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Anhörung Schwere Vorwürfe gegen Costa-Kapitän

 ·  Das Beweissicherungsverfahren um die Havarie der „Costa Concordia“ hat begonnen. Hunderte Passagiere, Angehörige von Opfern und Crewmitglieder kamen nach Grosseto. Nur einer fehlte: Kapitän Schettino, den Zeugen schwer belasteten.

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In einem Theatersaal, aber hinter verschlossenen Türen hat am Samstag im toskanischen Grosseto das Beweissicherungsverfahren zum Prozess um die Havarie der „Costa Concordia“ begonnen. Kapitän Francesco Schettino und acht weitere unter Verdacht stehende Offiziere waren zu dem ersten Termin nicht vorgeladen. Schettinos Anwalt Bruno Leporatti sagte, sein Mandat müsse um seine Sicherheit fürchten. Die „Concordia“ hatte am 13. Januar nur wenige Dutzend Meter vor der Insel Giglio einen Felsen gerammt und war mit mehr als 4200 Passagieren und Crewmitgliedern gekentert. 25 Leichen wurden seither geborgen, sieben Menschen werden noch vermisst. Schettino macht die Reederei für das Unglück mitverantwortlich. Überlebende in Italien, Frankreich und den Vereinigten Staaten klagen inzwischen gegen die Reederei sowie ihren amerikanischen Mutterkonzern Carnival und verlangen Schadensersatz in dreistelliger Millionenhöhe.

Im Saal in Grosseto waren mehrere hundert Passagiere, Crewmitglieder, Sachverständige sowie Familienangehörige der Opfer zusammengekommen. Sie fordern „Gerechtigkeit und Wahrheit“. „Schettino ist ein Krimineller“, sagte eine Passagierin. Der sizilianische Rechtsanwalt Giuseppe Grammatico, der sich auch an Bord befand, belastete den Kapitän und seine Offiziere: „Ich habe Schettino und weitere vier Offiziere beim Verlassen des Schiffs beobachtet.“ Der Kapitän sei nicht in ein Rettungsboot gefallen, wie er behaupte. Es sei viel zu viel Zeit vergangen, bis an Bord Alarm ausgelöst worden sei. Viel mehr Menschen hätten gerettet werden können, wenn man rasch gehandelt hätte. „Zum Glück habe ich nicht das getan, wozu uns das Personal aufforderte: Ich bin nicht in die Kabine zurückgekehrt.“

Zu den Hauptangeklagten zählt auch Vizekapitän Ciro Ambrosio. „Mein Mandant ist aber der einzige Offizier, der den Anweisungen des Kapitäns getrotzt und den Befehl erteilt hat, die Rettungsboote zu Wasser zu lassen“, sagte Ambrosios Rechtsanwalt Salvatore Catalano. Nach Angaben italienischer Medien sagte der Erste Offizier zuvor aus, Schettino habe seine Mannschaft angewiesen, die Küstenwache hinsichtlich des Ausmaßes des Unglücks anzulügen. Unter Berufung auf Verhörprotokolle zitierte die Zeitung „Il Fatto Quotidiano“, der Kapitän habe offenbar nicht zugeben wollen, wie ernst die Lage gewesen sei. Überdies habe Schettino an dem Abend nicht wie üblich seine Brille getragen, als er das Kommando übernommen habe. Die Ermittler werfen dem 52 Jahre alten Kapitän mehrfache fahrlässige Tötung, Havarie, Verlassen seines Schiffs während der Evakuierung sowie mangelnde Kommunikation mit dem Hafenamt in Livorno vor. Dazu kam am Samstag der Vorwurf der Umweltbeeinträchtigung in einem Naturschutzgebiet.

Im Mittelpunkt stand in Grosseto die sogenannte Black Box der „Concordia“. Von dem Datenschreiber erhoffen sich die Ermittler weitere Aufschlüsse über den Unfallhergang. Bei der nächsten Anhörung am 21. Juli sollen Sachverständige ihre Analysen vorlegen. Vor der Insel Giglio konnten inzwischen vier Fünftel des Treibstoffs der „Costa Concordia“ - überwiegend gefährliches Schweröl - abgepumpt werden. In einigen Tagen soll entschieden werden, ob danach das 290 Meter lange Schiff angehoben und abgeschleppt werden kann oder ob man es zerlegen muss.

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Jahrgang 1952, politischer Korrespondent für Italien und den Vatikan mit Sitz in Rom.

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