Home
http://www.faz.net/-gum-43eo
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Archäologie Mindestens 325.000 Jahre alte Fußabdrücke in italienischer Lava

12.03.2003 ·  325.000 bis 385.000 Jahre alte Fußabdrücke in der Lava des italienischen Roccamonfina-Vulkans geben Vor- und Frühgeschichtlern Aufschluss über Größe und Fortbewegung von Hominiden.

Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (0)

Vor 325.000 bis 385.000 Jahren kraxelten durch die noch formbare Lava an den Hängen des Roccamonfina-Vulkans, etwa 40 Kilometer nördlich von Neapel, Vorfahren des Menschen umher. Sie hinterließen Fußabdrücke, die Aufschluss über ihre Größe und ihre Fortbewegung erlauben.

In der jüngsten Ausgabe des britische Wissenschaftsmagazin „Nature“ beschreibt das Wissenschaftler-Team um Paolo Mietto von der Universität Padua diese ältesten bislang gefundenen Fußabdrücke menschenartiger Lebewesen. Der Hominide, der sie hinterließ, war höchstens 1,50 Meter groß und lief auf seine 20 Zentimeter langen und 10 Zentimeter breiten Füßen - das entspricht der heutigen Schuhgröße 33 bis 34 - bereits aufrecht. Ihre Hände hätten die Vorfahren der Menschen lediglich benutzt, um auf dem schwierigen Gelände das Gleichgewicht zu halten. Auch Handabdrücke wurden so gefunden. Insgesamt fanden die Forscher 56 Abdrücke.

„Wichtige Entdeckung für die Erforschung der Menschheitsgeschichte“

„Wenn sich das bestätigt, wäre diese eine wichtige Entdeckung für die Erforschung der Menschheitsgeschichte“, sagte Jürgen Richter vom Institut für Ur- und Frühgeschichte an der Universität Köln. Ältere Fußabdrücke von Vorfahren des Menschen hatten verschiedene andere Forscherteams bereits gefunden. „Den aufrechten Gang gibt es seit etwa 3,8 Millionen Jahren“, ergänzte Richter. Die damals lebenden Australopithecinen seien jedoch keine Menschen im engeren Sinne gewesen, sondern Verwandte aus der Gruppe der Primaten.

Besonders berühmt sind die etwa 3,5 Millionen Jahre alten Fußabdrücke in der vulkanischen Asche der Olduvai-Schlucht im ostafrikanischen Tansania. Mary Leakey und ihr Mann Louis hatten sie 1978 entdeckt. Aus den Abdrücken konnte die Fachwelt entnehmen, dass die ersten menschenähnlichen Wesen schon Jahrtausende eher zum aufrechten Gang übergangen waren als bis dahin geglaubt.

In der Entwicklungsgeschichte der Menschheit gab es zahlreiche Hominiden-Arten. Erst vor 150.000 Jahren bildete sich der Mensch (homo sapiens) heraus.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel