt. Das gilt auch für Tier- und Pflanzenarten, die in bestehende Ökosysteme eingeschleppt werden und dort Chaos stiften. Wie die braune Baumschlange (Boiga irregularis) nach Guam kommen sie, vermehren sich unter den für sie optimalen Bedingungen ohne natürliche Feinde, rotten andere Tiere oder Pflanzen aus und richten wirtschaftlichen Schaden an. Die Baumschlange hat mehr als die Hälfte der auf Guam lebenden Vogel-, Fledermaus- und Eidechsenarten vernichtet, frisst die Hühnerzuchten auf und zernagt Stromleitungen. Mehr als eine Million der kleinen Schlangen lebt mittlerweile auf der Insel.

Wie den Plagen aus anderen Ökosystemen beizukommen ist, plant das Globale Programm gegen Einwandernde Arten (GISP). Am Freitag treffen sich Wissenschaftler, Ökonomen, Anwälte und Politiker zu diesem Thema auf dem Treffen der American Association for the Advancement of Science (AAAS) in San Francisco. Harold Mooney, Professor für Umweltbiologie an der Stanford University, scheint ein schnelles Vorgehen gegen eingeschleppte Arten das Beste: „Wenn es brennt, schicken wir die Feuerwehr - wir brauchen eine Feuerwehr gegen einwandernde Arten.“ Am besten sollten die Eindringlinge gar nicht dazu kommen, sich zu etablieren.

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Ausrotten ehe sie heimisch werden

Teil des weltweiten Programms könnte nach Ansicht von Mooney eine Art Versicherung sein. Die, die Tiere und Pflanzen einschleppen, sollten für Ausrott-Aktionen gegen Eindringlinge zahlen. Besonders wichtig sei jedoch eine konsistente Gesetzgebung. Die Gesetze müssten ermöglichen, schnell gegen einwandernde Tiere vorzugehen. „Wir brauchen eine globale Kontrolle“, sagt Mooney. Ihm schwebt ein Zentrum vor, in dem alle Informationen zusammenlaufen und effektive Vorgehensweisen gegen „Einwanderer“ gesammelt werden, und das schnelle Hilfe organisiert. Weitere Pläne hat die International Union for the Conservation of Nature (IUCN) in einer Richtlinie gesammelt.

Eine moderne Pangaia

Als Hauptursache für die Einwanderung von Arten sieht Mooney das Zusammenwachsen der Kontinente. Durch Flugzeuge und Schiffe entstehe eine neue Pangaia - der vor etwa 200 Millionen Jahren noch zusammenhängende Urkontinent. Damals hatten alle Tiere und Pflanzen Kontakt zueinander. Die Bildung von Kontinenten ließ auf den verschiedenen abgeschlossenen Inseln die Evolution verschiedene Wege gehen. Beispiele für eine ganz eigenständige Fauna und Flora sind die Galapagosinseln und Australien.

Hauskatze und Wasserhyazinthe

Die Liste der Tiere und Pflanzen, die gefährlich in Ökosysteme eingreifen, ist lang. Getier und Gewächs, das in seinem angestammten Lebensraum keinerlei Gefahr für das Ökosystem ist, bringt in seinen Einwanderungsländern das Gleichgewicht in Gefahr. Tiere von der gemeinen Ziege (sie frisst Pflanzen ohne Unterschied ab und ruiniert so die Vegetation) über den Karpfen (er vermehrt sich sehr schnell, verunreinigt das Wasser und zerstört die Unterwasservegetation) bis zur braunen Baumschlange, Pflanzen wie die Wasserhyazinthe (Eichhornia crassipes) sind als „Einwanderer“ eine Bedrohung für einheimische Tiere und Pflanzen. Die Wasserhyazinthe zum Beispiel erstickte das Ökosystem des afrikanischen Victoriasees. Dicke Schichten der Pflanze legten sich über die Wasseroberfläche. Erst ein mehrere Millionen Dollar teures internationales Programm bekam die Plage in den Griff.

Am Freitag diskutieren die Experten, wie sich Kontinente und Inseln gegen solche Katastrophen schützen können.

Quelle: @cop, mit Material der Stanford University

 
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Veröffentlicht: 16.02.2001, 18:00 Uhr

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