16.12.2002 · Forscher haben in der Antarktis einen See unter Eis gefunden, der seit 2.800 Jahren keinen Kontakt mit der Atmosphäre hatte.
Von Cornelia PretzerDass es im Lake Vida flüssiges Wasser gibt, hat die Forscher überrascht. Eigentlich dachten sie, das Wasser in dieser Vertiefung in der Antarktis sei das ganze Jahr fest gefroren. Ist es nicht - vielmehr ist es seit mindestens 2.800 Jahren nicht nur flüssig, sondern von einer Eisschicht überdeckt und somit nicht im Austausch mit der Atmosphäre.
Die Wissenschaftler um Peter Doran von der University of Illinois haben bei Radar-Messungen und Bohrungen fast bis zum flüssigen Wasser noch mehr gefunden: Mikroben, die in den per Radiocarbon-Methode auf das Alter von 2.800 Jahren datierten Sedimenten lagen, und bei Kontakt mit flüssigem Wasser rasch zu wachsen begannen. Wiederum überraschend, weil das Wasser in dem See sieben mal so salzig ist wie Meerwasser, so salzig, dass es bei minus zehn Grad Celsius noch nicht gefriert. Zudem ist es kalt und dunkel unter einer 19 Meter dicken Eisschicht. Für die Mikroben offensichtlich kein Hindernis.
Bedingungen wie zur Eiszeit
Daraus schlussfolgern die Forscher, dass unter solchen unwirtlichen, aber doch vergleichsweise geschützten Bedingungen Ökosysteme auf Eiszeiten haben überdauern können. Sie halten es sogar für möglich, dass sich auf dem Mars, falls er denn belebt gewesen ist, während seiner Abkühlung solche Nischen gebildet haben könnten.
Aber wie entsteht ein "untereisiger" See wie der Lake Vida? Die Sommer in der Region sind warm genug, Gletscher von anschmelzen zu lassen, so dass sich das Schmelzwasser beispielsweise in Lake Vida sammelt. Die Winter sind jedoch so kalt, dass die Eiskappe zu dick ist, um im Sommer abzuschmelzen.