Home
http://www.faz.net/-gum-11dl6
Mehr Angebote
| Abo|Hilfe
Sonntag, 12. Februar 2012
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Amerika Gerne wieder Dosenfleisch

06.12.2008 ·  „Spam“ mit Knoblauchgeschmack, mit Käse oder feurig gewürzt: Amerikas berühmt-berüchtigtes Dosenfleisch kommt dank Wirtschaftskrise wieder in Mode. Denn das Büchsenfutter ist schon für weniger als zwei Euro zu haben.

Von Katja Gelinsky, Washington
Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (1)

Die Zeiten sind schlecht, und das Geld ist knapp. Auf ihr geliebtes Steak müssen manche Amerikaner verzichten, selbst für Hack reicht es zuweilen nicht mehr. Dafür erlebt das berühmt-berüchtigte Dosenfleisch Spam eine Renaissance. Angesichts der Krise greifen die Amerikaner wieder verstärkt auf die preiswerte Fleischmasse zurück, die während des Zweiten Weltkriegs die amerikanischen Soldaten im Kampf gegen Hitler-Deutschland und seine Verbündeten bei Kräften halten sollte. Für den Spam-Produzenten Hormel Foods sind - im wahrsten Sinne - rosige Zeiten angebrochen.

Das Unternehmen mit Sitz in Austin (Minnesota) fährt Sonderschichten, um den Bedarf an der rosaroten Mischung aus Schinken und anderem Schweinefleisch, Zucker, Wasser, Kartoffelstärke und einer geheimnisvollen Würzmischung zu decken. Nicht zu vergessen das Nitritpökelsalz, dem Spam seine Farbe verdankt. Längst ist das Originalprodukt, das für weniger als zwei Euro zu haben ist, um etliche Varianten ergänzt worden: Es gibt Spam mit Knoblauchgeschmack, feurig gewürzt, mit Käse, mit Speck und mit Truthahnfleisch. Selbst an Kunden, die auf ihre Linie achten, hat man gedacht. „Spam Lite“ hat 33 Prozent weniger Kalorien und 50 Prozent weniger Fett als das Spam-Produkt mit dem kühnen Namen „Crazy Tasty“ - köstlich zum Verrücktwerden.

Vegetarier haben Pech gehabt

Kultstatus erlangte das Büchsenfleisch durch den Spam-Sketch der englischen Comedyserie „Monty Python's Flying Circus“: In einem Café muss ein Ehepaar feststellen, dass sämtliche Gerichte mit Spam zubereitet sind. Der Sketch brachte Computerfreaks angeblich auf die Idee, unerwünschte Massen-E-Mails als Spam zu bezeichnen.

In Austin, das sich stolz Spamtown nennt, hat man dem Büchsenfleisch sogar ein Museum gewidmet. Bei dem Schaukochen, das Hormel Foods veranstaltet, können sich Besucher Anregungen für den Spam-Sonntagsbraten holen. Wer Appetit bekommt, kann bei „Johnny's Spamarama“ oder einem der anderen rund ein Dutzend Restaurants in Austin, die Spam auf der Speisekarte haben, Spezialitäten wie Spamburger bestellen. Nur Vegetarier haben Pech gehabt. Eine fleischlose Variante von Spam gibt es noch nicht. Nachfrage gebe es schon, sagt John O'Reilly, der im Spam-Museum Besucher betreut. Aber aus Patriotismus verzichtet man auf fleischloses Spam: „Das wäre unamerikanisch.“

Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen