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Armut in Irland : Auf dem Rücken der Pferde

Das Pferd: ein vergessener Luxus Bild: AP

Als der Rubel noch rollte in Irland, wurden Pferde zu Luxus-Tieren. Jetzt können sich viele Eigentümer den Tierarzt nicht mehr leisten. Tausende Pferde wurden bereits ausgesetzt. Tierschützer erwarten, dass viele von ihnen an Hunger sterben werden.

          Die wachsende Armut in Irland im Zuge der Finanz- und Wirtschaftskrise lässt sich in vielen Zahlen beschreiben. Zu den statistischen Werten von leerstehenden Häusern in abgebrochenen Bauvorhaben (rund 30.000) und von Haushalten mit Zahlungsschwierigkeiten (inzwischen rund 25 Prozent) kommen als neues Indiz die Schätzungen über ausgesetzte und aufgegebene Pferde auf der irischen Insel - ihre Zahl geht nach Angaben von Tierschutz-Organisationen inzwischen in die Zehntausende.

          Johannes Leithäuser

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Irland ist seit vielen Jahrzehnten das Land mit dem höchsten Bestand an Pferden in Relation zur Bevölkerungszahl gewesen. Einige Pferderassen, etwa die Connemara-Ponys, gehen auf irische Züchtungs-Ursprünge zurück. In den zwei Jahrzehnten des kräftigen irischen Wirtschaftsaufschwungs wuchs die Zahl der Pferdebesitzer kräftig; viele zu Wohlstand gekommene Geschäftsleute, aber auch erfolgreiche Handwerker und Kleinunternehmer zogen in neue Häuser am Rande Dublins und anderer Städte und hielten dort Reitpferde für sich und ihre Kinder.

          Die Eigentümer setzten die Pferde aus

          Die Dubliner Tierschutzgesellschaft hat im Laufe dieses Jahres bislang 105 herrenlose Pferde aufgelesen und in Pflege genommen - vier Mal so viele wie noch vor zwei Jahren. Ihre Geschäftsführerin Orla Aungier sagt, das erste, wovon sich Familien in finanziellen Schwierigkeiten trennten, seien meist Luxusgüter, und Pferde seien eben Luxus-Haustiere gewesen in jenen Zeiten, in denen der Rubel rollte. Jeder Tierschutzverein in Irland sammele mittlerweile Pferde auf, die von ihren Besitzern aufgegeben worden seien; oft seien es verletzte Tiere. Die Eigentümer setzten sie aus, weil sie die Kosten für den Tierarzt nicht aufbringen wollten.

          Der Irische Tierschutzverband will dabei eigentlich selbst gar nicht zuständig sein für die verlassenen Pferde, die oft in den Tierheimen auch keine geeignete Unterkunft finden. Der Verband teilte schon im vergangenen Januar in einem Rundschreiben an alle irischen Tierschützer mit, dass in jenen Fällen, in denen die Eigentümer der herrenlosen Pferde nicht ermittelt werden könnten, die örtlichen Behörden oder die Umweltämter eingeschaltet werden müssten. Das Landwirtschaftsministerium habe eigens zwei Millionen Euro zur Verfügung gestellt.

          Die Dubliner Tierschützerin Aungier prophezeit, viele ausgesetzte Pferde sähen jetzt im Winter dem Hungertod entgegen. Es sei daher humaner, die Tiere nach dem Einfangen zu töten. Die Internet-Seite des Tierschutzverbandes führt inzwischen in der Rubrik „Herrchen gesucht“ auch eine Spalte für Pferde. Nach jüngsten Angaben des staatlichen Amts für Statistik ist die Zahl der Haushalte, die mit Hypothekenraten oder anderen Rechnungen in Verzug geraten, auf mehr als 24 Prozent gestiegen – im Jahr 2008 seien es nur zehn Prozent gewesen.

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