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Archäologie : Menschenopfer in Europas ältestem Sonnenobservatorium

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Das Observatorium ist rund 7.000 Jahre alt und wurde durch Luftaufnahmen entdeckt Bild: AP

Archäologisch gesehen ist der Fund des Observatoriums in Sachsen-Anhalt ein Meilenstein: Die Anlage erlaubt einmalige Einblicke in die religiöse und geistige Welt der ersten Bauern Europas.

          Der archäologische Sensationsfund des ältesten Sonnenobservatoriums Europas belegt nicht nur die Jahrtausende alte Tradition der Himmelskunde: Die 7000 Jahre alte Anlage in Goseck in Sachsen-Anhalt ist nach Erkenntnissen der Forscher auch die älteste Kultstätte in Mitteleuropa. „Hier wurde nicht nur der Lauf der Sonne bestimmt, sondern es gab auch ein gesellschaftliches Leben mit Versammlungen und Ritualen“, sagte Archäologe Francois Bertemes am Donnerstag bei der Präsentation des Fundortes.

          Den Beweis dafür lieferten menschliche Knochen, die inmitten der einst etwa zwei Meter hohen Palisaden-Anlage mit einem Durchmesser von 75 Metern gefunden wurden. „Sie lagen nicht typisch für die Bestattung eines Toten und zeigen Spuren von Fleischabschabungen. Wir müssen davon ausgehen, daß dieser Mensch geopfert wurde“, sagte der Wissenschaftler von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Das Alter der Anlage, die nur 25 Kilometer vom Fundort der 3600 Jahre alten „Himmelsscheibe von Nebra“ entfernt liegt, konnte mit Hilfe von Tonscherben zweifelsfrei bestimmt werden, die zusammen mit zwei Pfeilspitzen und Tierknochen ausgegraben wurden.

          Observatorium ist ein „Meilenstein“

          Bereits 1992 hatten Archäologen auf Luftbildern Hinweise auf das Observatorium entdeckt. Ende Juli hatte das Landesamt für Archäologie in Halle dann den Fund bekannt gegeben. Für den Landesarchäologen Harald Meller ist Goseck ein „Meilenstein“ in der archäologischen Forschung. „Wir können erstmals in die geistige und religiöse Welt der ersten Bauern Europas blicken. Bislang wußten wir nur, daß diese Menschen in langen Häusern lebten“, erklärte Meller.

          Das Ausgrabungsfeld bei Goseck. In der Mitte zeichnet sich das Südosttor ab, das zum Sonnenaufgang der Wintersonnwende ausgerichtet ist.
          Das Ausgrabungsfeld bei Goseck. In der Mitte zeichnet sich das Südosttor ab, das zum Sonnenaufgang der Wintersonnwende ausgerichtet ist. : Bild: dpa/dpaweb

          Die Anlage war von einem Graben mit drei Toren umgeben. Von der Mitte der Kreisanlage konnte dann durch das erste Tor exakt der Sonnenaufgang und durch das zweite Tor der Sonnenuntergang zur Wintersonnenwende am 21. Dezember vor 7000 Jahren beobachtet werden. Die Bestimmung dieses Zeitpunktes war für den Ernte-Zyklus der bäuerlich geprägten Gesellschaft wichtig.

          Verblüffende Ähnlichkeiten

          Eine enge Beziehung zwischen Goseck und der - deutlich jüngeren - Himmelsscheibe von Nebra“ sieht der Astronomieexperte Wolfhard Schlosser von der Ruhr-Universität Bochum. Die Scheibe ist die älteste konkrete Himmelsdarstellung der Welt. Auch die Anordnungen der Horizontbögen auf der Himmelsscheibe dienten zur Bestimmung der Winter- und Sommersonnenwende. Es gibt zwischen den Anordnungen auf der Scheibe und der Anlage in Goseck verblüffende Ähnlichkeiten. Schlosser schließt daraus auf eine lange Tradition der Himmelsbeobachtung in Europa.

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