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Anna-Amalia-Bibliothek : Schatzkammer des Buches

  • Aktualisiert am

Der Rokoko-Saal vor dem Brand Bild: dpa/dpaweb

Im Februar 2005 - so hieß vor dem Großbrand - soll die 23 Millionen Euro teure Erweiterung der Anna-Amalia-Bibliothek eröffnet werden. Erstmals seit der Goethe-Zeit sind dann die wertvollen Bestände wieder an einer Stelle konzentriert.

          Die Klassikerstadt Weimar bekommt eine neue geistige Mitte. Im historischen Zentrum ziehen derzeit rund eine Million Bücher in das neue Tiefenmagazin der Herzogin Anna Amalia Bibliothek zwischen historischem Stammhaus und neuer Bibliothek im Roten und Gelben Schloß. Im Februar 2005 - so hieß es noch am Tag vor dem Großbrand am Donnerstag abend - soll das 23 Millionen Euro teure Projekt der Stiftung Weimarer Klassik eröffnet werden.

          „Erstmals seit der Goethe-Zeit sind dann die wertvollen Bestände der 300 Jahre alten Bibliothek wieder an einer Stelle konzentriert“, sagt Bibliotheksdirektor Michael Knoche. Rund 90 Prozent der Bücher aus der Zeit des 16. Jahrhunderts bis in die Gegenwart waren zuletzt unter teils miserablen Bedingungen über die ganze Stadt verstreut. Die neuen Magazine bieten Raum für Ankäufe der nächsten 40 Jahre.

          „Wir mußten ein völlig neues Konzept für die Forschungsbibliothek entwickeln“, beschreibt der Bibliothekar die Anforderungen an die 90 Mitarbeiter. In dem umgebauten Ensemble des Roten und Gelben Schlosses sind von der Ausleihe bis zur Mediathek sämtliche Funktionsbereiche untergebracht - optimale Bedingungen für Forschungen mit alten Büchern, aber auch mit neuen Medien. Es gibt eine Freihandbibliothek mit 100 000 Büchern und großzügige Leseräume. Dann muß der Leser nur noch 25 Minuten auf ein Buch warten, bisher konnte das durchaus einen Tag und länger dauern. Knoche will mit den alten Buchbeständen als Pfund wuchern. „Ich habe den Eindruck, daß historische Bibliotheken immer wichtiger werden.“ Als ein Indiz für die wachsende Nachfrage nannte er jährliche Steigerungsraten von 10 bis 15 Prozent.

          Der neue Bücherkubus: Gerade hatte die letzte Etappe der Erweiterung der Bibliothek begonnen

          Handschriften, historische Karten, Noten

          Zu den Kostbarkeiten zählen 2000 mittelalterliche Handschriften, 8400 historische Landkarten und 3900 Noten. Darunter sind auch die mit 3900 Bänden größte „Faust“-Sammlung der Welt und Handschriften des Dichters und Philosophen Friedrich Nietzsche. Nicht wenige Bücher waren durch zu hohe Luftfeuchtigkeit in der alten Bibliothek mit ihrem berühmten Rokokosaal gefährdet.

          Die renommierte Forschungsbibliothek trägt den Namen der Weimarer Herzogin Anna Amalia (1739-1807). Sie verlieh der kleinen Thüringer Residenz neuen Glanz und holte Dichter wie Wieland nach Weimar. Sie machte Schloß Ettersburg zum Musenhof und erkor das Grüne Schloß am Ilmpark zum Domizil für die herzogliche Büchersammlung. Von 1797 an sorgte Johann Wolfgang von Goethe für Ausbau und Verwaltung der Bestände. Das 1565 erbaute Stammhaus soll in den kommenden Jahren für rund acht Millionen Euro saniert und als Zentrum für das alte Buch zugleich Museum und Forschungsbibliothek sein. Es ist durch einen unterirdischen Gang mit Tiefenmagazin und neuer Bibliothek verbunden.

          „Jetzt war die Pflicht, dann kommt die Kür“

          „Jetzt war die Pflicht, dann kommt die Kür“, umschreibt Architekt Jürgen Bayer von der Direktion Bau der Klassikerstiftung die neuen Anforderungen. Hinter der historischen Fassade des Roten und Gelben Schlosses war kaum wertvolle Bausubstanz wie Türen oder Stuckdecken erhalten, auf die Denkmalpfleger und Bauarbeiter Rücksicht nehmen mußten. Dies sei im Stammhaus mit repräsentativem Rokokosaal, Bücherturm und Renaissancesälen ganz anders, erzählt Bayer, der alle großen Sanierungen wie die des Goethes-Nationalmuseums geleitet hat und Anfang 2006 in den Ruhestand geht.

          „Die Statik des Hauses ist bis auf die Grenze ausgereizt“, sagt er. Vor allem der Einbau des hölzernen Rokokosaales im 18. Jahrhundert auf die darunter liegenden Renaissancesäle habe zu dieser Situation geführt. Auch sei die Gründung der Fundamente auf der Westseite schlechter als angenommen. Ein weiteres Problem für die wertvollen Innenräume seien Klima und Luftfeuchtigkeit.

          Nach Rekonstruktion wird sich das bisher für Besucher weitgehend unzugängliche Stammhaus in völlig neuem Aussehen präsentieren. Das nach Entwürfen des klassizistischen Baumeisters Heinrich Gentz gebaute Treppenhaus soll wie zu Goethes Zeiten wieder repräsentativer Haupteingang sein.

          Bis Ende 2004 laufen letzte Untersuchungen und Vorplanungen. Im Frühjahr 2005 will der Stiftungsrat über die Finanzierung entscheiden. Knoche und Bayer rechnen mit einem Baustart Anfang 2006. „Mit Glück werden wir Ende 2007, dem 200. Todesjahr von Herzogin Anna Amalia, fertig“, hofft Bayer.

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