Home
http://www.faz.net/-gum-383o
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Antarktis Tausende Jungpinguine im ewigen Eis verloren

11.01.2002 ·  Katastrophe für die Könige der Antarktis, die Pinguine. Rund 20.000 Jungtiere sind im ewigen Eis vom Hungertod bedroht.

Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (0)

Die Wissenschaftler der neuseeländischen Antarktis-Forschungsbehörde befürchten ernsthaft einen immensen Rückgang der Pinguin-Bestände in der Antarktis. Der Grund: Riesige treibende Eisberge und große weitere Eismassen haben rund 20.000 Jungtiere von ihren Eltern nahezu isoliert.

Bereits Ende Dezember hatten Satellitenaufnahmen der Nasa auf die ungünstigen Eisbewegungen und die Gefahr für die Pinguin-Populationen hingewiesen. Die Befürchtungen haben sich nun als richtig erwiesen. Neuseeländischen Forscher haben festgestellt, dass unter den Elterntieren bereits erste Resignationserscheinungen auftreten. So habe eine kleine Kolonie von Kaiserpinguinen es bereits aufgegeben, ihre Jungen aufzuziehen.

Anstrengende Futtersuche überfordert Elterntiere

Das bedeutet, dass der Überlebenstrieb der Tiere offenbar langsam die Oberhand über die Mutterliebe gewinnt. Denn die Versorgung der Jungen wird für die Elterntiere nach Bebobachtung der Wissenschaftler zunehmend zu einer Gefahr für das eigene Leben. Die Pinguine kommen gewöhnlich zum Brüten an Land. Abwechselnd verlassen die Elterntiere ihr Nest, um für die Jungen Krill und Fische zu fangen. Doch durch die nun eingetretene Situation sind die Jungtierkolonien sehr weit vom freien Meerwasser entfernt. Die Elterntiere "müssen 20 bis 30 Kilometer überwinden und dabei gehen ihnen Nahrung und Energie aus", berichtet der Antarktis-Forscher Dean Patterson. Die Folge: die kleinen Pinguine verhungern, da sie praktisch von den Nahrungsquellen abgeschnitten sind.

Bestände werden zum Teil um ein Drittel kleiner

Betroffen sind in diesem Südpol-Sommer eine Population von Kaiserpinguinen sowie drei Kolonien von Adeliepinguinen. Normalerweise überleben im ewigen Eis etwa zehn Prozent der Pinguin-Neugeborenen die erste Phase in ihrem Leben. Nach Einschätzung der Polarforscher dürfte die Überlebensquote in diesem Jahr nur bei zwei bis fünf Prozent liegen. Der Bestand einiger Pinguinkolonien im südlich von Neuseeland gelegenen Rossmeer wird sich voraussichtlich um bis zu 30 Prozent reduzieren.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel