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Anke Engelke Die Pflicht der Überbezahlten

08.06.2004 ·  Anke Engelke erstaunt Baselitz. Ehrenamtlich führt sie Kinder durchs Museum und meint: "Es ist meine Pflicht als öffentliche und überbezahlte Person, so etwas zu tun."

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Als Nachfolgerin, immer nur als Nachfolgerin gesehen, taxiert und besprochen zu werden, ist, dafür sorgen der lange Schatten des Nachzufolgenden und der hohe Erwartungsdruck, die volle Härte. Anke Engelke hat es in den vergangenen Wochen ausgiebig erfahren. Doch jetzt hat die Komödiantin den Spieß einfach umgedreht, denn die Nachfolgerin ist auch Vorgängerin, wenn auch nicht als Late-Night-Talkerin, sondern im Museum.

Was Harald Schmidt gerade erst zu Himmelfahrt im Kölner Museum Ludwig als Auswärtsspiel inszeniert hat, eine eigene "Ausstellung", die dann eher zur Kult-Performance geriet, das ist für Anke Engelke schon länger ein Heimspiel: Seit zwei Jahren nämlich führt die Entertainerin, die Museumspädagogik studiert hat, regelmäßig Kinder durch die Bundeskunsthalle in Bonn - ehrenamtlich und lange unbemerkt von den Medien.

Als sie sich jetzt aber in der Ausstellung von Georg Baselitz mit dem Künstler selbst zu einem "Nachmittalk" verabredete, blieb das nicht mehr unbeobachtet: Ernsthaft, gut vorbereitet und unbeschwert, wie sie sich das von den Kindern abgeschaut hat, befragte der "Ladykracher", der sich als "mittelmäßig kunstgebildet" einschätzt, vor etwa hundert Besuchern den Meister zu Leben und Werk.

Der zeigte sich beeindruckt und nannte ihr Engagement "im besten Sinne sozial verantwortlich". Anke Engelke aber wollte das so nicht stehenlassen: "Es ist meine Pflicht als öffentliche und überbezahlte Person, so etwas zu tun", erklärte sie und versetzte Baselitz damit erst recht in Staunen: "Überbezahlt - aber Frau Engelke, das sagt man doch immer nur über die anderen!"

Quelle: aro., Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.06.2004, Nr. 132 / Seite 9
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