11.05.2009 · Eine 16 Jahre alte Schülerin ist am Montag möglicherweise an einem Brandanschlag auf ihr Gymnasium gehindert worden. Das Mädchen ist flüchtig. Es hatte, vermutlich bei ihrem Vorhaben gestört, einer Mitschülerin den Daumen abgeschnitten. Die Schule hatte daraufhin Amokalarm ausgelöst.
Von Reiner Burger„Wir hatten alles von innen mit Stühlen und Tischen verbarrikadiert, saßen auf dem Boden und haben uns nicht gerührt“, sagt Dennis Weiss. Es ist halb ein Uhr am Montagnachmittag. Eben ist der Zehntklässer mit einem großen Pulk anderer Schüler aus der Turnhalle des Albert-Einstein-Schulzentrums in Sankt Augustin bei Bonn geführt worden. Viele besorgte Väter und Mütter warten im Regen - am Morgen war in der Schule Amokalarm ausgelöst worden.
Gegen neun Uhr ging ein 16 Jahre altes Mädchen mit einem Messer auf eine Mitschülerin los und trennte ihr einen Daumen ab. Über Lautsprecher wies die Schulleitung die Lehrer an, sich in ihren Klassenzimmern einzuschließen. „Ich habe gleich meiner Schwester eine SMS geschrieben, aber sie wollte mir erst nicht glauben“, sagt Dennis. Erst nach der zweiten SMS alarmierte seine Schwester die Mutter, die gleich zum Schulzentrum kam. „Es waren die schlimmsten Stunden meines Lebens.“ Sicher fühlte er sich erst, als SEK-Beamte sie aus dem Zimmer führten.
Hunderte Polizisten im Einsatz
Wolfgang Baldes von der Polizeidirektion Köln sagt, eine Schülerin sei auf der Schultoilette auf eine maskierte Person mit Rucksack getroffen, die sie mit einem langen Messer attackierte. Ein Lehrer sei durch Schreie auf das verletzte Mädchen aufmerksam geworden. Man rief Notarzt und Polizei und riegelte die Schule ab. Weitere Schüler wurden nicht verletzt. Schnell waren Hunderte Polizisten, Sanitäter und Feuerwehrleute im Einsatz. In der Toilette stießen Polizisten auf einen Rucksack, in dem sich eine Gaspistole, ein Brief und Flaschen mit einer Flüssigkeit befanden, die nach Benzin roch. Baldes sagt, eine 16 Jahre alte Schülerin sei „aufgrund von Rückschlüssen“ des Angriffs auf das Mädchen verdächtig.
Die mutmaßliche Täterin, die ihre Schule schon vergangene Woche bedroht haben soll und am Montag zu einer „Gefährderansprache“ in der Schule erscheinen sollte, ist am Nachmittag noch auf der Flucht. Hubschrauber kreisen über dem beschaulichen Wohngebiet, in dem das Schulzentrum liegt. Zu Mutmaßungen, die Sechzehnjährige habe ihre Schule anzünden wollen, äußert sich Baldes nicht. Die Polizei habe aber bei der Durchsuchung der Wohnung der Jugendlichen einen Feuerlöscher gefunden, „der mit einer fremden Substanz gefüllt ist“.
Koordiniertes Zusammenwirken
Seit dem Amoklauf von Emsdetten im November 2006, bei dem fünf Personen durch Schüsse verletzt wurden, hatte es rund 700 Amok-Drohungen allein in Nordrhein-Westfalen gegeben. Seit Anfang Mai gibt es in dem Bundesland als Reaktion auf Winnenden einen „Expertenkreis zur Prävention von Amokläufen“. Amoklagen seien „zeitkritisch“, es bestehe „enormer Handlungsdruck“, es komme auf ein koordiniertes Zusammenwirken von Einsatzkräften, Schülern und Lehrern an, heißt es in einem Bericht der Landesregierung.
Was das bedeutet, erfuhr Michaela Miebach am Montag in Sankt Augustin: „Ich war unendlich erleichtert, als mich mein Sohn Mathias aus dem Klassenzimmer vom Handy aus anrief und sagte, sorge dich nicht, alles ist abgeschlossen.“ Gemeinsam mit ihrem Mann ist sie von der Arbeit zur Albert-Einstein-Schule gekommen, um ihren Sohn und seinen Freund Jonas abzuholen - unversehrt.
Zweierlei Maß
Holger Sulz (H._Sulz)
- 11.05.2009, 20:12 Uhr
Medien-Eklatisten
Immo Sennewald (immediator)
- 12.05.2009, 00:28 Uhr
Vorschlag
Marco Blumenstein (uk-subs)
- 12.05.2009, 01:04 Uhr
Der Immediator hat recht
Calpo Salmrohr (calpo_salmrohr)
- 12.05.2009, 10:19 Uhr