Die vielleicht älteste Zahnbürste Europas haben Archäologen bei Ausgrabungen in einem ehemaligen Hospital in Minden entdeckt. Das Fundstück sei mindestens 250 Jahre alt, zehn Zentimeter lang und aus Tierknochen gearbeitet, berichtete der Landschaftsverband Westfalen-Lippe am Dienstag.
Gebrauchsfertig ist die Zahnbürste allerdings nicht mehr: Die Borsten, die aus organischem Material waren, sind verfault. Doch wurde die Zahnbürste in ihrer besten Zeit nicht nur zur Zahn- sondern auch zur Ohrenpflege genutzt. Am Ende des gewellten Stiels wurde dafür ein so genanntes Ohrlöffelchen eingeschnitzt. Mit der einen Seite putzte man seine Zähne, mit der anderen säuberte man - nach gängiger Expertenmeinung - seine Ohren.
Seltenes Fundstück
Entdeckt worden war das seltene Fundstück bei der Ausgrabung eines ehemaligen Hospitals in der Mindener Innenstadt. Die Schicht, in der die Bürste lag, datieren die Archäologen auf das 17. oder frühe 18.Jahrhundert. Damit ist sie zusammen mit einer fast identischen Zahnbürste, die erst in diesem Jahr in Quedlinburg gefunden und auf die Zeit um 1750 datiert wurde, die älteste bekannte Zahnbürste Europas, wie die Forscher mitteilten.
Die beiden Bürsten sind sich so ähnlich, dass die Archäologen es sogar für möglich halten, dass sie aus derselben Werkstatt stammen. Auf jeden Fall stammen sie aus der Frühzeit dieses Hygieneartikels. Denn Zahnbürsten kamen erst im Laufe des 18.Jahrunderts auf und hielten zunächst Einzug in die „besseren“ Häuser. Forscher führen dafür zwei Gründe an: Zum einen wurden am Ende des 17.Jahrunderts die Schleimpilze mikroskopisch entdeckt, die Karies auslösen. Zum anderen stieg die Zahnfäule durch erhöhten Zuckerverzehr an.