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Sensationsfund in Ägypten : Der Koloss aus dem Schlamm

Den Wassermassen entrissen: Statue von Ramses II. Bild: AP

Mitten in Kairo gelingt einem internationalen Grabungsteam ein sensationeller Fund: eine Statue des legendären Pharaonen Ramses II. Sein Name steht für eine Epoche der wirtschaftlichen Blüte und des Friedens in Ägypten.

          Die Anwohner feierten. Als am Montag die Arbeit an der Ausgrabungsstätte begann, versammelten sich die Leute aus dem Viertel und skandierten: „Hier sind Ägypter!“ Und: „Hier ist Ramses!“ Und: „Matarya! Matarya!“ So heißt der Stadtteil der Metropole Kairo, in dessen ärmlichen Gassen es sonst nicht so viel zu feiern gibt.

          Peter-Philipp Schmitt

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Christoph  Ehrhardt

          Korrespondent für die arabischen Länder mit Sitz in Beirut.

          Vergangene Woche aber wurde in Matarya in einer Grube voller graubraunem Morast ein besonderer historischer Schatz entdeckt: eine glänzende Statue, rund 3200 Jahre alt und etwa acht Meter groß, die niemand geringeren darstellen kann als Ramses II., auch bekannt als „Ramses der Große“.

          So feierte die stolze antike ägyptische Geschichte am Montag eine Art Auferstehung aus dem Schlamm und Schutt der Gegenwart, als der tonnenschwere Torso mit Hilfe von Baumaschinen aus der Grube gehievt wurde. Vergangenen Donnerstag war schon der Kopf des Kolosses in einer Baggerschaufel gehoben worden.

          Erschaffer gewaltiger Bauten

          Pharao Ramses II. war so lange wie kaum ein anderer Herrscher an der Macht – von 1279 bis 1213 vor Christus als dritter König der 19. Dynastie. Er gilt als einer der wichtigsten Pharaonen überhaupt. Mit seinem Namen wird eine lange Zeit der wirtschaftlichen Blüte und des Friedens verbunden. RamsesII., dem ein Hang zu imposanten Bauten nachgesagt wird, hatte dort, wo jetzt informelle Siedlungen wuchern, einst einen der größten Sonnentempel seiner Zeit errichtet – mit Ausmaßen von 1100 mal 900 Metern.

          Archäologische Sensation : Forscher finden 3000 Jahre alte Pharao-Statue

          Das Grabungsgebiet liegt auf der einstigen Tempelanlage Heliopolis. Von 2700 bis etwa 300 vor Christus war Heliopolis eine der Hauptkultstätten Ägyptens. Vor allem die Pharaonendynastie der Ramsesiden (1292 bis 1070 vor Christus) nutzte den Ort zur Verehrung des Sonnengottes Atum. Im achten Jahrhundert vor Christus zerstörten die Perser erstmals bei einer Invasion Heliopolis. Nach einem zweiten Angriff 400 Jahre später wurde die Anlage endgültig aufgegeben.

          Neugierige Blicke auf die Ausgrabungsstätte: Ramses der Große steht für eine Zeit des Wohlstands in Ägypten. Bilderstrecke
          Neugierige Blicke auf die Ausgrabungsstätte: Ramses der Große steht für eine Zeit des Wohlstands in Ägypten. :

          Die nun geborgene imposante Statue stand auf dem Gelände dieses Tempels. Der ägyptische Minister für Altertümer, Khaled al Anany, beschrieb den Fund als eine der wichtigsten Entdeckungen, die in den Grabungen der jüngeren Vergangenheit gemacht wurde. Für Dietrich Raue von der Universität Leipzig dürfte es der bedeutendste Fund seiner Karriere sein. Raue ist Ko-Direktor einer etwa 150 Personen umfassenden Grabungsmannschaft, die sich nun über den unerwarteten Erfolg freut. Ein Baggerfahrer war zufällig auf die Statue gestoßen.

          Positive Nachrichten aus Ägypten

          Der Archäologe arbeitet mit seinem ägyptischen Partner Aiman Ashmawy auf einer gefährdeten Grabungsstätte. Denn selbst wenn sich Raue über den „kunsthandwerklichen“ und „historischen“ Wert seines Fundes freut, so wird er doch nie die gesamte Anlage an die Oberfläche befördern können. Zum einen, weil die Monumente unterhalb des Grundwasserspiegels liegen und eine kostenintensive aufwendige Trockenlegung des Areals trotz allen Wertes der Artefakte ein unmögliches Unterfangen ist. Außerdem ist Eile geboten, denn dort, wo die Mitglieder des mehrheitlich ägyptischen Grabungsteams arbeiten, soll neuer Wohnraum für die rasch wachsende Bevölkerung entstehen. Ein Teil des Tempelareals ist schon überbaut. Raue und Mitglieder der deutsch-ägyptischen Mannschaft sprechen von einem Rennen gegen die Zeit. Und auch Minister Anany bedauert, dass in Matarya wie an anderen Orten der bauliche Wildwuchs die antiken Schätze unter sich begräbt. Dabei hatte Raue mit seinem Team schon vor ein paar Monaten spektakuläre Funde auf dem Gelände vermelden können, darunter vollständige Reliefszenen aus der Zeit Ramses II., einen zweiten Tempel des bedeutenden Herrschers und Reste einer Statue seines Nachfolgers Ramses IV.

          Zumindest hat die Grabung endlich wieder positive Nachrichten aus Ägypten gebracht. Das Land steckt in einer tiefen Wirtschaftskrise, wird immer wieder von Terroranschlägen erschüttert und leidet darunter, dass immer weniger Touristen kommen. Da stünde es Ägypten gut zu Gesicht, wenn die Ramses-Statue künftig am Eingang des Großen Ägyptischen Museums stehen sollte, das gerade in der Nähe der Pyramiden errichtet wird. Es soll seine Tore im nächsten Jahr öffnen.

          Quelle: F.A.Z.

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