29.07.2004 · Er war so etwas wie der heimliche Ehrengast, mit dem man sich aber lieber nicht zeigte: Michael Moore, Regisseur des Anti-Bush-Films "Fahrenheit 9/11", beim Parteitag der Demokraten in Boston.
Er war so etwas wie der heimliche Ehrengast, mit dem man sich aber lieber nicht zeigte: Michael Moore, Regisseur des Anti-Bush-Films "Fahrenheit 9/11", als Kolumnist von "USA Today" beim Parteitag der Demokraten in Boston ordentlich akkreditiert und allgegenwärtig, aber doch seltsam inexistent.
Er zeigte sich immer wieder gerne im "FleetCenter", gab Interviews, hielt Reden bei Protestveranstaltungen, doch eine offizielle Rolle wollten die Regisseure der "Democratic National Convention" ihm nicht geben. Denn das hätte den Plan durchkreuzt, bei der "Krönungsmesse" für den Präsidentschaftskandidaten John Kerry vor allem gut über diesen, aber nicht zu viel und zu schlecht über den politischen Gegner und zumal über Präsident George W. Bush zu reden.
Loge für "Special Guests"
Die Angst, ständige Buh-Rufe bei Nennung des Namens Bush, Ausbrüche der Empörung in einer mit gut 20.000 Menschen gefüllten Halle könnten die Berichterstattung über den Parteitag prägen, muß übermächtig gewesen sein. Und dann gibt es da noch den prinzipiellen Verdacht, daß man mit einer radikalen Kritik am Krieg im Irak die Wahlen eben nicht gewinnen kann.
Michael Moore, schwitzend, schnaufend und aufgeräumt wie immer (auf unserem Bild mit Delegierten), focht das nicht an: Er führte sich auf wie ein Ehrengast, nahm in der Loge für die "Special Guests" hoch droben unterm Hallendach gleich neben Jimmy und Rosalynn Carter Platz. Das war manchen in der Demokratischen Partei schon zu viel der Nähe, und die Beobachter der Republikaner nahmen das Bild sogleich dankbar in ihren Fundus mit den in Wahlwerbespots präsentierten Beweisen auf, nach denen die oppositionellen Demokraten so weit nach links gerutscht seien, daß sie den Kontakt zum "mainstream" verloren haben.
Der "gute Amerikaner"
Michael Moore, der sich auf den Werbeplakaten für seinen Film auf einer Fotomontage Hand in Hand mit dem Präsidenten auf der "South Lawn" des Weißen Hauses zeigt; die Ikone des Widerstands gegen die Kriegs- und Lügenpolitik der rechtskonservativen Oligarchenclique; der in Europa als Gegenfigur zum verhaßten Cowboy-Imperialisten so innig geliebte "gute Amerikaner" - Michael Moore also als heimlich-unheimlicher Wahlhelfer für Präsident Bush?
Er werde den Kandidaten John Kerry nicht offiziell seiner Unterstützung versichern, hatte Moore vor dem Parteitag gesagt. Da hörte sich das alles noch ganz unverfänglich an, denn bei den Vorwahlen der Demokraten hatte Moore für den pensionierten General Wesley Clarke Wahlkampf gemacht und schien diesem irgendwie die Treue halten zu wollen. Aber vielleicht will Michael Moore ja in Wirklichkeit gar nicht, daß John Kerry gewählt wird. Er würde dann keine Filme über und mit George W. Bush mehr machen und damit reicher werden können.
Wüste Verschwörungstheorie
Ist Moore in Wahrheit ein "agent provocateur" für die Republikaner, der die Demokraten aus der politischen Mitte drängen soll, um Bush beim Kampf um den Machterhalt und sich selbst bei der Profitmaximierung zu helfen? Eine wüste Verschwörungstheorie, fast so wüst wie manche in seinem Film. Ende August ist Moore beim Parteitag der Republikaner in New York angemeldet. Womöglich wird er dort besser behandelt als bei den Demokraten.
Und was steckt in Wahrheit dahinter, daß Moore seinen Film persönlich in Crawford in Texas, ganz in der Nähe von Bushs Ranch, vorstellte und dazu den Präsidenten einlud? War's gar kein provokanter Spaß? Warum sind die Umfragewerte für Bush, ausgerechnet zur Zeit des Parteitags der Demokraten mit Moore als Gast, in die Höhe geschnellt, während Kerry abgesackt ist? Steht die Entlarvung des Michael Moore unmittelbar bevor?