17.04.2007 · Amokläufe an Schulen und Universitäten
Von Rainer SchulzeImmer wieder haben Amokläufe an Schulen und Universitäten Entsetzen hervorgerufen. Schon vor dem wohl bekanntesten Amoklauf zweier Schüler an der Columbine High School in Littleton im Bundesstaat Colorado im Jahr 1999 ereigneten sich mehrere derartige Fälle. Im August 1966 tötete Charles Whitman an der Universität von Texas in Austin 15 Menschen und verletzte 31 weitere. Seine Mutter und Ehefrau waren unter den Opfern. Im Dezember 1989 stürmte der 25 Jahre alte Marc Lepine eine Schule für Polytechnik in Montreal und erschoss 14 Frauen. Im schottischen Dunblane tötete im März 1996 ein Amokschütze 16 Grundschüler und deren Lehrer, bevor er sich erschoss.
Der Amoklauf von Littleton aber setzte aufgrund der besonderen Grausamkeit und der medialen Wirkung eine Art Zäsur. Mehrere Filme setzten sich mit dem minutiös geplanten Attentat auseinander. Am 20. April 1999 töteten der achtzehn Jahre alte Eric Harris und der siebzehn Jahre alte Dylan Klebold in Littleton zwölf ihrer Mitschüler und einen Lehrer. 24 weitere Schüler wurden bei der Tat zum Teil lebensgefährlich verletzt. Nach dem Amoklauf erschossen sich die vermummten Täter selbst. Der Fall setzte eine Diskussion über die vergleichsweise liberalen Waffengesetze in Amerika und die Darstellung von Gewalt in Computerspielen und in Filmen in Gang. Die Polizei hatte eine Videokassette entdeckt, die einen der Täter mit einem abgesägten Gewehr zeigte, das er nach einer Figur in dem "Egoshooter"-Spiel Doom benannt hatte. Schon ein Jahr vor dem Anschlag hatte Harris angekündigt, dass "es" so werden würde wie in dem Computerspiel. Familienangehörige des erschossenen Lehrers nahmen die Faszination der Täter für brutale Computer-Spiele zum Anlass, Unternehmen der Computer-Spielindustrie und der Filmindustrie zu verklagen.
Diffuser Hass auf die Gesellschaft
Seit Columbine berufen sich Amokläufer auf Harris als Vorbild für ihre Taten. So verehrte auch der Täter, der im münsterländischen Emsdetten im November 2006 durch Schüsse und Rauchbomben an einer Schule 37 Personen verletzte, Eric Harris als "Gott". Einer der schwersten Amokläufe an Schulen ereignete sich hierzulande vor fast fünf Jahren in Erfurt. Am 26. April 2002 erschoss der 19 Jahre alte Robert Steinhäuser am späten Vormittag zwölf Lehrer, die Sekretärin, zwei Schüler und einen Polizisten, bevor er die Waffe gegen sich selbst richtete. Der Amoklauf im Gutenberg-Gymnasium rief eine Debatte über die Ursachen solcher Taten hervor. Ein wiederkehrendes Muster bei Amokläufern ist ein diffuser Hass auf die Gesellschaft, der häufig aus dem Gefühl der Ablehnung und erlittener Enttäuschungen resultiert. Schon Harris empfand für seine Umwelt nur Wut, Enttäuschung und Verachtung. In Deutschland geht die Suche nach probaten Methoden weiter, Amokläufe zu verhindern. So wird wieder abermals ein Verbot von gewaltverherrlichenden Computerspielen in Erwägung gezogen.