15.08.2006 · Wenn sie weiterzogen, nahmen sie ihre Behausungen meistens mit. Deshalb gibt es vom Neandertaler kaum Siedlungsspuren. Umso bedeutender ist der Fund, der Archäologen nun in einem Braunkohletagebau bei Aachen gelang.
Archäologen haben bei einem spektakulären Fund im Rheinland die Behausung eines Neandertalers ausgegraben. Sie fanden eine ovale Vertiefung, die nach ersten Erkenntnissen der Grundriß seiner Hütte war. Der Fund wird auf 120.000 vor Christus und damit auf die frühere Zeit des Neandertalers datiert.
Im Umkreis der Behausung lagen 60 Werkzeuge aus Feuerstein, darunter Klingen zum Schneiden von Fell oder Fleisch und auch Beile. Dies teilte das Rheinische Amt für Bodendenkmalpflege am Dienstag in Titz bei Aachen mit.
Grabungsfeld im Braunkohletagebau
„Der Fund ist sehr frisch“, sagte der Leiter der Außenstelle des Amtes in Titz, Udo Geilenbrügge. Bei weiteren Grabungen werde man nach Abdrücken der Holzpfosten suchen. Daraus baute der Neandertaler die Trägerstruktur etwa als Tipi oder Rundhütte für die Felle. „Das ist ein außergewöhnlicher Fund, der sehr, sehr selten gelingt“, betonte der Leiter des Neandertalmuseums Professor Gerd-Christian Weniger. Behausungsspuren seien in Deutschland bisher nur in Buhlen in Hessen gefunden worden.
Das Grabungsfeld im Rheinland liegt im Braunkohletagebau Inden. Experten vermuten, daß Feuersteingeröll an der Erdoberfläche den Neandertaler zum Bleiben bewogen hatte. „Das war ein ideales Rohstofflager“, sagte Geilenbrügge. Daraus entstanden Messer oder Beile, also die Art Werkzeug, wie sie in unmittelbarer Nähe des Hüttengrundrisses gefunden wurden.
Neandertaler zog mit Behausung weiter
Die Hütte hatte möglicherweise einen Ausgang nach Osten. In dem Grundriß wurde dort eine Vertiefung gefunden. Noch können die Experten den Fund nicht im Detail entschlüsseln. „Wir müssen weitere Grabungen abwarten“, erklärte Geilenbrügge.
„Es gibt ganz wenige Spuren von Neandertalern im Freiland“, stellte der Leiter des Neandertalmuseums Weniger fest. Die verwendeten Materialien wie Holz seien vergänglich. Außerdem habe der Neandertaler seine Behausung eingepackt, wenn er weiterzog. Deshalb seien Siedlungsspuren äußerst selten. „In der Regel gibt es keine Überreste von der eigentlichen Behausung“, sagte der Experte.