http://www.faz.net/-gum-8cke1

Amerikanische Waffenliebe : Homeshopping jetzt auch für Gewehre

  • -Aktualisiert am

Ein Mitglied der „National Rifle Association“ zeigt einem Mädchen, wie es eine Waffe halten muss. Präsident Obama will sich gegen die mächtige Lobbyorganisation durchsetzen und schärfere Waffengesetze einführen. Jetzt können die Amerikaner aber erst mal Gewehre bei „Gun TV“ erwerben. Bild: Reuters

Eigentlich hat Präsident Obama versprochen, Gesetze und Kontrollen bei Waffenkäufen zu verschärfen. Doch von jetzt an können Amerikaner sich Waffen nicht nur auf Messen und im Supermarkt, sondern auch vom Sofa aus kaufen. Bei „Gun-TV“, einem neuen Fernsehsender.

          Es müssen nicht immer Küchengeräte, Kosmetika und Kleidungsstücke sein. Homeshoppingerfahrene Amerikaner haben künftig auch Gelegenheit, sich vom Sofa aus eine Waffe ihrer Wahl zu bestellen. Nach dem Vorbild von Kanälen wie Home Shopping Network und QVC bietet der Sender Gun TV aus einem früheren Kochstudio im kalifornischen Ort Thousand Palms alles an, was das Herz eines Waffenliebhabers höher schlagen lässt: Handfeuerwaffen, Gewehre und Munition sowie Spielereien wie Spezialhalfter oder Handtaschen mit Einschüben für Pistole und Revolver.

          „Heutzutage sind die Menschen super eingespannt. Wenn sie uns in einer ruhigen Phase ihres Tages anschalten und sich richtig konzentrieren, können sie sich besser über unsere Produkte informieren“, beschrieb Gun-TV-Gründerin Valerie Castle das Konzept in der „Desert Sun“. Wie bei anderen Teleshopping-Kanälen plant die Kalifornierin, den Fernsehzuschauern Pistolen und Gewehre vorzuführen, bekannte Schützen einzuladen und mit wechselnden Kulissen für Abwechslung zu sorgen.

          Befürworter einer strengeren Waffenkontrolle protestieren vor der Zentrale der National Rifle Association. Amerika ist tief gespalten in seinem Verhältnis zum Tragen von Gewehren.
          Befürworter einer strengeren Waffenkontrolle protestieren vor der Zentrale der National Rifle Association. Amerika ist tief gespalten in seinem Verhältnis zum Tragen von Gewehren. : Bild: dpa

          In den kommenden Monaten sendet die Geschäftsfrau vorerst von ein Uhr bis sieben Uhr. Falls Gun TV bei den Zuschauern ankommt, hofft Castle, die Sendezeit auf täglich 24 Stunden strecken zu können. Um potentielle Kunden zum verantwortungsbewussten Umgang mit Waffen zu erziehen, kündigte Castle für jede Sendestunde drei Minuten Sicherheitstraining an. „Wir klären die Leute auf, wie wichtig es ist, sich gut ausbilden zu lassen. Aus der politischen Debatte über Waffengesetze halten wir uns aber heraus“, ließ Castle wissen.

          Zur Zielgruppe gehören besonders Frauen

          Durch Anschläge wie an der Sandy-Hook-Grundschule in Connecticut vor drei Jahren oder auf die Kirche Emanuel African Methodist Episcopal in South Carolina im vergangenen Sommer wird die Debatte über „Gun control“ in den Vereinigten Staaten immer wieder befeuert. Appelle des amerikanischen Präsidenten Barack Obama, Gesetze und Kontrollen bei Waffenkäufen zu verschärfen, zeigen aber wenig Wirkung.

          Fast reflexartig beruft sich die Waffenlobby National Rifle Association (NRA) nach jedem Anschlag auf den zweiten Zusatzartikel der Verfassung aus dem Jahr 1791, der den Besitz und das Tragen von Waffen garantiert. Auch Gun TV wirbt in einem Video mit der Verbreitung von Pistolen, Revolvern und Gewehren.

          Dass die Waffendichte in den Vereinigten Staaten durch Gun TV weiter zunehmen könnte, erwartet Castle nicht. Zu ihrer Zielgruppe gehören besonders Frauen, die schon die National Rifle Association für sich entdeckt hat. In den vergangenen drei Jahren meldeten die amerikanischen Händler mehr Verkäufe an Schützinnen als je zuvor.

          Kritiker verweisen dagegen auf Statistiken, die dem Glauben an Sicherheit durch Waffen entgegenstehen. Nach einer Studie des kalifornischen Mediziners Garen Wintemute für die Organisation Violence Prevention Research Program verdoppelt sich die Gefahr erschossen zu werden, wenn Pistole oder Gewehr zuhause bereit liegen. „Für die Hersteller geht es nur darum, Waren zu bewegen und Profit zu maximieren. Waffen sind ein Produkt wie jedes andere“, sagte Wintemute dem „San Francisco Chronicle“.

          Quelle: F.A.Z.

          Weitere Themen

          Schalke und Dortmund vor brisantem Revierderby Video-Seite öffnen

          Bundesliga : Schalke und Dortmund vor brisantem Revierderby

          Am Samstag könnte Schalke 04 die aktuelle sportliche Krise von Borussia Dortmund noch verstärken. Beide Trainer gaben sich am Freitag selbstbewusst, aber mir Respekt vor dem Rivalen.

          Schicksal der Besatzung ist ungewiss Video-Seite öffnen

          Verschollenes U-Boot : Schicksal der Besatzung ist ungewiss

          Die Verzweiflung bei den Angehörigen der Besatzung des vermissten, argentinischen U-Boots "ARA San Juan" ist groß. Ob die 44 Besatzungsmitglieder tot oder noch am Leben sein könnten, kann ihnen keiner sagen. Nur eines ist mittlerweile klar: Zum Zeitpunkt des Verschwindens des Schiffs gab es eine Explosion. Zuvor war nur von einem verdächtigen Geräusch die Rede.

          Topmeldungen

          Mögliche Bedingungen der SPD : Der Preis des Einknickens

          Das Nein der SPD zu einer großen Koalition bröckelt. Für den Gang in ein schwarz-rotes Kabinett dürfte sie mehr als nur einen roten Teppich verlangen. Das steht auf dem Wunschzettel der SPD.
          Hat sie die richtigen Gäste und Themen? Die Moderatorin Sandra Maischberger beherrscht ihr Metier eigentlich aus dem Effeff.

          WDR-Rundfunkrat rügt Talkshows : Populistisch und zugespitzt?

          Der Rundfunkrat des WDR kritisiert die Talkshows von Sandra Maischberger und Frank Plasberg mit harten Worten. Der Sender weist die Vorwürfe zurück. An manchen könnte aber etwas dran sein. Wobei der wichtigste Punkt fehlt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.