http://www.faz.net/-gum-q0aa
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
Best Ager - Für Senioren und Angehörige

Veröffentlicht: 01.01.2005, 16:00 Uhr

Argentinien 182 Tote bei Discobrand - Besitzer festgenommen

Der Discothekenbrand in Buenos Aires hat mehr als 180 Tote gefordert. Drei Jugendliche wurden identifiziert, die offenbar durch den Abschuß von Feuerwerkskörpern den Brand verursacht haben.

© dpa/dpaweb Unter Schock - ein Jugendlicher nach dem Brand

Mindestens 182 Menschen sind bei einem Großbrand in einer Discothek in der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires ums Leben gekommen. Wie die Gesundheitsbehörden am Samstag weiter mitteilten, wurden bei dem Unglück in der Nacht zum Freitag (Ortszeit) 714 Menschen verletzt. 100 von ihnen befinden sich demnach in kritischem Zustand.

Der Besitzer der Discothek „Republica Cromagnon“ wurde nach Angaben der Polizei in der Nacht zum Samstag auf Anordnung der Justiz festgenommen. Die Polizei habe außerdem drei Jugendliche identifiziert, die durch den Abschuß von Feuerwerkskörpern den Brand vermutlich verursacht hätten. Man wisse aber noch nicht, ob die drei unter den Opfern seien, hieß es weiter.

Mehr zum Thema

Geschlossene Notausgänge und ein überfülltes Lokal

Der Bürgermeister von Buenos Aires, Anibal Ibarra, erklärte, das Unglück sei auf die „unverantwortliche Handlung“ von Besuchern, auf geschlossene Notausgänge und auf Überfüllung des Lokals zurückzuführen. Die Verantwortlichen würden zur Rechenschaft gezogen. Entsprechende Vergehen können in Argentinien Strafen von bis zu 20 Jahren Haft nach sich ziehen. Vorwürfe, die Stadt sei wegen mangelnder Kontrollen an der Tragödie mitschuldig, wies Ibarra zurück.

In der Disco „Republica Cromagnon“ die eine Kapazität von 1.300 Besuchern hat, hatten sich Medienangaben zufolge zwischen 3.000 und 6.000 zumeist jugendliche Menschen zu einem Konzert der Rockband „Callejeros“ versammelt.

Sicherheitsmängel waren offenbar bekannt

Das Feuer sei von der Feuerwehr zwar relativ schnell gelöscht worden, berichteten Medien und Augenzeugen. Für das Ausmaß der Katastrophe seien der Rauch, die Dunkelheit und eine Panik entscheidend gewesen. Die meisten Opfer starben an einer Rauchvergiftung.

Die Besitzer der Discothek waren nach Angaben des Fernsehsenders „Cronica TV“ in der jüngeren Vergangenheit wegen Sicherheitsmängeln mehrfach von den zuständigen Behörden gewarnt worden. Nachbarn erzählten dem argentinischen Fernsehen zudem, daß es in dem Tanzlokal jüngst zu zwei Bränden gekommen sei, bei denen es aber keine Opfer gegeben habe. Unter den Todesopfern waren nach dem Bericht von Augenzeugen auch zahlreiche Kinder, die das Konzert mit Eltern oder älteren Geschwistern besucht hatten.

Dreitägige Staatstrauer angeordnet

Die Regierung von Präsident Néstor Kirchner ordnete am Freitag eine dreitägige Staatstrauer an. Zahlreiche Veranstaltungen zum Jahreswechsel wurden abgesagt.

Bundespräsident Horst Köhler schrieb in einem Kondolenzbrief an Kirchner, er habe mit Bestürzung von dem verheerenden Brand erfahren. „Ich möchte Ihnen und den Familienangehörigen der Opfer, auch im Namen des deutschen Volkes, mein herzliches Beileid und Mitgefühl aussprechen.“ Auch Papst Johannes Paul II. sprach den Angehörigen der Opfer sein Mitgefühl aus. Er sei sehr betroffen über die schmerzvolle Nachricht über die zahlreichen Toten, unter denen sich so viele Jugendliche befunden hätten.

Quelle: dpa

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
München und die Folgen Die Diskussion über die Konsequenzen beginnt

Ein labiler 18-Jähriger dürfe nicht an Schusswaffen gelangen, sagt Vizekanzler Sigmar Gabriel. Bundesinnenminister de Maizière will die Einsatzkonzepte der Polizei überprüfen. Bayerns Innenminister Herrmann fordert Unterstützung durch die Bundeswehr. Mehr

24.07.2016, 06:24 Uhr | Gesellschaft
Schießerei in München Schütze war laut Polizei 18 Jahre alter Einzeltäter

Die Polizei hat den mutmaßlichen Täter der Schießerei von München identifiziert: Es soll sich um einen 18 Jahre alten Einzeltäter handeln. Mehr

24.07.2016, 17:10 Uhr | Gesellschaft
Terror in Somalia Bundeswehr entgeht Anschlag am Flughafen von Mogadischu

Vor dem Flughafen der somalischen Hauptstadt Mogadischu hat es zwei schwere Explosionen gegeben. Deutsche Soldaten, die in der Nähe ihre Unterkünfte haben, kamen offenbar nicht zu schaden. Mehr

26.07.2016, 09:30 Uhr | Politik
Reutlingen Machetenangriff war wohl Beziehungstat

Nach dem Machetenangriff eines 21-jährigen Syrers im baden-württembergischen Reutlingen mit einer Toten geht die Polizei von einer Beziehungstat aus. Für diese Annahme lägen erste Anhaltspunkte vor, teilten die Beamten in der Nacht zum Montag mit. Das 45-jährige Opfer aus Polen sei von dem Mann tödlich am Kopf verletzt worden. Mehr

25.07.2016, 17:52 Uhr | Gesellschaft
Waffenrecht Der beste Freund des Massenmörders

Auch die Waffe des Münchner Amokläufers war zunächst einmal legal. Fünf Jahre nach dem Utøya-Massaker werden private Schusswaffen in Europa noch immer zu Mordwaffen. Mehr Von Roman Grafe

25.07.2016, 11:52 Uhr | Feuilleton

Auszeichnung Udo Lindenberg wird Ehrenbürger

Udo Lindenberg wird von seiner Geburtsstadt geehrt, Frauke Petry hat sich auch offiziell von ihrem Ex-Mann getrennt und Andrea Berg muss wegen ihrer Verbrennungen weiter behandelt werden – der Smalltalk. Mehr 12

Frankfurter Allgemeine Stil auf Facebook
Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden